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 Das glückliche Ich

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BeitragThema: Das glückliche Ich   Do Nov 19, 2015 11:17 am

Man kommt an keiner Straßenecke mehr vorbei, ohne dass einem unzählige Glücksratgeber oder Werbebotschaften Glück versprechen. Was bewirkt das? Menschen, die vorher mit ihrer Lebenssituation einigermaßen zufrieden waren, fühlen sich als Versager, die sie vorher nicht waren. Glück wird über die Werbebotschaften kommerzialisiert, auch die unzähligen Glücksratgeber wollen nur unser Geld. Sie verstärken den absurden Irrglauben, das Glück ließe sich festhalten. Das ist unmöglich.

Jedoch: Glück ist – in Grenzen – machbar. Aus Sicht der Psychologie ist Glück ein Zustand, in dem uns nichts wehtut und wir uns gut fühlen. Das eigentliche Glück entsteht daraus, dass man mit seinem Leben in allen seinen Facetten einverstanden ist, mit all seinen Widersprüchen, Höhen und Tiefen. Wer erwartet, dass ihm das Leben immer nur Freude macht, der kann an dieser selbst gestellten Aufgabe nur scheitern. Wer damit grundsätzlich einverstanden sein kann, der hat das Glück, das Sokrates “Glück der Fülle“" nennt. Dieses Glück geht mit Heiterkeit und Gelassenheit einher.

Gelassenheit heißt: Dinge geschehen lassen -– wie z.B. Ärger -– und sich nicht im Übermaß dagegen wehren.

Heiterkeit ist nicht identisch mit lauter Fröhlichkeit, sondern das Grundeinverständnis mit dem Leben. Damit lebt es sich deutlich anders, als wenn man immer nur von Glücksmoment zu Glücksmoment, von einem Wohlgefühl zum nächsten hastet.

Der amerikanische Psychologe Daniel Gilbert glaubt, herausgefunden zu haben, dass der Glaube “Kinder machen glücklich“" ein Irrglaube sei. Wenn es jemandem um die reine Glücksbilanz gehe, seien sie keine gute Investition -– zu groß der Stress, die Zeiteinbußen, die Sorgen.

Wenn wir das “Glück der Fülle"“ zugrunde legen, dann machen Kinder absolut glücklich! Denn einerseits erlebt man mit Kindern irrsinnig schöne Momente, andererseits irrsinnig große Sorgen, vom ersten Tag an.

Wer beides akzeptieren kann, der hat die Fülle des Lebens.

Es scheint sogar, dass die glücklichsten Menschen die Kinder sind. Ein Kind käme niemals auf die Idee, nur Wohlgefühl vom Leben zu erwarten. Es kann mühelos akzeptieren, in einem Moment Freude zu erleben, im anderen Moment todtraurig zu sein.

Warum gelingt ihm das?

Fast könnte man sagen, weil die Natur uns präpariert hat für das Glück der Fülle. Und am absoluten Tiefpunkt ist immer ein Erwachsener da, der tröstet. Erst als Erwachsene entsteht der fatale Wunsch immer nur Wohlgefühl erleben zu wollen.

Problematisch dabei ist es, dem Glück so viel aufzubürden. Das Glück zum Sinnersatz zu machen. Ein gutes Teil des Glücksstrebens hat dann etwas mit Betäubung zu tun. Die vergebliche Jagd nach dem Glück lässt viele zu Alkohol und Drogen greifen. Es hilft aber nichts: Zum Leben brauchen wir in erster Linie Sinn, nicht Glück.

Sinn besteht ganz allgemein aus Zusammenhängen. Das ist am besten nachvollziehbar, wenn diese Zusammenhänge in Beziehungen erkannt werden. Menschen brauchen Beziehungen, um leben zu können: zu Eltern, Kindern, Freunden, Kollegen und vielen anderen Menschen – aber auch zur Natur.

In Beziehungen stecken auch Glücksmöglichkeiten – aber der Sinn geht tiefer. Beziehungen sind auch nötig, wenn sie nicht unbedingt glücklich machen. Wenn man in einer Beziehung unglücklich ist, trotzdem aber einen Sinn darin sieht, kann man vieles – nicht alles – ertragen. Wenn man sich umgekehrt nur am Glück orientiert, wird man Beziehungen nach unglücklichen Episoden bald hinter sich lassen. Wo aber ein Sinn ist, ist in jedem Fall auch das “Glück der Fülle“". Erst wenn der Sinn verloren geht, sollte man sich neu
orientieren.
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