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 Rashas Reise

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BeitragThema: Rashas Reise   Sa Sep 12, 2015 1:32 pm

Vor mehreren Jahren stieß ich auf einen Zeitungsartikel zu "Kinderarbeit in Marokko". Dort wurde berichtet, dass in den Berberdörfern Arbeitsvermittler/innen Mädchen der Landbevölkerung an die Haushalte reicher Städter vermitteln. Die Mädchen müssen zwölf bis vierzehn Stunden täglich körperlich hart und/oder psychisch anstrengende Arbeit verrichten, je nachdem ob sie zum Waschen,
Putzen und Küchenhilfsarbeiten eingesetzt werden oder ob sie die verzogenen Kinder der Reichen betreuen und deren Launen ertragen müssen. Sie erhalten dafür Kost und Logis frei (Strohlager in der Küche, Essensreste und Stofffetzen zum Anziehen). Ihre Familien erhalten monatlich umgerechnet 50 bis 100 Euro und können damit wirtschaftlich überleben.

Ich dachte mir: Was wäre wenn... ich vor zwanzig Jahren als Seemann dort hin gerate und vor Ort von einem solchen Schicksal erfahre. Ich begann den Faden zu spinnen und daraus ist folgende Geschichte entstanden:



RASHAS REISE

Oh, fühle ich mich gerade schlecht! Die schmucklosen hölzernen Wände des kleinen dunklen Raumes, in dem ich schlafe, neigen sich gefährlich zur Seite, während die Dielen des Bodens sich heben, um urplötzlich wieder zurück zu fallen. Der fahle Schein der Lampe zaubert Spukgestalten an die gegenüberliegende Wand. Wie lange wird dieser beängstigende Sturm noch dauern, der die Wellen peitscht? Was mache ich eigentlich hier? Warum darf ich Mama nicht mehr jeden Tag das Wasser hinter dem Hügel holen, wo die Sonne immer blutrot aufgeht?
Dort wo wir leben, berührt das große Sandmeer den großen Ozean. Wenige Pflanzen und harte Sträucher sind das einzige, was da wächst. Einige aus unserem Dorf –- wenn sie ein Boot besitzen -– können fischen. Andere, wie unsere Familie, halten Schafe. Viele von Papas Schafen starben in letzter Zeit. Eine Seuche, sagte Papa!

Er musste sie verbrennen. Nun hatte Mama nicht genügend Wolle für die wunderschönen Wandteppiche, die sie immer knüpfte. - Deren Motive in kräftigen Farben, finde ich so schön, dass ich immer wieder innehalte, wenn ich daran vorbei komme. - Dadurch fehlte Papa nun das Geld, um die Familie zu ernähren, denn neben dem Hammelfleisch brachten Mamas geknüpfte Kunstwerke immer gutes Geld ein auf dem Basar.

So hatte Papa sich schweren Herzens entschieden, mich und zwei meiner Schwestern an die Samsar abzugeben. Sie vermittelt Mädchen an die Haushalte der Städter, so dass unser Lohn an Papa ausgezahlt, der Familie weiterhilft. Mama hatte mich, Fati und Soulima zu der Frau gebracht, nachdem Papa mit ihr die
Verträge gemacht hatte.

Tränennass waren Mamas Augen, als wir nacheinander Mamas Hand nahmen, ihren Handrücken küssten und damit dann unsere Stirn berührten, während wir vor ihr unser Knie beugten. Sie küsste uns flüchtig auf die Stirn und verließ uns eilig. Fati und Soulima fanden schnell Arbeitgeber. Nur ich war immer noch bei der Samsar und versorgte deren Haushalt bis -– ja, bis dieses Segelschiff vor der Küste ankerte. Mit einem Boot brachten die Seeleute mehrere Fässer ans Ufer und wollten Wasser kaufen. - Es sind hellhäutige Menschen von weit her, die eine fremde Sprache sprechen. –- Aber die Samsar konnte sich mit ihnen unterhalten.
Wir Kinder wurden mit Ziegenschläuchen losgeschickt, um von der Quelle hinter dem Hügel Wasser herbei zu schaffen. Am Abend des Tages saßen die Seeleute bei der Samsar beim Tee, den ich servierte.

Der Samsar fielen die Blicke auf, mit denen einer der Männer mich beobachtete und sie begann, mich anzupreisen. -– Nun bin ich schon zwei Tage auf diesem Schiff und kann meine Eltern nicht mit meinem Lohn unterstützen, was doch meine Bestimmung ist!

Der Mann, der mich gekauft hat, ist der Rejs des Schiffes. Ein paar Stunden am Tag kommt er zu mir und lehrt mich seine Sprache. Er ist sehr freundlich! Er lacht viel und ist sehr geduldig mit mir. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Eine Schule gibt es in unserem Dorf nicht. Ich dachte, ich müsste ihn bedienen und
bereit für alle seine Wünsche sein. Meine Schwestern haben es da nicht so gut, wie ich aus Erzählungen weiß.

Sie müssen hart arbeiten in den Haushalten der Reichen. Feuerholz hacken und schleppen, Feuer machen und unterhalten, der Köchin helfen, bedienen, sauber machen, putzen, am Fluss waschen gehen. Und die Launen der Köchin und der Herrin aushalten!

Und was musste ich bisher tun? Nichts! Meinem Herrn fremde Worte nachsprechen, Bilder anschauen und benennen, fremde Zeichen malen! Nur darf ich mein Zimmer nicht verlassen. Das ist zu gefährlich, ich könnte ins Wasser fallen.

Ah, mein Herr betritt sein Zimmer nebenan. Er hat also wieder ein paar Stunden frei! Fröhlich lächelnd, wie immer, öffnet er die Tür zu meinem kleinen Zimmer und gleich legt sich seine Stirn in Falten. Hoffentlich hab ich ihn nicht verärgert! Einen Moment kann ich ihn nicht mehr sehen. Ich höre Wasser laufen. Dann kommt er wieder zurück mit einem Eimer voll Wasser in der einen und einem weichen Tuch in der anderen Hand. Er beugt sich über mich, legt mir die Hand auf die Stirn und tränkt das Tuch mit Wasser. Angenehm kühl fühlt es sich an, als er mir das Tuch gefaltet auf die Stirn legt. Spontan küsse ich seine liebevolle Hand. Dadurch rutscht das Tuch zu Boden. Ängstlich schaue ich meinen Herrn an, aber er lächelt nur, hebt das Tuch auf und legt es wieder zurück auf meine Stirn. Zart streicht er über meine Wange und redet mit sanfter Stimme in seiner Sprache auf mich ein. Oh, ich mag ihn sehr!

Er fasst mich unter meinem Rücken und unter den Knien und trägt mich hinüber auf sein Bett. Dann beginnt er mein Bett abzuziehen und mein Zimmer zu reinigen! Das ist doch meine Aufgabe! Schnell stehe ich auf und will zu ihm, da bockt das Schiff und ich falle hin. Er hört das Poltern, dreht sich um und kommt zu mir.

Mich aufhebend schimpft er mit mir, während seine Hand sanft durch mein Haar gleitet. Dann säubert er meinen Raum und sprüht irgendetwas, das den grässlichen Duft von Erbrochenem überdeckt.

Zurück bei mir, gibt er mir ein Glas Wasser und ein komisches rosa Kügelchen und zeigt mir, dass ich das schlucken soll. Ich setze mich auf, tue es und umarme meinen Herrn. Solche Fürsorge bin ich bisher nur von Mama gewohnt. Auch Papa hätte so etwas nie getan. Das ziemt sich für Männer nicht! Dann wiegt mich mein
Herr sogar in seinen starken Armen! Oh, wie schön ist das denn! Ich schließe die Augen und gebe mich ganz dem wohligen Gefühl hin. In diesem Moment schwöre ich mir, für meinen Herrn alles zu tun, was ich tun kann. Wirklich alles!

Mein Herr gähnt. Innerlich muss ich lächeln. Der Sturm fordert sicher auch von einem Rejs alle Kraft, obwohl er doch seine Männer zum Arbeiten hat. Statt den Unterricht fortzusetzen, dreht er sich auf seinem Bett um und nach wenigen Minuten künden tiefe Atemzüge davon, dass er fest eingeschlafen ist. Ich kuschele mich an ihn und lege bald meinen Kopf auf seine Brust. So schlafe ich kurze Zeit später ebenfalls ein.

Irgendetwas weckt mich. Mir ist wieder übel. Ich springe auf und taste mich zu dem kleinen Raum, dessen Funktion mir mein Herr gleich zu Beginn gezeigt hatte. Er nennt es Bad. So etwas gibt es in unserem Dorf gar nicht! Ich öffne schnell den Deckel über so einem Sitz und muss mich schon übergeben. Da steht auch schon
mein Herr hinter mir. Ich schäme mich, dass ich ihn geweckt habe! Aber er ist wieder so zärtlich besorgt um mich. Dann soll ich wieder solch ein Kügelchen schlucken und zurück im Bett meine Stirn mit einem frisch angefeuchteten Tuch kühlen. Wie soll ich meine Gefühle beschreiben? Mein Herr ist gleichzeitig Mama und Papa für mich, gar nicht so, wie Herren in den Städten zu uns sind, wie ich hörte.

In den folgenden Tagen geht es mir langsam besser, auch der Sturm wird immer schwächer. Mein Herr lehrt mich wieder seine Sprache. Er freut sich sichtlich über meine Fortschritte. Nach anfänglichem Sträuben lässt er sich nun auch von mir bedienen. Ich will ihm irgendwie zurückgeben, was er für mich tut! Und es ist so
wohltuend zu erleben, dass nie ein böses Wort über seine Lippen kommt. Auch nicht als ein Teller kaputt ging, nachdem das Schiff urplötzlich eine Bewegung machte, die ich nicht vorher sah. Da nahm er mich sogar in den Arm und tröstete mich! Habe ich denn keine Strafe verdient?

In ein paar Tagen legen wir in einem Hafen an, wo mein Herr Ladung verkauft und Lebensmittel einkaufen will, wie er sagt. Bis dahin möchte er mir das Schiff zeigen und die Gegenstände benennen, damit ich die fremden Begriffe lerne. Es gibt für mich viel Neues zu sehen.

Fasziniert schaue ich einem der Männer bei der Reparatur eines dicken Seiles zu, das die Leute auf dem Schiff Tau nennen.

Plötzlich dreht mein Herr sich um und ist durch eine der Türen verschwunden. Ich will ihm schon hinterher gehen, da steht er schon wieder vor mir mit einer hellroten Jacke in der Hand, mit dicken Polstern dran.

Dieses Teil soll ich hier oben anziehen, sagt er. Das sei eine Schwimmweste.

So sammele ich immer neue Eindrücke und lerne viel. Vom Koch bekomme ich oft kleine Leckereien zugesteckt, wenn ich meinen Herrn bediene.

Dann taucht am Horizont Land auf. Wenige Stunden später machen die Männer das Schiff an einer Hafenmauer fest und es werden Jutesäcke ausgeladen. Mein Herr geht währenddessen auf den Basar und –- ich darf ihn begleiten!

Dort verhandelt er in noch einer anderen fremden Sprache mit den Händlern und bald ist unser Handkarren so voll, dass ich ihn nicht mehr ziehen kann. Mein Herr streicht mir lächelnd übers Haar und nimmt mir die Deichsel aus der Hand.

Wir gehen neben einander zum Schiff zurück. Während ich pausenlos rede -– "wie ein Wasserfall"“, nennt das mein Herr -, hat er während der ganzen Strecke so einen grüblerischen Gesichtsausdruck und nachdenklich schaut er mich immer wieder kurz an. Dann bleibt er plötzlich stehen:

“Das ist es! Hm, wir bringen die Lebensmittel erst zum Schiff und gehen dann noch einmal los!“"

Ich schaue erstaunt und erwartungsvoll zu meinem Herrn auf. Was ist ihm denn jetzt eingefallen?

Zurück beim Schiff übernehmen die Männer den Handwagen und wir drehen wieder um. Mein Herr stoppt ein Taxi und verhandelt einige Minuten mit dem Fahrer. Dann steigen wir ein und der Mann bringt uns dorthin, wo schöne Häuser stehen.

Bei uns im Dorf hat nur die Samsar ein Auto. Aber das ist besser als dieses Taxi hier. Das Taxi quietscht und scheppert während der Fahrt, aber wir kommen an.
Die Gegend hier ist so anders, als was ich bisher kenne. Ängstlich halte ich mich an meinem Herrn fest. Wir steigen aus und gehen zwischen gut gekleideten Menschen die Straße entlang. Die Häuser sind höher, als die die ich bisher kenne! Am Gesichtsausdruck meines Herrn erkenne ich schließlich, dass wir wohl unser Ziel erreicht haben, als wir ein Haus betreten.

An langen Reihen hängen dort die unterschiedlichsten Kleidungsstücke. Ich muss sehr aufpassen, meinen Herrn zwischen den vielen Menschen und Stoffen nicht zu verlieren. Bald nimmt er mehrere Sachen von der Stange und lässt sie mich anprobieren.

Nach einer Stunde verlassen wir das Haus schon wieder! Aber ich habe jetzt ganz neue Kleidung! Und das alles gehört mir!

Leichtfüßig vor Freude tänzelnd gehe ich an der Seite meines Herrn, der mich amüsiert beobachtet. Er hält nun nach einem anderen Taxi Ausschau, das uns zum Schiff zurück bringen soll.

In diesem Moment beginnt ein Tumult. Geschrei ertönt. Leute laufen an uns vorbei. Instinktiv drücke ich mich an meinen Herrn. Schräg gegenüber scheint eine Frau um ihre Tasche zu kämpfen. Zwei Jungs zerren an ihr. Männer laufen herbei. Die Jungs verschwinden im letzten Moment ohne ihre Beute. Die Frau rappelt sich schimpfend und jammernd hoch und gibt den zu Hilfe geeilten Männern nacheinander einen Handkuss bevor die Gruppe sich beruhigt hat und auseinander geht.

Ich schaue nachdenklich vor mich hin. Hat die Frau mir nicht etwas wichtiges gezeigt? Hab ich nicht einen sträflichen Fehler begangen, vor Freude? Ich schaue ängstlich und zweifelnd zu meinem Herrn hoch und fasse mir endlich ein Herz ihn darauf an zu sprechen:

“Herr, weißt du, wie die Mädchen vom Land in den Städten herumlaufen?“"

Er wendet sich zu mir und antwortet in dem warmen Ton, den ich an ihm so liebe:

“Nein, Rasha. Sag’ es mir.“"

“Im Gegensatz zu den Kindern der Herrschaft dürfen wir nur Lumpen tragen, die von Stricken zusammengehalten werden. Als große Belohnung gilt es, wenn wir abgetragene Kleidung geschenkt bekommen. –- Mein Herr, bitte verstoße mich nie! Ich will für immer dir gehören, dir aufs Wort gehorchen!
Du hast mir wunderschöne neue Kleidung gekauft! Ich bin für immer Dein Mädchen!“"

Mit diesen Worten nehme ich die Hand meines Herrn, küsse den Handrücken und führe sie an meine Stirn, während ich einen Knicks mache.

Mein Herr umfasst mich im nächsten Moment, hebt mich hoch und drückt mich fest an seine Brust. Mich wieder auf den Boden zurück stellend, antwortet er:

“Rasha, du bist Mein Mädchen und wirst es bleiben. Dies setze ich deinem Versprechen entgegen:
Ich werde dich achten, deinen Dienst wertschätzen, mich um deine Dinge kümmern und für dich sorgen solange ich lebe und nach Möglichkeit über meinen Tod hinaus! Du bist auf ewig Mein, wenn ich ernsthaft Dein bin!"
“
“Oh ja, Herr, du bist mein Leben.“"

“Was ist, wenn eines Tages ein junger Mann kommt und dir schöne Augen macht?“"

“Wenn du mich nicht freigibst, hat kein Anderer eine Chance, mein Herr!“"

Zärtlich streicht mir mein Herr über mein Haar und verspielt zupft er an einer Locke, während wir zu einer Straßenecke gehen, um einem Taxi zu winken. Auf der Fahrt zum Hafen kuschele ich mich ganz an meinen Herrn und leg meinen Kopf in seinen Schoß. Gedankenverloren streichelt er meine oben liegende Wange und Schulter.

Auf dem Schiff ist alles schon zur Abfahrt bereit. Die Taue werden gelöst. Mit Stangen drücken die Seeleute das Schiff von der Mauer weg. Die Segel werden gesetzt. Es geht wieder hinaus auf den großen Ozean.

In der folgenden Zeit darf ich nach meinem Tagesdienst und den Lernstunden im Bett meines Herrn schlafen, nicht mehr in dem fensterlosen Nebenraum, der doch nur die Größe eines Wandschrankes hat. Wenn mein Herr frei hat und müde ist, streichele ich ihn in den Schlaf und bette meinen Kopf auf seiner Brust. Das
regelmäßige Heben und Senken seines Brustkorbes vermittelt mir eine himmlische Geborgenheit und ich schlafe selig ein.

Die folgenden Wochen auf dem großen Ozean bei schönstem Segelwetter verbringe ich in einem nie gekannten Gefühl. Mir ist als würde ich schweben, als wäre ich ein Engel im Paradies, der seinem Herrn jeden Wunsch von den Augen abliest. So gut ging es mir noch nie. Jede freie Minute kümmert sich mein Herr um mich und geht auf Entdeckungsreise auf meiner Haut. Seine zärtlichen Berührungen lassen nie gekannte Gefühle in mir aufsteigen. Ich gehöre meinem Herrn, mein Körper gehört meinem Herrn. Alles, was er damit tut, ist in Ordnung. Ich horche in mich hinein und gebe mich den Gefühlen hin.

Die Tage auf dem großen Ozean vergehen wie im Flug. Wieder kommt Land in Sicht und wieder wird Ladung verkauft und neue Ladung an Bord genommen. Nach Wochen erreichen wir einen Hafen, der mir sehr bekannt vorkommt. Hier bin ich in den Dienst meines Herrn getreten. Während sich die Mannschaft um die
Ladung kümmert, soll ich mit meinem Herrn mitkommen. Er mietet ein Auto und wir fahren gute zwei Stunden die Küstenstraße entlang. Schließlich schaue ich meinen Herrn mit großen Augen erstaunt an: Wir erreichen mein Heimatdorf!

“Mein Herr, bist du unzufrieden mit mir? Willst du mich zurückbringen zu der Samsar oder meinen Eltern?“"

Traurig schaue ich meinen Herrn an.

Er wendet sich mir zu mit dem zärtlichen Gesichtsausdruck, den ich so sehr an ihm mag und antwortet:

“Rasha, ich habe dich sehr gern und möchte dich nie wieder hergeben. Auf dem Weg in meine Heimat haben wir nun wieder in deiner Heimat Halt gemacht. Ich wollte dir eine Freude machen und deine Familie mit dir besuchen! Auch hab ich deinem Papa den Lohn für deine Dienste nicht auszahlen können. Du bist doch
deswegen bei mir, um deine Familie unterstützen zu können, habe ich Recht?"
“
“Ja, Herr. Ursprünglich hast du Recht, aber ich verstehe, dass du Papa nicht regelmäßig meinen Lohn auszahlen kannst, da du dein Geschäft ja nicht in der Hafenstadt hast. Die Samsar wird mit Papa eine Regelung getroffen haben, die allen Beteiligten gerecht wird, denke ich.“"

“Das denke ich auch. Trotzdem habe ich mir gedacht, deine Familie mit dir zu besuchen. Du sehnst dich sicher auch danach deine Eltern und Geschwister zu sehen, soweit sie noch zuhause wohnen. So oft kommt das ja nicht vor, dass wir hier sind!“"

“Oh ja, mein Herr! Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen!"“ antworte ich und lehne mich an meinen Herrn.

Wir erreichen mein heimatliches Fischerdorf und mein Herr parkt den Wagen am Ortsrand. Zu Fuß gehen wir die Gasse entlang zu meinem Elternhaus. Mein jüngster und mein ältester Bruder kommen uns mit den Schafen entgegen.

Freundlich zurückhaltend grüßen sie meinen Herrn und fragen mich, wo er mit mir hin will.

“Wir sind auf der Rückreise in die Heimat meines Herrn und deshalb erlaubt er mir unsere Eltern zu besuchen," antworte ich.
“
Mein ältester Bruder entscheidet, unsere Eltern zu informieren und schickt unseren jüngsten Bruder daher nach Hause zurück, während er die Schafe alleine treibt.
Wir verabschieden uns von einander und gehen weiter auf unser Elternhaus zu. Wenige Minuten danach haben wir es erreicht. Meine Mama kommt uns am Eingang begrüßen und sagt, Papa wäre draußen fischen.

Sie bittet uns herein und bietet meinem Herrn Fladenbrot und Suppe an. Wir setzen uns. Draußen wird es laut. Die Fischer sind zurück. Der Fang muss nun zum trocknen vorbereitet werden.

Dann kommt mein Vater in Begleitung meines jüngsten Bruders herein. Nach der Begrüßung schickt er den Kleinen zur Samsar, weil nur sie meines Herrn Sprache spricht. Bald sitzt sie dolmetschend dabei. Mein Herr erzählt von der Reise und dass er sehr zufrieden mit mir ist. Es macht mich stolz, das aus dem Mund meines
Herrn zu hören. Er fragt, wie die bisherige Regelung aussieht und ob Papa bereit ist, auf monatliche Zuwendungen zu verzichten, da das für meinen Herrn unpraktikabel ist. Er fragt, ob Papa statt dessen mit einer Einmalzahlung zufrieden wäre, zum Beispiel könne er damit das Haus reparieren, oder einen neuen
Bootsmotor kaufen, oder ein paar Ziegen.

Nach einigem Überlegen ist Papa mit der Regelung einverstanden und nennt einen Preis bei dem mein Herr schmunzeln muss.

“Ich hatte der Samsar mehrere Monatslöhne im voraus ausgezahlt, da ich nicht genau wusste, wann ich wieder hier sein werde. Daher weiß ich, was es mich kostet. Ich gebe Ihnen noch 80 Monatslöhne. Dann läge es an Ihnen, die Mitgift aufzubringen, um sie zu verheiraten. Wenn es soweit ist, übernehme ich auch diese Kosten für sie. Wenn ich richtig rechne, war Ihre genannte Summe das Dreifache des rechnerischen Betrages.
Kommen Sie von Ihrer Forderung herunter und wir werden handelseinig."
“
Schließlich einigen sich beide auf die Hälfte des von Papa anfangs genannten Betrages, den mein Herr ihm sogleich auszahlt. Daraufhin gibt es noch ein Festessen, gegrillter Hammel, den Mama während der Verhandlungen zubereitet hat. Gegen Abend erst fahren wir zum Schiff zurück. Dort ist auch schon alles zu
Abfahrt bereit. So wird es eine Segeltour in die Nacht.

Den nächsten Hafen auf einer Kanalinsel erreichen wir erst in einer Woche. In dieser Zeit hatte ich wieder einmal Gelegenheit meinen Herrn von seiner zärtlichen Seite kennen zu lernen. Er ist so geduldig mit mir!

Wenn ich mal einen Fehler mache, erklärt er mir, wie es seiner Meinung nach richtig gemacht wird und lobt mich, wo es geht. Ich muss sagen, bisher hat mein Herr mit seinen Korrekturen immer Recht behalten.

Gestraft hat er mich nie! Ich würde einem so guten Herrn aber auch nie absichtlich Anlass zum Strafen geben.

Auf der Insel im großen englischen Kanal verkauft mein Herr einen Großteil seiner Ladung. Dann entschließt er sich, der Mannschaft einen freien Tag zu schenken. Mit mir macht mein Herr eine Inselrundfahrt. Dafür mietet er ein Auto. Wir fahren an Rebenhängen vorbei auf einen kleinen, von einer halbhohen Mauer
umschlossenen Parkplatz. Nachdem er den Motor abgestellt hat, fragt er mich:

“Rasha, schau dir mal den herrlichen Himmel an. So blau, mit einzelnen weißen Wölkchen, die ein zugegebenermaßen frischer Wind vor sich her triebt im schönsten Sonnenschein.. Weißt du, mein Mädchen, dass mir etwas fehlen würde, wenn du in ein paar Jahren zu deinem Vater zurückgehen würdest, damit er
dich verheiratet und den Brautpreis für dich kassiert. Ich habe dich lieb gewonnen und möchte dich nie wieder hergeben!"
“
“Oh, Herr! Ihr beschämt mich! Ich bin doch nur eine einfache Magd. Ihr habt mich gekauft und damit das Recht ALLES mit mir zu machen! Ihr könntet mich jetzt hier in der Fremde aussteigen lassen und einfach davon fahren!"
“
“Rasha, es stimmt, theoretisch hätte ich das Recht dazu, aber das wäre gegen mein Verantwortungsgefühl! Und es würde meinen Gefühlen für dich Hohn sprechen, so zu handeln, mein Mädchen!“"

“Ihr habt hier angehalten, um mir etwas zu sagen, mein Herr. Wenn ihr mich hier nicht aussetzen wollt, was ist es dann?"
“
“Wenn ich unzufrieden mit dir wäre, hätte ich das sofort angesprochen, Rasha. Du kennst mich inzwischen so gut, dass ich nicht lange Groll in mich hinein fresse, sondern `mein Herz auf der Zunge trage´. Ich hätte sofort eine Verhaltensänderung von dir verlangt und hätte dann schon wieder Grund gehabt, dich zu loben.. Nein, ich bin mehr als zufrieden mit dir. Du bist mir ans Herz gewachsen, Rasha! - Komm’, setzen wir uns draußen auf die Mauer!"“

“Wenn mein Herr das wünscht…“..."

Draußen auf der Mauer bietet sich ein grandioser Blick. Felshänge, durchbrochen mit kleinen Weingärten. Die Straße, die sich an den Felsen schmiegt. Wellen, die sich unten am Felsen brechen und unendlich blauer Himmel.

Ich warte bis mein Herr sich auf die Mauer gesetzt hat. Er tut es so, dass er rittlings auf der Mauer sitzt. Ein Bein diesseits der Mauer, das andere Bein angewinkelt auf der Mauer. Ich setze mich mit dem Rücken zum Meer neben meinen Herrn und schaue ihn erwartungsvoll an.

Mein Herr fasst mich an den Schultern, dreht mich von sich weg und lehnt meinen Rücken an seine Brust. Ich fühle, wie sein Herz schlägt.

“Rasha, in ein paar Tagen erreichen wir meine Heimat. Diesmal nur um Ladung zu löschen und neue an Bord zu nehmen. Ich denke, dass ich das Schiff nach der nächsten Reise eine Woche festmache und der ganzen Mannschaft Urlaub gebe. In dieser Zeit möchte ich dir gerne meine Heimat zeigen. Vielleicht ergibt sich ja
auch die Möglichkeit, das Schiff zu verpachten und von der Pacht ein Haus abzuzahlen -– mich zur Ruhe zu setzen -– mit dir!"
“
“Du weißt, Herr, dass du mich nicht um Rat fragen kannst. Du entscheidest und ich folge dir! Selbst wenn du zum Schejtan gingst, ich folge dir, denn ich gehöre dir!“"

Einen Moment verliere ich das Gleichgewicht. So spontan hat mich mein Herr an sich gedrückt, dass ich davon überrascht wurde.

Dann genieße ich die Nähe meines Herrn. Träumend schaue ich in die Weite und fühle wohlig die zarten Streicheleinheiten seiner Finger auf meiner Haut. Während wir beide zurücksinken, richten sich unser beider Blicke in die Unendlichkeit des Himmels über uns. Ich beginne den Wolken Fantasieformen zuzuordnen und
vergesse darüber die Zeit. Die Sonne steht schon lange im Zenit, als mein Herr sich erstmals wieder bewegt.

Nachdem er auf seine Uhr geschaut hat, sagt er erstaunt:

“Hey, Rasha, wir müssen den Wagen zurückbringen!“"

Im Aufrichten streichelt er wie zufällig über meine Brust. Spontan gebe ich ihm einen Handkuss. Wir gehen zum Auto und fahren zum Verleiher zurück. Danach lädt mich mein Herr in eine nahe Gaststätte zum Essen ein. Traurig schaue ich meinen Herrn an und frage ihn, ob ihm mein Essen nicht schmeckt. In diesem Moment fasst er mich an der Hüfte, hebt mich an und wirbelt mich einmal um seine Achse. Nachdem er mich wieder abgestellt hat, antwortet er lachend:

“Eine bessere Küche, als deine, kenne ich gar nicht! Du hast ein goldenes Händchen, was Gewürze angeht, mein Mädchen! Du hast unsere Bordküche schon revolutioniert. Sollte unser Koch mal ein Restaurant an Land eröffnen, hätte er sicher bald den Laden voll!
Rasha, du sollst auch einmal Urlaub haben, das Leben genießen, einfach so in den Tag hinein leben dürfen!
Sieh es als Geschenk deines Herrn an, wenn du magst.“"

“Hausangestellte in meiner Heimat haben Freizeit zum Schlafen in der Nacht, mein Herr. In seltenen Ausnahmefällen –- wenn es meinen Eltern schlecht ginge, bekäme ich ein paar Tage frei…“..."

“Aber es liegt in meinem Ermessen, dir zwischendurch einmal frei zu geben -– zum Beispiel als Belohnung für eine besondere Leistung, Rasha."
“
“Das ist richtig, mein Herr. Aber was habe ich denn gerade besonderes geleistet, das dich so erfreut?“"

“Ein weiterer Grund für eine Belohnung ist für mich, fortgesetzte Loyalität mir gegenüber, Rasha. Dass du mir zeigst, dass du gerne bei mir bist, dass du mir gerne gehorchst, dass du mir gerne dein Vertrauen schenkst."
“
“Oh, Herr, du zeigst mir gegenüber großes Verantwortungsbewusstsein. Du beschützt mich. Du lehrst mich mir noch unbekannte Tätigkeiten. So lernte ich schnell, dir voll zu vertrauen. Wenn ich nun Erzählungen anderer Mädchen im Haus der Samsar mit meinem Leben unter dir vergleiche, fühle ich mich eher als
Tochter, denn als deine Magd! Und dafür liebe ich dich! Dafür würde ich für dich durchs Feuer gehen, würde ich dich vom Shejtan zurückholen, wenn das nötig wäre!“"

Mein Herr wirft mir einen ganz eigenartigen Blick zu, legt mir seinen rechten Arm über die Schultern und zusammen gehen wir zur nahen Gaststätte. Dort wählt mein Herr einen Tisch vor der Türe aus, wo wir uns über Eck hinsetzen. Beim herbei eilenden Wirt bestellt er Fladenbrot, Lachs und frischen Salat.

Später spaziert mein Herr mit mir im Arm am Kai entlang Richtung Ortsrand. Dort beginnt unberührter Strandsand unterbrochen mit einzelnen kleinen Felsen. Kleine, vom Gezeitenwasser flach geschliffene Steine hebt er auf und lässt sie von Zeit zu Zeit auf dem Wasser tanzen. Gedankenverloren schaut er dann den Sprüngen der Steine hinterher, bis sie untergehen.

Einen der Steine, die er aufhebt, schaut er sich prüfend von allen Seiten an. Er hat eine weiß-gelbe Farbe und hat kaum Gewicht. Mein Herr lässt ihn in seine Hosentasche fallen, bevor wir unseren Strandspaziergang fortsetzen. Später an Bord gibt er mir den Auftrag ein wenig sauber zu machen, während er in den
Maschinenraum geht. Im Vorbeigehen höre ich die Schleifmaschine laufen.

Am Abend schließlich muss ich meinen Herrn im Auftrag des Kochs zum Essen holen. Gerade hat er seine Schleifarbeit beendet und lässt das Werkstück in seiner Hosentasche verschwinden, bevor ich das Ergebnis seiner Arbeit genauer sehen kann.

Nachdem ich zur Nacht meinen Küchendienst beendet habe, gehe ich wie immer zu meinem Herrn in die Kabine. Dort empfängt mich leise Musik. Mein Herr ist in einen Roman versunken. Ich setze mich leise zu Füßen meines Herrn und lehne mich abwartend an seine Beine.

Nach einiger Zeit legt mein Herr ein Lesezeichen in das Buch und klappt es zu.

“Rasha, wir werden mit ablaufendem Wasser, also beginnender Ebbe ablegen und in zwei Tagen in meiner Heimat ankommen. Während die Ladung gelöscht wird und neue an Bord genommen wird, haben wir zwei Tage, die ich nutzen möchte, um mit der Eisenbahn ins Landesinnere zu fahren. Ich möchte dir meine
Geburtsstadt zeigen. Bist du schon einmal Eisenbahn gefahren?“"

“Noch nie, mein Herr!"“

Ich reibe meine Seite sanft an seiner Wade.

“Rasha, steh mal auf und setze dich neben mich auf die Couch!“"

“Ja, mein Herr."

Ich tue, wie mir befohlen und schaue meinen Herr fragend an.

“Dir werden in meiner Heimat bestimmt noch mehr Dinge neu vorkommen. Ich wünsche, dich wissbegierig zu sehen! Frage mich alles! Lass dir alles an Ort und Stelle erklären, mein Mädchen!“"

“Ja, Herr. Ich werde dich löchern."

Grinsend schaue ich meinem Herrn ins Gesicht. Er erwidert mein Grinsen und nimmt mein Gesicht in beide Hände. Während ich demütig zu Boden blicke, trifft mich sein zarter Kuss auf meine Stirn.

“Während der Zugreise wirst du dies hier tragen, mein Mädchen."
“
Mit diesen Worten holt er eine kleine Schatulle aus seiner Hemdtasche und überreicht sie mir.

Freudestrahlend nehme ich sein Geschenk an und gebe ihm einen Handkuss. Dann öffne ich vorsichtig die Schatulle, erwartungsvoll von meinem Herrn beobachtet.
Ich finde eine Kette mit einem herzförmigen Anhänger aus gelblichem Material.

“Das ist der Stein, den ich heute am Strand fand, Rasha. Ich habe ihm die Form gegeben, geschliffen und poliert. Halte ihn einmal gegen das Deckenlicht..."
…“
“Da ist ja etwas drin!"“ rufe ich erstaunt aus.

“Ja, mein Mädchen. Es handelt sich um Bernstein. Das ist uraltes Baumharz. Oft mit pflanzlichen Einschlüssen oder Insekten drin. Das hier wird wohl mal eine Raupe gewesen sein.“"

“Oh, wie schön, mein Herr! Und du hast dir die Arbeit gemacht, mir diesen Schmuck herzustellen!“"

“Sieh es als Anerkennung für deine Dienste, mein Mädchen.“"

“Mein Herr, ich erfülle nur meine Aufgabe unter dir. Du hast mich gekauft, damit ich dir diene.“"

“Aber ich darf doch zeigen, dass ich dich mag, Rasha,“" antwortet mein Herr lächelnd. “Und das so oft ich will."
“
“Du bist mein Herr! Tu mit mir, was dir beliebt!“"

“Du musst sicher müde sein, mein Mädchen. Da wir auch schon kurz nach Mitternacht starten, lass uns jetzt schlafen gehen!"“

Als ich wach werde, schwanken die Wände. Dadurch weiß ich, dass wir schon wieder auf See sind. Mein Herr hatte mich also schlafen gelassen und sich leise davon gemacht. Ein warmes Gefühl tiefer Zuneigung durchströmt mich bei dem Gedanken daran. Er ist nicht so, wie viele Herren aus den Erzählungen von
Freundinnen in der Heimat. Eher so wie Papa –- oder noch lieber...
…
Die Uhr an der Wand zeigt Zwanzig nach Fünf. Ich stehe nun auf und geh ins Bad, um danach die Kabine aufzuräumen und das Bettzeug wegzufalten. Nach dem Staubwischen geh ich in die Kombüse und hole meinem Herrn Kaffee und Frühstück, das ich ihm im Steuerhaus serviere.

“Guten Morgen, mein Herr, dein Frühstück ist bereit.“"

“Vielen Dank, Rasha. Komm, setz dich zu mir und leiste mir Gesellschaft! Hast du schon gefrühstückt?“"

“Herr, du weißt, dass du in meinen Augen immer zuerst kommst. Erst wenn du zufrieden bist, bin ich an der Reihe!"
“
“Das schmeichelt mir natürlich, mein Mädchen, denn in meinem Kulturkreis ist solch ein Verhalten absolut nicht selbstverständlich! Ich lasse dich natürlich gewähren, aber dann solltest du dich auch daran gewöhnen, dass ich dir offen zeige, wie mich dein Dienst erfreut! Du bist etwas ganz besonderes für mich. Der
Bernsteinanhänger ist kaum geeignet, dir meine Wertschätzung dafür zu zeigen. Lass mich also, wie bisher schon, an deinen Gedanken und Gefühlen Anteil haben -– der Bezugspunkt in deinem Leben sein.“"

“Mein Herr, wie gern ich dieser Anweisung von dir Folge leiste!! Genau diese Einstellung von dir macht dich in meinen Augen zu einem ganz besonderen Menschen -– einem Menschen, für den ich jederzeit ALLES tun würde!“"

Während ich antworte, stehe ich auf, gehe um den Tisch herum ganz nah zu meinem Herrn, knie mich neben ihn und berühre während meiner letzten Worte mit meiner Stirn seine Oberschenkel. Mein Herr streicht mir sanft über die Haare, berührt zärtlich meine Wange und hebt mein Kinn an, so dass ich ihm in die Augen
blicken muss.

“Kleines, ich habe dich lieb gewonnen. Ich werde weder Unmögliches, noch zu schwieriges von dir verlangen, um mich an kläglichen Versuchen mir zu gehorchen zu erfreuen, oder einen Vorwand zu haben, dich wegen 'Ungehorsam'“ zu bestrafen. Ich bin kein Sadist, Rasha.“"

Noch kniend antworte ich ihm:

“Mein Herr, genau diese Charaktereigenschaft von dir bindet mich fester an dich, als jede Fessel es vermag!“"

Mein Herr fasst mich an den Oberarmen und zieht mich hoch, um mir die Stirn zu küssen. Dann umarmt er mich fest und lässt mich neben sich sitzen. Er gießt einen Becher mit Pfefferminztee - den ich so liebe -– voll und macht mir eine Schnitte mit Nuss-Nougat-Creme, die ich erst durch meinen Herrn kennen lernte.

Eng an meinen Herrn angelehnt, frühstücke ich nun auch, während er seinen Arm um meine Schultern gelegt hat und mit der anderen Hand meinen Oberschenkel seitlich zart streichelt. Spontan küsse ich seine Wange und muss lachen, als ich dort meinen Kussmund in Nuss-Nougat abgebildet sehe.

Mein Herr lacht mit mir und wehrt mich ab, als ich ihm die Wange mit einem Tuch reinigen will. Da ich aber kurz traurig blicke, lässt er es nun doch zu. Dann räume ich den Tisch im hinteren Teil des Steuerhauses ab und bringe alles wieder zurück in die Kombüse. In der Zwischenzeit hat auch die Mannschaft gefrühstückt, und deshalb helfe ich dem Koch beim Spülen. Danach muss schon Gemüse geputzt und geschnibbelt werden.

So vergeht die Zeit auf See zwischen Kombüse, Steuerhaus und der Kabine meines Herrn. Am Spätnachmittag des folgenden Tages segeln wir in die Flussmündung hinein, wo der Zielhafen liegt. Nach dem Festmachen am Abend geht die Mannschaft an Land. Nach einem Vierteljahr auf See wollen die Männer
sich amüsieren.

Mein Herr übernimmt die Bordwache und ich darf ihm Gesellschaft leisten. Nachdem er für uns beide eine Pizza gebacken hat, springt er über die Fernsehkanäle. Bei einem Film bleibt er hängen. Eine Frau steht da an
einer Brücke. Es regnet. Ein Auto hält und nimmt sie mit. Der Fahrer steuert den Wagen in ein einsames Industriegebiet. Sie steigen beide aus und betreten eine Industriehalle. Drinnen öffnet sich eine großzügige Wohnung. So etwas habe ich noch nie gesehen. Mein Herr sagt, so etwas nennt man Loft. Die beiden landen
schnell miteinander im Bett. Bald schlägt er sie mit dem Gürtel. Dann fesselt er sie an ein X-förmiges Gestell.

Ich schaue meinen Herrn fragend an. Er schüttelt den Kopf.

“So etwas wirst du mit mir niemals erleben, Rasha!“"

“Erregt dich der Gedanke nicht, mein Herr?“"

“Nein, mein Mädchen. Ich bin kein Sadist. Wenn du mir gehorchst, erregt mich das mehr. Bleibe wie du bist!
So demütig - was auf Deutsch 'dienstwillig' heißt - wie du bist, gefällst du mir am besten. So sammelst du bei mir am besten Pluspunkte, und nach einer gewissen Anzahl Pluspunkte wandeln sie sich in eine Belohnung um! Inzwischen hast du das doch schon mehrmals erlebt, dass ich dich mit Lob und Belohnung erziehe und
nicht mit Angst und Gewalt.“"

Ich kuschele mich an und antworte:

“Ja, mein Herr, und dafür liebe ich dich! Dafür würde ich für dich sterben, wenn das nötig werden sollte!“"

“Rasha, ich bin sehr stolz auf dich – stolz, dein Herr sein zu dürfen! Aber sterben sollst du nicht. Da beschütze ich dich!“"

Etwa zwei Stunden später, nach dem Film und den Spätnachrichten, gehen wir zu Bett. Ich kuschele mich an meinen Herrn und genieße seine zarten Streicheleinheiten.

Am anderen Morgen nach dem Frühstück fährt ein Lieferwagen auf dem Anlegekai vor, zwei Männer steigen aus und begrüßen meinen Herrn und den Doktor an Bord. Der Doktor ist kein Arzt, sondern Wissenschaftler.

Die Männer hatten auf See ein Netz hinter dem Schiff hergezogen und die gefangenen Fische immer wieder ins Meer zurück geworfen, bis auf einige für unseren Koch. Sie waren an all dem Plastik interessiert, das im Meer schwimmt.
Dieser Müll wird von den neu dazu gekommenen Männern begutachtet und dann in großen Kisten im Lieferwagen gestapelt.

Mein Herr verteilt am Nachmittag die Bordwache unter der Mannschaft und gibt mir die Anweisung Kleidung für drei Tage einzupacken. Er möchte mit mir eine längere Zugfahrt machen, während die wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen Seefahrt ausgewertet werden.

Gegen Abend bringt uns ein Taxi zum Hauptbahnhof. Wir starten mit dem Zug nach Südwestdeutschland gegen 20 Uhr und machen es uns im Abteil bequem. Für den Fall, dass Fremde unsere Gespräche mithören, darf ich meinen Herrn bei seinem Vornamen nennen, so als wäre ich seine Nichte, erlaubt er mir.

Beim nächsten Halt steigt ein junges Paar mit Rucksäcken zu. Nach ein paar freundlichen Worten schließen wir unsere Augen und dösen vor uns hin. Gegen halb sechs am anderen Morgen haben wir unser Ziel erreicht.

Trier, die älteste Stadt Deutschlands, wie mein Herr schmunzelnd sagt. Wir verstauen unser Gepäck im Schließfach und gehen einen breiten und grünen Boulevard entlang. Er heißt Ostallee, wie ich lesen konnte.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erkenne ich eine lang gezogene Sandsteinmauer.

“Das ist die römische Stadtmauer, mein Mädchen. Die Nordallee, Ostallee und Südallee folgen dem Verlauf der alten römischen Stadtgrenze."
“
Wir gehen an einer Straßenkreuzung durch eine Fußgängerunterführung und befinden uns schnell in einer Fußgängerzone, die um diese Zeit noch recht leer ist. An deren Ende erkenne ich einen düsteren Bau.

“Das ist die Porta Nigra, das alte römische Stadttor. Komm, wir fragen hier im Domhotel nach einem Zimmer."
“
Mein Herr wendet sich der Häuserfront zu und betritt ein Haus. An der Rezeption wird er sich mit der Dame schnell einig. Wir erhalten den Schlüssel und verlassen das Haus wieder. Draußen betreten wir eine Nebenstraße und dort sehe ich eine wuchtige christliche Doppelkirche.

“Das ist der Dom und Liebfrauen. Der Dom ist ca. 1700 Jahre alt. Eine romanische Kirche. Liebfrauen ist eine barocke Kirche in der Form einer auf der Blüte stehenden Rose. Allerdings ist der Stengel / Turm inzwischen kaputt. Komm, wir setzen uns hier ins Café und frühstücken erstmal.“

Nach dem Frühstück gehen wir über den Domplatz näher an die Bauwerke heran und umrunden sie. Mir fällt ein riesiger runder schwarzer Steinbrocken auf.

“Ist das ein Stück von dem eingestürzten Turm, Peter,"“ frage ich, mit einem Seitenblick auf andere Leute in unserer Nähe.

“Nein, mein Mädchen,“" antwortet mein Herr. “Das ist ein Stück einer Basaltsäule aus dem Dom. Man erzählt sich, dass die Trierer sich mit dem Bau übernommen hätten damals. Da hätte sich ein Fremder in der Versammlung gemeldet und sich angeboten, beim Bau zu helfen. Als Lohn wollte er die Seele des ersten
Lebewesens, das nach Vollendung den Dom betritt. Nun war das Gotteshaus fertig. Es fehlte nur noch eine Säule im Eingangsbereich und niemand traute sich mehr in die Nähe. Die Bürger entschlossen sich nun eine Ziege in den Dom zu treiben, als der Teufel auf dieser Säule den Dom erreichte. In seiner Wut, schleuderte
der die Säule hierhin, wo das größte Bruchstück heute noch liegt. Man sagt heute: Jeder Trierer muss als Kind drüber gerutscht sein, sonst ist er kein richtiger Trierer.“

“Bist du als Kind draufgeklettert und runter gerutscht?“"

“Mehr als einmal, mein Mädchen,"“ lächelt mein Herr. So entspannt habe ich ihn lange nicht gesehen.

Wir stehen noch ein paar Sekunden da. Während mein Blick über das imposante Bauwerk huscht um möglichst viele Eindrücke aufzufangen, höre ich meinen Herrn murmeln:

"Om Duumstaan sei mer romgerötscht. Dat wor net immer ginstig.
De Box zerriß, de Kapp zerschonn, blutrinstig.
Un komm ejch dann haam, dann woßt ejch glejch,
ejch braocht kaan Red ze haalen.
Ejch braocht bluuß ,Gudden Daach' ze sonn,
det anneret soot min Aalen.
Roff de Trepp schlich ejch mich off de Ziewen,
doch min Klepp, die sinn net aosgebliewen..."


"Was sagst du, Herr," frage ich.

"Wie..? Ach nichts, Rasha. Das war ein Gedicht im Dialekt, den ich in meiner Kindheit gesprochen hab - es geht um den Domstein, um das Bruchstück hier..."

Er schüttelt kurz den Kopf und ergänzt lächelnd:

“Komm, wir holen erstmal unser Gepäck aus dem Schließfach und machen danach einen exklusiven Stadtrundgang mit mir als Führer!"
“
“Oh ja, mein Herr!"“ rufe ich aus.

Wir gehen zum Bahnhof zurück, holen unser Gepäck und spazieren zum Hotel zurück. Dann gehen wir zur Porta Nigra, damit ich den wuchtigen Bau aus der Nähe betrachten kann.

“Mir fällt etwas ein, mein Mädchen. Bevor ich dir die Stadt zeige, gehen wir eben mal diese Straße entlang!“"

Ich schaue meinen Herrn fragend an, aber er ist in Gedanken versunken.

Wir erreichen einen Friedhof. Im Eingangsbereich fragt er einen Mitarbeiter nach einem bestimmten Grab.

“Oh, Herr," “ wird ihm geantwortet. “Die Gräber sind auf 25 Jahre verpachtet. Auf der Parzelle ihrer Mutter wird heute jemand anders liegen. Wie hieß sie denn?"
“
Mit melancholischem Gesichtsausdruck macht sich mein Herr auf den Rückweg. Ich habe Mühe ihm zu folgen. Ich lege meinen Arm um seine Taille und kuschele mich an ihn. Allmählich wird er langsamer und schließlich stoppt er, streicht mir sanft über die Wange und sagt kaum hörbar:

“Mein Mädchen, ich werde zeitlebens auf dich achten!“"

“Was ist deiner Mama passiert, Herr?“"

“Gott hat sie zu sich genommen, als ich 6 Jahre alt war, mein Mädchen. Die Ärzte sprachen von Darmverschluss. Sie konnten sie in der Operation nicht mehr retten..."
…“
Die Miene, die mein Herr zieht, läßt mich schnell antworten:

“Liebster Herr, keine Angst, ich habe dich sehr gern, Ich verlasse dich nie!"“ und mache eine Knicks, während ich ihm einen Handkuss gebe und dann mit seinem Handrücken meine Stirn berühre.

Wenig später stehen wir wieder auf dem Hauptmarkt im Stadtkern, umgeben von bunten Patrizierhäusern. Weiter südwärts gelangen wir an ein barockes Schloss und eine wunderbare Parkanlage, die mein Herr 'Palastgarten'“ nennt. Am gegenüberliegenden Ende ragen wuchtige Ruinen in den Himmel.

“Das sind die Reste der Kaiserthermen, Rasha. Trier war ein paar Jahrzehnte lang Hauptstadt des römischen Reiches. Dazu gehörten dann auch prunkvolle Thermalbadanlagen.“"

Nach der Besichtigung der Ruine gehen wir die Südallee entlang und kehren in eine Pizzeria ein. Als mein Herr nach dem Essen aufstehen will, verzerrt er sein Gesicht.

Besorgt frage ich ihn, was er hat und erfahre, dass ihn ein stechender Rückenschmerz getroffen hat. Er lehnt sich ein paar Minuten in die Rückenpolsterung und fragt den Kellner nach dem örtlichen Branchenfernsprechbuch. Darin sucht er die Adresse eines Arztes und notiert sich diese. Dann lässt er sich ein Taxi rufen. Nach dem Bezahlen fahren wir zu der Arztpraxis und müssen feststellen, dass sie noch eine Stunde geschlossen ist, bis die Nachmittagssprechstunde beginnt. Wir setzen uns für die Wartezeit in ein
Bistro in der Nähe.

Später in der Sprechstunde empfiehlt der Arzt eine Rückenmarkspritze gegen die Schmerzen. Auf das Fachwissen des Arztes vertrauend, stimmt mein Herr zu. Danach geht es ihm tatsächlich besser, so dass wir wieder zu den Kaiserthermen zurückwandern. Wir gehen geradeaus weiter in die Straße gegenüber der großen
Kreuzung hinein. Sie steigt leicht an. Rechts stehen alte Häuser, die mein Herr Gründerzeitvillen nennt. Links, dort wo wir gehen beginnt ein Mauer aus Steinplatten und ab zwei Meter Höhe stehen Weinstöcke den Hang hinauf. Plötzlich sehe ich ein handgroßes Tier in schmutzigem Grün auf den Platten liegen.

“Schau, Herr, eine Eidechse beim Sonnenbad! Ist das Tier jemandem entflohen?“"

Mein Herr lacht fröhlich und nimmt mich sanft in den Arm.

“Nein, Rasha, auch in Deutschland leben noch Eidechsen wild. Nicht nur in Nordafrika!“"

Da öffnet sich linker Hand die Mauer und gibt einen Eingang frei, wo er Eintritt zahlt. Wir gehen durch die Schranke und stehen in einer Mauer umschlossenen Arena mit Gras bewachsenen Rängen rundum.

“Das ist das römische Amphitheater, mein Mädchen. Hier haben wir uns als Kinder kostenlos hineingemogelt und Cowboy und Indianer gespielt."
“
“Wie spielt man Cowboy und Indianer?"“ frage ich stirnrunzelnd.

“Es werden zwei Gruppen gebildet, die dann so tun, als würden sie gegeneinander kämpfen, Liebes. Dort oben, hinter der Baumgruppe liegt der Zaun einer Schule. Darin war in meiner Kindheit ein Loch. Dadurch sind wir auch auf dieses Gelände gekommen,"“ sagt er lächelnd. “Komm, ich zeige dir noch kurz das Kellergewölbe. Hier liegen die Zellen der Gladiatoren, die Käfige der Raubtiere -– oben hinter den Arenamauern hast du auch solche Zellen. Dann hast du hier unten noch die Reste
der Mechanik der Aufzüge und um die Arena unter Wasser zu setzen, damit man bei Bedarf für die Zuschauer auf den Rängen auch Seeschlachten vorführen konnte.“"

Ich mache große Augen bei den Erklärungen.

Dann gehen wir wieder zu den Kaiserthermen zurück und durch Schrebergärten einen anderen Hügel hinauf.

Bald zeigt er mir ein ergrautes Haus mit Knick im Dach und einem Vorbau, den er Gaube nennt. Er zeigt auf das linke von zwei Fenstern in der Dachgaube und sagt:

“Schau mal, Rasha. Dahinter lag das Kinderzimmer meines Vaters. Dort hat er nach der Hochzeit mit meiner Mutter noch über ein Jahr mit ihr gewohnt, und dort bin ich auch geboren worden.“"

“Hier in diesem Haus?"“ Ich staune.

“Ja, Rasha. Es gehört heute meinem Cousin. Er hat es vermietet. Aber komm weiter die Strasse entlang. Hier gibt es noch mehr zu sehen."
“
“Diese Tour ist eine Fahrt zu deinen Wurzeln, mein Herr,"“ sage ich.

“Ja, mein Mädchen, das stimmt wohl. Ich war schon ewig nicht mehr hier."
“
Am Ende der Straße liegt linker Hand ein Café. Dort stärken wir uns noch bei Kaffee und Kuchen und ruhen etwas aus. Ich darf mir Tee bestellen. Dann spazieren wir durch den angrenzenden Park. Es sind zwei Seen mit Wanderwegen an deren Ufer entlang. Nach der Umrundung gehen wir in Höhe des Parks den Hügel wieder hinunter. Am Fuß des Hügels überqueren wir eine Eisenbahnstrecke und wenden uns unten am Flussufer rechts, um wieder in die Innenstadt zu kommen. Es ist schon Abend, als wir beim Hotel ankommen.

Nach dem Abendessen gehen wir müde schlafen.

In der Nacht wache ich zweimal auf, weil mein Herr Muskelzuckungen hat, die ich noch nie an ihm festgestellt habe.

Am Morgen streichele ich ihn zärtlich und frage ihn, ob er schlecht geträumt hätte. Ich erzähle ihm von den Bewegungen, aber er kann sie sich nicht erklären.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Lounch des Hotels nimmt mein Herr noch einen Termin bei dem Arzt wahr, um sich eine weitere Spritze abzuholen, wobei ich ihn begleite. Danach möchte er mit mir einen Ausflug in die Umgebung machen. Dazu fahren wir eineinhalb Stunden mit einem Bummelzug durch eine
hügelige Landschaft in den Norden.

Am Zielbahnhof besteigen wir einen Bus, der uns zu einem Freizeit- und Erlebnispark bringt. Ich vergesse auf dem Gelände ganz die Realität und tauche an der Seite meines Herrn in eine wunderbare Phantasie- und Märchenwelt ein. Geduldig stehen wir beide immer wieder in der Schlange der Leute vor den Fahrgeschäften an und ich bin todtraurig, als wir den Rückweg antreten müssen, um den Zug zurück noch zu bekommen.

So gelöst, entspannt und fröhlich -– mit einem Wort: den Alltag abgeschüttelt – habe ich meinen Herrn noch nie erlebt und das freut mich ganz besonders. Die folgende Nacht ist dann wieder Besorgnis erregend: Wieder diese Zuckungen im Schlaf. Dann beginnt der Tag der Rückreise. Nach dem Frühstück checken wir aus und
bringen unser Gepäck zum Bahnhof. Darauf erfolgt noch ein abschließender Arztbesuch mit Spritze ins Rückenmark und dann essen wir in einem Restaurant zu Mittag, bevor die Zugfahrt startet.

In der Hafenstadt bewohnt mein Herr ein kleines Appartement. Dorthin wenden wir uns sofort nach der Ankunft. Eine Nacht können wir noch an Land schlafen, bevor die nächste Seereise beginnt.

Als wir nun nebeneinander in seinem Bett liegen und ich mich eng an meinen Herrn kuschele, recke ich meinen Hals, drücke ihm einen sanften Kuss auf die Wange und flüstere: “Danke.“"

Mein Herr sieht mich zärtlich an, streicht mir leicht übers Haar und erwidert:

“Für die Reise zu meinen Wurzeln? Dafür, dass du Einblick in meine Vergangenheit haben durftest? Rasha, ich bin der Meinung, das gegenseitige Kennen lernen gehört zu jeder Beziehung dazu. Wenn ich dir gleichzeitig Herr, Vater, Freund und Partner sein darf, mir die Verantwortung für dein Glück, Wohlergehen und Gesundheit wichtiger ist als alles andere, möchte ich auch, dass du mit der Zeit verstehst, warum ich bin wie ich bin. Der größte Lohn, den du mir geben kannst, ist dein unbegrenztes Vertrauen in mich! Es ist für mich eine Frage der persönlichen Ehre, dein Vertrauen niemals -– unter keinen Umständen – zu enttäuschen!“"

“Herr, dafür habe ich dich mehr als lieb! Ich würde alles für dich geben, an deiner Stelle sterben, wenn das verlangt würde!"
“
“Rasha, mein Mädchen!“" Mein Herr küsst meine Stirn und streichelt meine Seite. “Dafür habe ich dich an Tochter statt, als Magd und Vertraute angenommen, dass du aus dem für europäische Verhältnisse mittelalterlichem Kulturkreis heraus gelöst bist!
Stelle dir vor, die Samsar hätte dich an einen Mann aus der Stadt vermittelt. Du hättest in einem Haushalt –- oft noch ohne elektrische Haushaltsgeräte - täglich 16 Stunden hart arbeiten müssen. Du wärst den Launen kleiner Kinder in dem Haushalt hilflos ausgeliefert, hättest ihnen alles hinterher tragen müssen und du hättest zerlumpte, abgetragene Kleidung tragen müssen..."
…“
“Aber dafür hätte Papa jeden Monat meinen Lohn bekommen und somit ginge es meiner Familie besser, Herr."
“
“Liebes, dein Vater hat die Monatslöhne in einer Gesamtsumme bekommen. Auch hat dein Papa kein Bankkonto, auf das ich regelmäßig Geld überweisen könnte. Wenn es besser gewesen wäre regelmäßig kleine Summen zu überweisen, werde ich mir etwas ausdenken. Ich verspreche es dir, Liebes!"
“
Am anderen Morgen in aller Frühe -– es ist noch dunkel -– klingelt der Wecker und ich bereite meinem Herrn das Frühstück zu.

Währenddessen packt er die Seesäcke mit den Sachen, die wir für die Reise brauchen. Nach dem Frühstück darf ich noch ein paar persönliche Sachen in einer Schultertasche mitnehmen und los geht’s zum Hafen. Dort angekommen schaue ich meinen Herrn erstaunt an. Wir gehen nicht direkt zum Schiff, sondern er lenkt seine Schritte zwischen die Stapelhäuser. Bei einem Rohstoffhandel angekommen, nimmt er den zusätzlich mitgenommenen leeren Seesack unter dem Arm hervor und betritt die Firma. Den Mitarbeiter, der uns begrüßt, fragt er nach Merinowolle und lässt sich den Seesack mit 25kg dieser Wolle füllen. Zwei Hallen weiter kauft mein Herr mehrere Eimer Farbpulver verschiedener Pigmentierungen. Erst dann lenkt er seine Schritte zum Schiff. Ich wage nicht, ihn zu fragen, was er damit vorhat.

An Bord verstauen wir unser Gepäck in seiner Kabine. Den rätselhaften Neukauf versenkt er im Raum unter dem Kabinenboden. Jetzt kann ich mich nicht mehr zurück halten. Vor Neugier platzend frage ich ihn jetzt, wofür er das gekauft hat.

Spontan nimmt mich mein Herr in den Arm und drückt mir einen Kuss auf die Stirn. Mir werden die Knie weich, als er mir antwortet:

“Rasha, wie viel Teppiche knüpft deine Mama aus 25kg Wolle?“"

“Das kommt auf die Größe an, Herr. Fünf Große, zum Beispiel, die den ganzen Boden eines Beduinenzeltes bedecken."
“
“Und wenn diese Teppiche aus feinster Wolle besser in den Häusern reicher Städter liegen würden?“"

“Herr, das weiß ich nicht. Der Händler, der von Zeit zu Zeit unser Dorf besucht, gibt Mama für solche Größen meist umgerechnet 50 bis 70 Euro."
“
“Hm, wie lange knüpft deine Mama, um dann etwa 50 Euro zu verdienen?“"

“Drei bis vier Wochen, Herr.“"

“Und die Wolle nehmt ihr von euren Schafen? Wer färbt sie ein und woher kommen die Farben?“"

“Eine andere Familie im Ort färbt unsere Wolle ein. Wenn wir mehr Wolle brauchen, können wir die eingefärbte Wolle bei ihnen kaufen für etwa 50 Cent pro Kilo. Die Farbe und die zusätzliche Wolle kauft diese Familie bei dem Händler ein."
“
“Das heißt, überschlägig gerechnet, verdient deine Mama mit der Wolle und der Farbe 350 Euro, abzüglich 12 Euro 50 fürs Einfärben. Wie viel hätte dein Papa von einem Herrn in der Stadt für dich bekommen?“"

“Zwischen 50 und 100 Euro im Monat, je nach gesellschaftlicher Stellung des Herrn, wie ich hörte.“"

“Das heißt also, die Wolle und die Farbe symbolisieren etwa fünf bis sieben Monatsgehälter, wenn daraus Teppiche entstanden sind, mein Mädchen. Wäre dein Papa damit fürs Erste zufrieden?“"

Ich kann im Moment nicht antworten, mir fehlen die Worte. Stattdessen strahle ich übers ganze Gesicht und falle meinem Herrn um den Hals.

Mit tränenden Augen küsse ich jede Stelle Haut meines Herrn, die mir vor die Lippen kommt. Lachend hebt mein Herr mich hoch und legt mich vorsichtig in die Koje. Vor der Koje kniend streichelt er mich bis ich mich beruhigt habe, während er sanft und leise auf mich einredet. Dann zieht er seine Uniform an und geht ins
Steuerhaus, während ich den Koch begrüße. Bald darauf haben wir abgelegt und fahren unter Motorkraft auf den Fluss hinaus und bis zur Mündung. Dort lässt mein Herr die Segel setzen.

Vorbei an einer Inselgruppe am Horizont segeln wir in den englischen Kanal und an der Atlantikküste südwärts bis Nordspanien. Hier nimmt die Mannschaft wieder neue Vorräte an Bord, denn nun geht es westwärts in die Karibik. Unterwegs fischt die Mannschaft wieder Müll aus dem Meer und dokumentiert Art, Menge und Fundstelle. Von der Karibik aus segelt unser Schiff südwärts nach Südamerika und dann in südöstlicher Richtung hinüber nach Afrika. Neugierig schaue ich meinem Herrn immer wieder am Kartentisch über die Schultern, wenn ich in der Küche frei habe und erkenne ein Muster.

“Dieser Müll scheint sich in der Mitte des Ozeans zu sammeln, Herr.“"

“Ja, Maus. Die Strömungen im Atlantik drehen den Müll im Uhrzeigersinn und halten ihn zwischen sich in der Mitte wie eine große Insel fest.“"

“Dann könnten doch große Müllsammlerflotten den Müll auffischen und verbrennen, um damit Strom zu erzeugen!“"

Mein Herr lacht und drückt mich herzlich an sich.

“Ja, Liebes. Das wäre theoretisch möglich. Praktisch aber viel zu teuer und damit unwirtschaftlich. Man bräuchte auch eine neue Technologie der Stromspeicherung und Übertragung vielleicht per Laser zu Spiegelsatelliten und von dort zu den Menschen auf den Kontinenten. Sonnenenergie lässt sich einfacher gewinnen. Müllvermeidung ist besser. Aber die Menschen müssen durch unsere Arbeit für das Müllproblem sensibilisiert werden."
“
Unsere nächste Station auf der Reise ist eine Inselgruppe vor Westafrika, wo wir uns nur kurz aufhalten. Als dann wieder eine Küste auftaucht, lässt mein Herr Anker werfen, das Boot zu Wasser und den Motor betanken. Dann bietet er mir an, mit an Land zu kommen!

Mit großen Augen ihn anschauend sage ich nur ein Wort: “Marokko?“"

“Ja, mein Mädchen. Wir haben auf der Insel alle Vorräte aufgefüllt, aber ich habe hier noch eine Mission zu erfüllen. Wir besuchen deine Eltern und bringen ihnen meine Einkäufe mit,“" lächelt er mich an.

Ich kann mich nun nicht mehr halten. Glücklich fliege ich in die Arme meines Herrn. Von einer unerwarteten Wellenbewegung zusätzlich irritiert, verliert er das Gleichgewicht und wir beide landen zwischen sauber aufgestapeltem Tauwerk. Wir müssen beide lachen und die umstehenden Männer helfen uns feixend wieder auf.
Dann hangeln wir uns die Leiter an der Bordwand hinunter und besteigen das Boot.

Einer von meines Herrn Männern steuert das Boot ans Ufer. Mein Herr und der Mann springen dort ins seichte Wasser und ziehen das Boot an Land. Ich gebe meinem Herrn den Seesack und die Farbeimer an und klettere danach ebenfalls an
Land. Während der Mann bei unserem Boot bleibt, tragen mein Herr und ich die Rohstoffe die Düne hinauf.

Von dort oben kann man unser Dorf schon sehen. Auch wir werden gesehen und wenig später von Kindern umringt.

Lärmend begleiten sie uns ins Dorf, wo schon die ersten Bewohner auf uns aufmerksam werden. Bald reden meine Oma und zwei Tanten, sowie drei Nachbarinnen auf uns ein, während wir zu meinem Elternhaus gehen. Vom Lärm angelockt erscheint der Kopf von Mama in der Tür und schon kommt sie mir entgegen gelaufen. Weinend vor Wiedersehensfreude liegen wir uns in den Armen und bekommen beide kein sinnvolles Wort über die Lippen.

Als sie sich einigermaßen gefasst hat, wendet sie sich meinem Herrn zu, der leise lächelnd stumm daneben steht. Sie macht einen Schritt auf meinen Herrn zu, sinkt vor ihm auf die Knie, gibt ihm einen Handkuss und überschüttet ihn mit Segenswünschen in unserer Berbersprache, die mein Herr geduldig über sich ergehen lässt. Dann bittet meine Mama ihn ins Haus. Mit wenigen Handgriffen hat sie in großer Eile aus Kissen und Teppichen ein Lager für meinen Herrn hergerichtet und bedeutet ihm mit Gesten sich zu setzen, was er gerne
annimmt. Bald darauf bietet sie ihm traditionell Tee mit viel Zucker an. Ich knie mich zu Füßen meines Herrn und dolmetsche bei der weiteren Unterhaltung.

Zuerst fragt Mama mich, wie es mir erging im letzten halben Jahr, seit ich unser Dorf verlassen habe. Ich erzähle meiner Mama, dass mein Herr so gut wie ein Vater zu mir ist, wie ein väterlicher Freund, ein Mentor und ich ihm sehr gerne rund um die Uhr diene. Dass mein Herr noch nie ungerecht zu mir war. Als Mama das hört, preist sie Allah und beugt sich zu meinem Herrn, um ihm unter Segenswünschen die Füße zu küssen.

Da mein Herr der bisherigen Unterhaltung nicht folgen konnte, lässt er es zu, sieht mich allerdings fragend an.

“Mama fragte mich, wie es mir erging in deinen Diensten, Herr, und ich antwortete wahrheitsgemäß, dass du mich wie eine Tochter behandelst, nicht wie eine Sklavin, so wie man das aus den nahen Städten hört. Sie hat dich in ihr Herz geschlossen und dich Allahs Segen unterstellt. Allahs Engel sollen dich tragen, damit dein Fuß niemals an einen Stein stößt,"“ übersetze ich.

“Sage ihr meinen aufrichtigen Dank für die Segenswünsche, Rasha, und erwähne unser Gepäck. -– Wir können es ihr doch zeigen, oder würde das deinen Papa beleidigen? Will er es als erster sehen, weil er entscheidet?"
“
“Das Geschäftliche regeln in unserer Gesellschaft immer noch die Männer, Herr. Doch gibt es schon vereinzelt Geschäftsfrauen, wie die Samsar ja auch eine Frau ist. Ich kann gerne Mama die Farben und die Wolle zeigen, das verärgert Papa nicht. Alles, was besprochen werden muss, regelst du dann aber mit Papa.“"

“Ist gut, Liebes. So machen wir das!“"

Ich erhebe mich, mache meine Mutter auf unser Gepäck aufmerksam und öffne die Seesäcke, die wir mitbrachten. Meine Mutter lässt die Wolle prüfend durch ihre Finger gleiten und strahlt über das ganze Gesicht. In diesem Moment betritt Papa das Haus. Ich gehe auf ihn zu, begrüße ihn, nehme seine Hand, küsse ihm den Handrücken und berühre damit meine Stirn. Papa nimmt mich in den Arm, drückt mich zärtlich und küsst mit Tränen in den Augen meine Stirn. Was für ein Wiedersehen!

Mein Herr ist währenddessen aufgestanden und dazu getreten. Papa sagt zu Mama, sie soll mit dem Hammel vor der Tür, den er mitbrachte, ein Festmahl bereiten, dann wendet er sich meinem Herrn zu. Dieser begrüßt Papa mit Händedruck und leichter Kopfneigung, dann bittet Papa seinen Gast sich wieder zu setzen und schenkt Tee nach. Nun muss ich Papa ebenfalls erzählen, was ich in den vergangenen Monaten erlebt habe.

Als ich Papa zum Abschluss auf die mitgebrachte Ware aufmerksam mache und auch er sie prüft, bekommt er glänzende Augen. Solch eine weiche Wolle geben unsere Schafe nicht.

Papa lässt dolmetschen:

“Herr, könnten Sie mir ein paar Schafe besorgen, von denen diese Wolle stammt?“"

“Das will ich gerne tun, wenn wir Sie das nächste Mal besuchen, Herr. Aber bedenken Sie, dass Ihre Schafe an diese Gegend angepasst sind, während die Schafe, von denen diese Wolle stammt ein anderes Klima gewöhnt sind. Sie könnten versuchen die neuen Schafe dann mit Ihren zu kreuzen. In wie weit das dann Auswirkungen auf die Qualität der Wolle hat, muss man dann sehen. Solange die Qualität Ihrer Wolle eine Andere ist, bringe ich immer wieder welche von dieser Sorte mit!“"

Papa besiegelt den Handel mit Handschlag.

Am folgenden Morgen lichtet der Segler meines Herrn den Anker. Statt zu den Azoren, wie ursprünglich geplant, segelt mein Herr durch die Straße von Gibraltar und geht in Andalusien an Land. Dort kauft er drei Merino-Schafe und drei ebensolche Schafböcke. An Bord wird schnell ein Verschlag gezimmert im Laderaum und zwei Tage später befinden wir uns wieder auf dem Rückweg zu unserem Dorf.

Dort werden die sechs Tiere in das Beiboot gehoben und an Land gebracht. Papa versucht später diese Tiere einzukreuzen. Wenn wir in einem halben Jahr etwa wieder mit Wolle und Farbstoffen Papa und Mama besuchen, haben meine Eltern sicher neue Lämmer. Die spanischen Merinoschafe sind wenigstens ein ähnlich
trockenes Klima gewohnt und daher ist der Zuchterfolg vielversprechender als mit deutschen Schafen.

Unter großem Hallo werden wir verabschiedet und das Schiff segelt nun zu den Azoren, um sie im großen Bogen zu umrunden, damit die Männer ihre wissenschaftlichen Studien und Statistiken fortsetzen können.

Zwei Monate später nehmen wir dort neue Nahrungsmittel an Bord und segeln in Richtung englischem Kanal.

Ich bin inzwischen vollwertiges Besatzungsmitglied und in der Küche als Beikoch beschäftigt.

Während der Freiwache meines Herrn und wenn der Koch mich dann nicht braucht, freue ich mich, meinen Herrn bedienen zu dürfen. Er zeigt mir immer aufs Neue, wie stolz er auf mich ist. Das spornt mich ständig an, ihm zu gefallen, mit dem was ich tue. Und schon hat er wieder ein zärtliches Wort für mich. Für mich ist
mein Herr vergleichbar mit einem Engel Allahs. In seiner Nähe fühle ich mich geborgen wie im Paradies!

Des Nachts in seiner Koje decke ich ihn mit meinem Körper zu und lasse uns von der sanften atlantischen Dünung in den Schlaf wiegen, während mein Herr mich liebkosend streichelt. Er gibt mir das Gefühl ein Teil von ihm zu sein, nicht bloß ihm zu gehören. Wieder kommen mir Erzählungen in den Sinn, wie die Mädchen
vom Land in den Städten Marokkos behandelt werden. Da behandelt Papa unsere Schafe besser!

Wir haben Glück, dass wir bisher in dieser Jahreszeit von Stürmen verschont blieben. Sonst wäre das Leben an Bord doch sehr ungemütlich, wie damals nachdem mein Herr mich von der Samsar erwarb und ich zum ersten Mal in die Heimat meines Herrn mitkam. So sind auch diesmal die Rückenschmerzen meines Herrn kaum spürbar. Wohl auch durch meine liebevolle und regelmäßige Rückenmassage. Wenige Tage nach dem kurzen Stopp auf der Kanalinsel, auf der wir damals eine Inselrundfahrt machten, kommen wir im Heimathafen an.

Mein Herr bespricht sich mit den Wissenschaftlern und gibt dann der Mannschaft zehn Tage Urlaub.

Nachdem alles verschlossen ist, fahren wir zum Appartement meines Herrn, sichten dort die Vorräte und kaufen Fehlendes ein. Schließlich lässt sich mein Herr ein warmes Schaumbad ein – das erste, seit wir von hier wieder aufbrachen, da es an Bord nur Duschen gibt. Nach einer Dreiviertel Stunde schaue ich besorgt
nach ihm und muss schmunzeln. Bei meinem Eintritt öffnet er gerade die Augen.

“Bist du eingeschlafen, mein Herr?“"

“In lauwarmem Wasser liegen ist soo entspannend“," dehnt er lächelnd. “Noch schöner wäre ein Bad zu zweit, mein Mädchen!“"

“Du weißt, dass du nur etwas sagen musst, Herr!“"

“Bald, mein Mädchen. Jetzt wechseln wir erstmal das Wasser. Du sollst nicht kalt baden müssen, Liebes!“"

“Ich hab dich lieb, Herr!“"

Mein Herr steigt aus der Wanne, braust die Schaumreste weg und füllt sie wieder neu mit frischem lauwarmem Badewasser. Dann lässt er mich entspannen.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   So Sep 13, 2015 1:01 pm

Ich will dann gerade aus der Wanne steigen, um nach dem Badetuch zu angeln, als mein Herr das Bad betritt und mit schnellem Griff das Tuch in der Hand hat. Er kommt mit ausgebreiteten Armen - in jeder Hand ein Tuchzipfel - auf mich zu, hüllt mich ein und rubbelt mich zärtlich ab.

Hingebungsvoll lasse ich es zu mit wohlig geschlossenen Augen. Dann drücke ich ihm einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen, während wir eng aneinander geschmiegt im Bad stehen. Er streicht mein nasses Haar sanft zurück und greift nach einem Handtuch, das er mir um den Schopf schlingt und zart rubbelt. Dabei fällt mir auf, dass er nur einen Slip trägt, was mich lächeln lässt.
Ich drücke ihn auf das WC und setze mich auf seinen Schoß.

“Herr, war ich böse jetzt?"“ frage ich ihn mit kokettem Augenaufschlag.

“Maus“, erwidert er mir. “Ich bin zu dir ins Bad gekommen und habe den Ablauf der ganzen Aktion
zugelassen. Ich war also einverstanden. Mehr noch: Ich liebe es, wenn du so bist. Es ist mir Lohn für die Verantwortung, die ich für dich übernehme.“"

“Aber, wenn ich dich nur ab und zu dankbar umarme, ansonsten aber nach jungen Männern schaue, die nur wenig älter sind?"
“
Mein Herr grinst breit: “DANN wärst du böse zu mir, meine Kleine!“"

“Würdest du mich dafür schlagen, wie wenn ich zu einem marokkanischen Herrn ungehorsam bin?“"

“Nein“," grinst mein Herr immer noch. “Ich würde dich weitergeben an einen Herrn, für den Dominanz und Sadismus zusammen gehört."
“
Ich mache große Augen und flüstere gepresst: “Du würdest mich verkaufen…“?"

Tränen verschleiern meinen Blick.

“Rasha, ich habe dich lieb gewonnen. Du bist mir Tochter, Hausmädchen und Liebling in einer Person. Wenn du mir treu bist, lebst du bei mir wie im siebten Himmel!“"

Mit diesen Worten setzt er mir einen zarten Kuss auf die Nasenspitze und trocknet mit einem Handtuchzipfel meine Tränen. Ich lege meinen Kopf in die Kuhle zwischen seiner Brust und Schulter und antworte hauchend:

“DU bist mein Herr. DIR werde ich zeitlebens treu dienen!“"

Langsam und vorsichtig steht mein Herr auf. Mich auf seinen Armen haltend, trägt er mich hinüber ins Schlafzimmer und legt mich sanft auf dem Bett ab.

Dann legt er sich neben mich auf den Bauch.

“Massierst du mir den Rücken?!“"

Ich schlage die Handtücher, die mich noch umhüllen, zur Seite und knie mich rittlings über ihn. Dann beginne ich meine Arbeit beidhändig an seinen Schultern. Zwanzig Minuten später beende ich meine Arbeit an seiner Lende und lasse mich auf seinen Rücken sinken. Einige Minuten verharren wir beide in dieser Position, dann dreht sich mein Herr leicht, so dass ich von seinem Rücken gleite. Nun dreht er sich zu mir herum, küsst mir wieder die Nasenspitze und streichelt meine Wange, während er mich liebevoll anschaut.

Seine Finger streicheln sanft meinen Hals, als ich ihn auf seinen Mund küsse. Ich lege meinen Arm um seinen Brustkorb und berühre leicht seine Lippen mit meiner Zunge. Seine Hand umfasst zart meine Brust. Sein Daumen spielt vorsichtig mit meiner stehenden Brustwarze, während seine Zunge meine Zungenspitze berührt, ein wenig hin und her zittert, um dann seitlich an meiner Zunge tiefer in meinen Mund zu tauchen.

Nicht mehr klar denken könnend, reibe ich mein Becken an seinem Körper, während er mit seiner Zunge unter meiner durchtaucht und wieder mit meiner Zungenspitze spielt. Seine Hand wandert über meinen Bauch, wobei mich ein Schauer überkommt. Seine Finger umkreisen nun zärtlich meinen Bauchnabel, um dann zu meiner Hüfte zu wandern und meinen Oberschenkel zu streicheln. Ich bedecke den Hals und die Schulter meines Herrn mit Küssen, während seine Finger die Innenseite meiner Oberschenkel streicheln.

Instinktiv wandern nun meine Finger über seinen Bauch und unter seinen Slip.

Nach einem tiefen, erholsamen Schlaf wache ich auf, als ein Strahl der Morgensonne mich durch eine Vorhangritze trifft. Ich liege mit angezogenen Beinen eingerollt neben meinem noch schlafenden Herrn, mit dem Kopf auf seinem Oberarm. Mich streckend küsse ich die Haut seines Armes flüchtig und setze mich auf.

Mein erster Weg führt mich ins Bad. Nachdem ich mich frisch gemacht und gepflegt habe, husche ich an meinem Herrn vorbei in die Küche. Dort lasse ich Kaffee durchlaufen und bereite das Frühstück vor.

Ich suche nach dem Tablett mit den Klappfüßen, mit dessen Hilfe man im Bett frühstücken kann. Mein Herr hat mich damit auch schon mal geweckt. Das fand ich damals bei unserem letzten Aufenthalt in seinem Appartement lieb von ihm und nach dem Erleben der letzten Nacht finde ich es angemessen, ihm so zu danken. Mit dem beladenen Tablett in der Hand trete ich neben sein Bett, als er sich gerade regt.

“Guten Morgen, mein Herr,"“ sage ich und stelle das Tablett mit heruntergeklappten Füßen über seine Oberschenkel.

Während er sich aufsetzt, beuge ich mich über ihn und gebe ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Mit der einen Hand sich abstützend, streichelt er meine Wange mit der anderen.

“Einen wunderbaren guten Morgen, Maus. Du bist ein Schatz! Nimm dir das zweite Tablett und setze dich neben mich!"
“
Ich laufe schnell in die Küche zurück und setze mich mit dem Tablett über meinem Schoß gehorsam neben ihn. Mein Herr bedient mich! Er schenkt mir Kaffee aus und schmiert mir eine Scheibe mit der geliebten Nuss-Nougat-Creme. Ich bedanke mich, indem ich seine Hand küsse, worauf mein Herr lächelt und meine Wange zärtlich berührt.

“Sag’ mal, Liebes. Übermorgen in der Nacht von Samstag auf Sonntag gibt ein Bekannter ein Fest. Dort sind mehrere Herren mit ihren Mädchen. Ich habe auch eine Einladung erhalten und möchte mit dir dort erscheinen."
“
“Mein Herr. Befehle und ich werde gehorchen!“"

“Befehle, pah! Befehle sind etwas für Herren, die sich etwas beweisen müssen! Du weißt, aus dem bisherigen Zusammensein mit mir -– auch während der Arbeit -, dass ich auch in meiner Funktion als Kapitän der Mannschaft keine Befehle erteile, sondern auf den gesunden Menschenverstand vertraue, auf das gemeinsame Ziel und auf die Fähigkeiten der Leute.
Wenn du mir gehorchst, wirst du erkennen, was mir gefällt, Liebes. Und es aus eigenem Antrieb tun!“"

“Sehr gerne, mein Herr. Ich gehöre dir!“"

“Du weißt inzwischen, dass ich übernommene Verantwortung ernst nehme. Dir wird nach menschlichem Ermessen niemals ein Leid widerfahren. Du kannst dich sicher und geborgen fühlen! Du kannst dich vollends vertrauend darein fallenlassen, mein Mädchen. Sollte dir jemals etwas widerfahren, fühle ich mich so, als wäre MIR das passiert!!"
“
“Oh, Herr! Sagte ich schon, dass ich für dich mit dem Schejtan eine Nacht verbringen würde, um dich vor den Feuern der Hölle zu retten?!“"

“Vorsicht, Liebes. Solche Schwüre könnten in Erfüllung gehen!"“ schmunzelt mein Herr.

“Und wenn schon, hast du mir nicht versprochen, für mich ebenfalls Höllenqualen zu erleiden, wenn das jemals nötig sein sollte?!"
“
“Das habe ich, Maus. Unter der Bedingung, dass du mir immer treu bist, dass ich zeitlebens der Mittelpunkt deines Denkens und Handelns bin -– so wie du meiner!"
“
“Herr, dies ist ein zweiseitiger Schwur, an den wir uns beide zeitlebens gebunden fühlen sollten! Wie schön wäre der mit einer kleinen Zeremonie verbunden, die sich uns beide tief ins Gedächtnis prägt!“"

“Ist dir das ein Bedürfnis, Liebes?"“ fragt mein Herr, mich offen anschauend.

Ich schaue ihm ebenso offen in die Augen, halte seinem Blick stand und antworte: “Ja, Herr!“"

Mein Herr streicht sanft über mein Haar, fasst mich an der Schulter und zieht mich an sich.

“Ich werde so etwas in die Wege leiten, Liebes! Ich bin auf keinen Menschen so stolz, wie auf dich!"

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück schaut mich mein Herr ganz komisch an.

“Sag’ mal, Rasha. Du bist im islamischen Kulturraum aufgewachsen und noch dazu auf dem Land. Dort wird der Islam bestimmt strenger ausgelegt, als in den Städten –- genau wie das mit dem Christentum im europäischen Kulturraum auch ist. Trotzdem habe ich bei euch im Dorf keine verschleierten Frauen gesehen, wie in Vorderasien üblich. Dennoch achtet ihr streng auf das Bedecken der intimen Körperteile. Ihr würdet sogar nie mit dem Bikini ins Wasser gehen.“"

“Das hast du richtig beobachtet, Herr, wenn es sich um Freie handelt. Gehören Unfreie zu deinem Haushalt, achtest du als marokkanischer Herr nicht so sehr darauf. Ich würde die kaputte Kleidung der Freien auftragen müssen, die natürlich löcherig ist. Ich könnte versuchen, diese Stellen mit einem weiteren alten Tuch zu bedecken, aber niemand interessiert es letztendlich.“"

“Kommt es dann nicht schon mal zu beleidigenden Äußerungen und zu sexistischen Bemerkungen?“"

“Von Seiten unverheirateter Männer von 13 aufwärts schon und auch zu unwürdigen Berührungen, mein Herr."
“
“Was würdest du denken und fühlen, Maus, wenn ich dich auf dem Fest den anderen Gästen nackt
präsentiere?“"

“Ich würde denken: du weißt, was du tust. Und: du bleibst deinem Schwur treu, mich niemals wissentlich irgendeiner Gefahr auszusetzen. Herr, ich habe volles Vertrauen in dein Verantwortungsbewusstsein!“"

“Und fühlen, Liebes?“"

“Es ist für mich etwas völlig Neues. Von daher werde ich sicher vor Aufregung zittern, Herr!“"

“Du kannst dich voll auf mich verlassen, Rasha! Kein anderer Mann wird dich berühren, wenn er nicht Ärger mit mir haben will! Dann fahren wir heute in die Stadt und schauen uns nach einem passenden Kleid für dich um.“"

Mit einem weißen hautengen Minikleid am Körper begleite ich meinen Herrn in die Stadt. Er hält an einem Kostümverleih in der Nähe des städtischen Theaters und fragt die Dame dort nach etwas Orientalischem für mich. Es dauert etwa zwei Stunden, dann hat sich mein Herr für einen durchsichtigen Gazestoff mit hunderten darin verarbeiteten künstlichen Diamanten entschieden, der den Linien meines Körpers folgt, ohne mich einzuengen. Ein atemberaubendes Kleid, wenn ich es NUR für meinen Herrn anziehen dürfte! Über dem weißen Minikleid getragen, sehe ich aus wie eine Märchenprinzessin. Dazu nimmt er noch ein Halsband aus weißem Leder mit Perlenimitaten und einer geschliffenen Rubinnachbildung. Und zum Schluss noch zwei venezianische Feder-Masken.

Wir müssen das alles in zwei Tagen wieder zurückgeben, denke ich wehmütig. Vorsichtig zusammengelegt und in einem großen Transportkarton verpackt, nimmt mein Herr es entgegen und verstaut es im Auto. Am Abend des nächsten Tages kleide ich mich zuhause ein. Erst will ich wieder das weiße Minikleid anziehen, aber mein Herr schüttelt den Kopf. Also ziehe ich das Kleid auf die nackte Haut an, da mir heute auch Slip und BH verboten sind. Darüber soll ich einen fast bodenlangen dunklen Mantel anziehen.

Mein Herr zieht einen schwarzen Anzug an und darüber einen langen Mantel im Military-Style. Mit den Masken in einer Schatulle gehen wir zum Auto und fahren los. Es wird eine halbstündige schweigsame Fahrt bis wir an einem Bauernhof halten. Vor der Scheune stehen schon acht Autos und während wir aussteigen, kommen noch zwei weitere an.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   So Sep 13, 2015 4:40 pm

Wir gehen zum Eingang und stehen in einer Garderobe. Dort geben wir unsere Mäntel und ich meine Schuhe ab gegen eine Marke und erhalten jeder ein Namensschild, das mein Herr beschriftet und sich und mir anheftet. Dann setzen wir unsere Masken auf und mein Herr befestigt eine geflochtene lederne Leine mittels eines Karabinerhakens an meinem Halsband. So gehen wir durch das Tor in den angrenzenden großen hell erleuchteten Raum. Durch die Augenwinkel erhasche ich noch einen Blick auf die nachfolgenden Gäste und sehe, dass sie nahezu gleich aussehen.

Am Eingang zum Saal steht ein Mann in Butleruniform mit einem großen Stab in der Hand. Der Mann schaut auf unsere Namensschilder, klopft mit dem Stab lautstark auf den Dielenfußboden und ruft unsere Namen aus. Da er mich auf die Bemerkung meines Herrn hin eine Debutantin nennt, drehen sich alle schon Anwesenden um und ein Raunen geht durch den Saal. Mein Herr gab mir die Anweisung, hoch aufgerichtet und stolz mit gemessenem Schritt, wie eine Prinzessin aufzutreten, was ich aufgeregt wie Espenlaub zitternd versuche.

Vier lange Tische sind in Form eines auf der Spitze stehenden Quadrats aufgestellt. Gedeckt sind die Tische nur an der Außenseite. Beim Nähertreten erkenne ich, dass an den inneren Tischbeinen etwa 25cm über dem Boden eine weitere schmale Tischplatte angebracht ist. Als Sitzgelegenheit wechselt immer ein Stuhl und ein Bodenkissen miteinander ab. Auf den Stühlen sitzen Herren in schwarzen Anzügen und auf die Kissen haben sich leicht gekleidetete Frauen teils gesetzt oder gekniet. In der Mitte des Saals steht eine hohe Holzkiste, darüber ein Flaschenzug und drumherum Teppichboden.

Mein Herr führt mich zu einem freien Platz, bedeutet mir, mich auf das Kissen zu knien und mich auf meine Fersen zu setzen. Ich raffe mein Kleid und setze mich. Dann setzt er sich auf den Stuhl neben mir. Wenige Minuten später haben die restlichen Gäste Platz genommen. Einer der Herren, die uns gegenüber auf der anderen Seite der Freifläche sitzen, erhebt sich, begrüßt die Gäste und eröffnet das Mahl mit dem Schlag gegen einen Gong.

Zwei Uniformierte fahren Servierwagen herein und schenken jedem Gast einen Weißwein ein. Ich werfe meinem Herrn einen gequälten Blick zu und er fragt nach einem Glas Apfelsaft für mich.
Dann werden ganz kleine geschälte Eier serviert, zusammen mit Salatgurkenscheiben, Paprikastreifen, ein Klecks Kaviar mit darüber gestreuter Petersilie und vier Toastecken. Mein Herr gibt mir von seiner Portion, soviel ich mag. Dann fragt der Gastgeber nach der ersten Darbietung. Einige Plätze weiter links erhebt sich eine Frau und beginnt einen erotischen Bauchtanz bei leiser Hintergrundmusik.

Als alle Gäste ihr Entree gegessen haben und das Geschirr abgeräumt ist, wird meinem Herrn ein kleiner Sherry serviert und je eine Tasse Erbsensuppe für ihn und mich. Dann ist die Darbietung auch schon zu Ende und eine andere Frau führt akrobatische Turnübungen auf der Holzkiste vor.
Danach wird wieder Weißwein ausgeschenkt, den mein Herr dankend ablehnt. Dazu serviert man
Hummerstücke mit Petersilienkartoffeln.

Wenig später bejaht mein Herr die Frage nach einem kleinen Glas Rotwein. Dazu serviert man kleine Tournedosteaks auf einem Wirsingbett, überdeckt mit Pfifferlingen. Inzwischen ist ein Herr mit seinem Mädchen aufgestanden und in die Mitte des Raumes getreten. Er führt mehrere kunstvolle Fesselungen vor, wofür er auch den Deckenhaken nutzt.

Ich werfe meinem Herrn einen fragenden Blick zu und lege meine Hand auf seinen Oberschenkel. Er schaut zu mir und sieht meinen fragenden Blick.

"Das nennt man Shibari," erklärt er mir. "Das ist japanische Fesselkunst, Maus."

Dann werden Schälchen Rosensorbet und Minze serviert. Das Eis erfrischt sehr!

Anschließend wird Geflügel auf Salat mit Kirschen bedeckt serviert. Ich mache große Augen.

Mein Herr sagt dazu: “Maus, wenn du satt bist, sag’ Bescheid. Ansonsten nimm von allem nur ein Probierhäppchen!“"

Ich lasse mir von meinem Herrn also nur eine Ecke von dem Fleisch auf einem Salatblatt mit zwei Kirschen und der Kirschsoße geben. In der Soße schmecke ich Alkohol und verziehe unwillkürlich den Mund.

Danach serviert man Spargel mit Sauce Hollandaise. Darüber gehackte Eier und gehackte Petersilie in getrennten Streifen gestreut. Hinterher einen Obstsalat und zum Abschluss ein Orangensorbet.

Dazu darf man Kaffee, Portwein oder verschiedene Liköre wählen. Mein Herr wählt für sich Kaffee und für mich einen Orangensaft. Während der Kaffee getrunken wird und einige Herren rauchen, geht der Gastgeber herum und spricht mit den Gästen.

Auch meinen Herrn fragt er, ob ihm der Abend gefallen hat.

“Sehr gut, Sir Roland“," erwidert mein Herr lächelnd. “Ein Abend, der Lust auf mehr macht!"
“
“Ihr Mädchen war noch nie auf Szeneabenden?"“

“Nein, deshalb habe ich sie ja als Debütantin vorstellen lassen. Der Gesellschaft vorführen möchte ich sie nicht. Sie ist mein! Kein anderer Herr fasst sie mir an!“"

“Jeder so, wie es ihm gefällt. Bleiben Sie noch zum Maskenball?“"

“Aber klar. Wir schweben einmal kurz über die Tanzfläche,"“ grinst mein Herr breit.

Der Gastgeber nickt, streckt seine Hand nach mir aus und zieht sie schnell zurück, als mein Herr die Stirn runzelt. Dann unterhält er sich mit dem nächsten Gast. In der Zwischenzeit haben sich die Tische zur Hälfte geleert.

Auch mein Herr erhebt sich und führt mich in den Nebenraum. Dort tanzen schon einige Paare. Aber etwa eine Viertelstunde später schon gehen wir zur Garderobe und fahren nach Hause, wo wir gegen Mitternacht ankommen.

“Maus, wie fandest du den heutigen Abend?"“ durchbricht mein Herr nach einiger Zeit mit zärtlichem Ton die Stille während der Heimfahrt.

“Es war ein ganz neues und aufregendes Erlebnis, Herr!“"

“Beschreibe mir deine Eindrücke, mein Mädchen! Denn daraus entwickele ich meine weiteren
Entscheidungen.“"

“Dass die Frauen alle unter den Herren saßen, ist in dem Ambiente normal, mein Herr. Das Essen war ein großartiges Erlebnis! Der Maskenball danach gehörte zum Motto des Abends und gehört ebenfalls zur Szene, in der du dich bewegst, Herr. Sehen und gesehen werden! Viele Herren wollen aber nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Und viele der Frauen lassen sich anfassen, wie ich sah."
“
“Das stimmt wohl, Liebes. Aber nichts geht ohne Erlaubnis des Herrn, und ich will dein einzigster Herr sein. Du sollst nicht herumgereicht werden, Mein Mädchen!"
“
“Ich liebe dich dafür, mein Herr!“"

“Und was sagst du über die Vorführungen beim Essen?“"

“Der Bauchtanz gefiel mir sehr gut. Ich kann mich darein fühlen, aber möchte ihn vertiefen können, Herr.“"

Ich schaue meinen Herrn etwas von der Seite an. Wie reagiert er wohl auf die Andeutung?

“Du möchtest Bauchtanz perfekt können, einen Kurs besuchen, Maus?“"

Ein feines Lächeln umspielt die Lippen meines Herrn.

“Wenn das möglich wäre, Herr…“..." dehne ich die Antwort.

“Und wie gefielen dir die anderen beiden Vorführungen?“"

“Die Nacktakrobatik ist äußerst schwierig perfekt vorzuführen, Herr. Ich bewundere die Frau. Sie macht sicher seit frühester Jugend Akrobatik. Sonst wäre das alles nicht so ausgezeichnet geglückt. – Die Fesselkunst ist dagegen mehr was für die Augen der Herren – und für die Emotionen des Models persönlich. Wer von den Frauen das schon mal erlebt hat, kann sich sicher auch in das Model hinein denken und mitfühlen, Herr."“

“Das war also eher nichts für dich?“"

“Bitte nicht falsch verstehen, Herr. Ich fand das interessant, aber da ich das selbst noch nie erlebt habe, kann ich mich da nicht so gut hinein fühlen."
“
“Du möchtest also, dass ich das mal mit dir mache, Maus?“"

“Wenn mein Herr es wünscht, gerne. Mit einem Bauchtanzkurs würdet ihr mir eine große Freude machen!“"

“Warum so förmlich jetzt, mein Mädchen? Wenn du dein ganzes Streben darein setzt, mir zu gefallen, dann melde ich dich in solch einem Kurs an, wenn die Zeit es zulässt!“"

Spontan strecke ich mich hinüber zu meinem Herrn und gebe ihm einen Kuss. In diesem Moment kommen wir zuhause an. In der Wohnung ziehe ich das durchsichtige Kleid vorsichtig aus und lege es in den Transportkarton zurück; die Schachtel mit den Masken, dem Halsband und dem Schmuck oben auf. Dann gehen wir zu Bett.

Am nächsten Tag bringen wir die Accessoires des Vorabends zurück in den Kostümverleih. Dort fragt mein Herr plötzlich die Dame, ob man die Dinge auch kaufen kann.

Die Dame verzieht das Gesicht, als ob sie auf eine Zitrone gebissen hätte und antwortet:

“Was hätten Sie denn gern gekauft?“"

“Das Kleid und das Halsband, wenn möglich,"“ versetzt mein Herr.

“Hmm, lassen Sie es mich mal kalkulieren,"“ bittet sie um Bedenkzeit und tippt auf einem Laptop herum.

Dann nennt sie einen Preis, den mein Herr akzeptiert.

Auf der Heimfahrt kann ich nicht mehr still sein.

“Entschuldige, mein Herr. Wofür hast du das Kleid vorgesehen?“"

Er fragt zurück:

“Wie fühltest du dich in dem Kleid, Maus? Wie du gemessenen Schrittes nicht bloß gingst, sondern man muss die Bewegung schon schreiten nennen! Wie eine Prinzessin?“"

Ich seufze in der Erinnerung.

“Ja, liebster Herr.“"

“Jetzt stelle dir einmal vor, du hättest - wie bei der Anprobe - dein enges weißes Kleidchen an und darüber dieses mit den vielen Diamantsplittern. – Und nun stelle dir vor, wir stehen nebeneinander so festlich gekleidet vor einem wuchtigen Schreibtisch. Dahinter ein Beamter, der jedem von uns eine bestimmte Frage stellt..."
…“
Was dann passiert, möchte ich hier lieber nicht schreiben -– schäm -– nur so viel, dass mein Herr
Schwierigkeiten hat den Wagen in der Spur zu halten.

Nach dem ersten Schrecken und hektischen Bewegungen, den Wagen wieder unter Kontrolle zu bringen, schaut mich mein Herr ernst an:

“Rasha, Liebes. Ich liebe deine spontanen Aktionen mir deine Gefühle zu zeigen, aber dies hier wäre beinahe gründlich schief gegangen! Wenn wir tot sind, können wir immer noch vor Allah unsere Liebe bekräftigen.
Wahrscheinlicher wäre, dass nur einer von uns stirbt und der Andere einsam zurückbliebe. Kannst du erfühlen, wie sich einer von uns beiden fühlt, wenn der Andere nicht mehr bei ihm ist?“"

“Ja, Herr,“" antworte ich leise mit gesenktem Kopf. “Zu meinen Eltern zurück kann ich nicht. Erstens fehlt mir das Geld für die Reise und zweitens hätten sie wieder einen Esser mehr. Also würde ich hier in deiner Heimat an der Einsamkeit zugrunde gehen..."
…“
“Deine Konsequenz gälte auch für mich, mein Mädchen. Du bist mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich die Einsamkeit auch unerträglich fände. Wie lange ein Mensch mit gebrochenem Herzen noch leben kann, weiß ich nicht zu sagen. Die dritte Option gebietet mir neben den Gefühlen für dich mein Verantwortungsgefühl dir gegenüber: Überlebst du schwer verletzt und bist an den Rollstuhl gefesselt, würde ich dich trotzdem heiraten, pflegen, quasi auf Händen tragen..."
…“
Das Gehörte macht mich nachdenklich. Ich hänge den Rest der Fahrt meinen Gedanken nach und horche auf die Gefühle in meinem Innern. Zuhause angekommen, bediene ich meinen Herrn immer noch still. Mein Herr beobachtet mich mit skeptischem Blick. Die Dämmerung bricht schon herein als mein Herr die Stille durchbricht.

“Liebes, unterbrich dein Tun und setz dich zu mir!“"

“Ja, Herr.“"

Ich nähere mich meinem Herrn mit gesenktem Blick, und gehe vor der Couch, auf der er sitzt, auf die Knie.

Ich setze mich auf meine Fersen, lege meine Hände offen auf meine Oberschenkel und warte. Mein Herr streckt seine Hand nach mir aus, streicht mir sanft über das Haar und sagt:

“Liebes, sag’ mir, was dich so schweigsam macht!“"

In diesem Moment verliere ich jede Beherrschung und ein Weinkrampf erschüttert mich.

“Herr, wenn ich so krank bin, dass ich dir nicht mehr von Nutzen sein kann, dass ich nichts mehr tun kann, was dich stolz macht, mich zu besitzen, dann musst du mich verlassen und dir ein anderes Mädchen suchen!
So machen das die Herren in meiner Heimat…“..."

Mein Herr nestelt an seiner Hose, zieht sein Taschentuch hervor und trocknet meine Tränen.
Meine linke Wange zart streichelnd, antwortet er leise und eindringlich:

“Liebes, du bist mir kein Gegenstand, den man bestimmungsgemäß benutzt, solange das möglich ist, dann entsorgt und sich einen neuen Gegenstand kauft! Du bist ein Lebewesen mit Gefühlen! Du bist ein Mensch, den man achten und wertschätzen sollte! Das bedingt dann auch, dass ich auch stolz auf dich bin, wenn du mir als Behinderte bloß die Pflege erleichterst, so gut es dir möglich ist. DAS würde ich umgekehrt auch tun, wenn du mich pflegen müsstest!"
“
Mit offenem Mund an seinen Lippen hängend, folge ich den Worten meines Herrn und kann danach nur noch flüstern:

“Herr, ich würde mein Leben für dich geben!“"

“Aber es ist ja nichts passiert heute und ich hoffe, dass auch in Zukunft nichts passieren wird, wenn das Schicksal nicht von außen auf uns einwirkt, Maus!“"

“Ich werde versuchen, mich in Zukunft zurück zu halten, Herr, und damit dein Verantwortungs-bewusstsein nicht über Gebühr strapazieren..."
…“
“Nur in bestimmten Situationen, Liebes! Ich liebe dein Naturell und möchte nicht, dass du deinen Charakter änderst! Komm näher zu mir. Setz dich neben mich!“"
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Mo Sep 14, 2015 11:40 am

Ich schaue meinen Herr ungläubig erstaunt an, aber er lächelt nur freundlich und deutet auf den Platz neben sich. Vorsichtig nehme ich dicht neben meinem Herrn Platz, aber er umfasst nur meine Schultern und zieht mich mit sanftem Nachdruck an sich heran. Ich schaue scheu zu ihm auf und bette meinen Kopf in die Kuhle seiner Achsel. Langsam entspannt sich mein Körper und ich konzentriere mich ebenfalls auf den Fernsehfilm.

So sitzen wir eine ganze Weile stumm und untätig aneinander gelehnt, als mein Herr mit seiner Hand meinen Oberarm zu streicheln beginnt. Ich schließe die Augen, genieße die Berührung und kuschele mich noch enger an ihn.

“Wir werden morgen wieder Schafe kaufen für deinen Papa, Maus. – Und Wolle für deine Mama. Die freien Tage sind ja bald vorbei..."…“ sinniert mein Herr, um die Stille zu durchbrechen.

“Ich liebe dich, Herr. Das ist besser, als Papa monatlich meinen Lohn auszuzahlen. Er wird dadurch
wohlhabend und muss nie wieder ein Kind abgeben. Das freut mich für meine jüngeren Geschwister!"
“
Mein Herr fährt hauchzart mit den Fingerspitzen an meiner ihm abgewandten Rumpfseite entlang. Ein wohliger Schauer lässt mich erzittern. Ich spüre, wie sich meine Nippel versteifen.

“Und die Tiere könnten gleichzeitig den Brautpreis symbolisieren…“..." ergänze ich leise hauchend.

“Wieviel zahlt ein Mann auf dem Dorf üblicherweise dem Vater der Braut, Liebes?“"

“Das ist unterschiedlich und wird meist zwischen den Eltern der Brautleute ausgehandelt, Herr,“" antworte ich.

“Nun sind meine Eltern schon tot, mein Mädchen. –- Na, ich werde deinen Vater einfach fragen!“"

“Du machst einen Spaß mit mir, Herr?“"

“Nein, mein Mädchen. Diese Sache ist mir todernst!“"

“Und wo soll das stattfinden, Herr?“"

“Nun, die standesamtliche Hochzeit sollte hier in Deutschland stattfinden, damit sie vor dem hiesigen Gesetz anerkannt wird. Wen wir als Trauzeugen benennen, müssen wir noch überlegen. Die religiöse Zeremonie –- habe ich mir gedacht -– soll der Mufti eures Dorfes durchführen."
“
Als ich die letzten Worte meines Herrn vernehme, strecke ich spontan meinen Körper, wodurch mein Herr auf der Couch umgeworfen wird und ich auf ihm zu liegen komme. Außer mir vor Freude bedecke ich seinen ganzen Oberkörper mit Küssen.

Mein Herr macht lachend schwache Abwehrbewegungen und hält schließlich meinen Kopf in beiden Händen, zieht mich höher und küsst mich auf den Mund. Dabei fährt er mit der Zunge sanft über meine Lippen, die ich unwillkürlich öffne. Was dann kommt, raubt mir den Atem.

Mein Körper ist sowieso schon erhitzt. Mein Becken reibt kreiselnd seinen Oberschenkel. Meine Hände tasten seitlich an seinem Rumpf entlang. Sie öffnen, wie automatisch seinen Gürtel und ziehen sein Hemd aus der Hose.

Mein Herr dreht mich auf den Rücken, richtet sich auf, umfasst meine Achseln und hebt meine Oberschenkel an. Dann steht er auf. In diesem Moment fällt seine Hose zu Boden. Vorsichtig will er seine Beine aus den Hosenbeinen befreien, schafft es aber nur bei einem.

So zieht er seine Hose mit, als er mich hinüber zum Bett trägt. Dort legt er mich ab und entkleidet sich auch. Dann kommt er über mich und wir schweben beide in einer Woge der Erregung und des gemeinsamen Glückes davon.

Am nächsten Morgen wache ich halb auf meinem Herrn liegend auf. Das linke Bein über seinen Oberschenkeln liegend. Er atmet noch ruhig. Ich stehe vorsichtig auf, nehme sachte seine rechte Hand und küsse dankbar seinen Handrücken. Dann gehe ich auf Zehenspitzen in die Küche und starte die Kaffeemaschine. Danach decke ich meinem Herrn den Frühstückstisch und bringe ihm eine Tasse dampfenden Kaffee ans Bett. Ich küsse nun meinen Herrn wach.

“Guten Morgen, mein Herr. Hast du gut geschlafen?“"

“Traumhaft, mein Mädchen. Und du? Danke für den Kaffee!“"

“Die Nacht mit dir war wieder traumhaft, mein Herr. Von der versprochenen Zukunft gar nicht zu sprechen!
Und der Kaffee am Bett ist da nur ein minderwertiger Dank!“"

“Den ich aber hoch achte und dich sehr schätze für alles, was du mir tust!“"

“Mein Herr, du beschämst mich! Das sind meine bescheidenen Möglichkeiten. Eigentlich ist es nichts
besonderes, da es zu meinen Aufgaben gehört. Es sind also Selbstverständlichkeiten!“"

“Schon, Maus. Aber in diesem Kontext erkenne ich deine Motivation als etwas Besonderes an. Das macht mich stolz auf dich, Liebes! Komm, nimm auch einen Schluck aus meiner Tasse!“"

“Herr, dazu bin ich nicht würdig!“"

“Liebes, wer bestimmt, was du wann, wie und wo darfst, und was nicht?“"

“Du, mein Herr!“"

“Also bist du würdig, jetzt und hier einen Schluck aus meiner Tasse zu trinken!“"

Ich falle vor dem Bett auf die Knie und nippe an der Tasse meines Herrn.

“Los, mein Mädchen. Trinke einen richtigen Schluck.“"

Ich trinke also, stelle die Tasse zitternd ab und bette meinen Kopf im Schoß meines Herrn.

“Du bist so gut zu mir, Herr. Ich habe dich doch gar nicht verdient…“..."

Sanft streichelt mein Herr mir die Wange, beugt sich zu mir und gibt mir einen zarten Kuss.

“Vertraue meiner Entscheidung, Maus! Und nun lass mich aufstehen, Liebes.“"

Ich springe auf, mache einen Schritt rückwärts und sage mit gesenktem Blick:

“Entschuldige, mein Herr.“"

Nachdem ich die Wohnung aufgeräumt habe, ist auch mein Herr mit dem Packen der Seesäcke fertig. Ich nehme noch meine Tasche mit den Kosmetika und anderen Accessoires über die Schulter, dann verlassen wir die Wohnung, die wir nun wieder monatelang nicht wieder sehen werden.

Mein Herr hält wieder an den Stapelhäusern im Hafen, kauft jedoch dieses Mal die doppelte Menge Merinowolle und Farbeimer. Beim Schiff angekommen, verstauen wir gemeinsam das Gepäck und die Ware.

Wir sind alleine an Bord, da die Mannschaft erst morgen zur Abfahrt kommt. Ich mache meinen Herrn auf den leeren Verschlag im Laderaum aufmerksam.

“Kaufen wir heute auch schon die Schafe, Herr?“"

“Nein, Liebes. Ich habe es mir überlegt. In Andalusien sind sie billiger und der Transport ist kürzer!“"

“Dann haben wir ja noch Zeit zum Ausruhen,“" lächele ich.

Mein Herr lacht wie ein Lausbub, was ich so sehr an ihm liebe. Ich lehne mich an ihn und bette meinen Kopf an seiner Schulter. Er lässt es kurz zu. Ich weiß, dass er es genießt! Dann nimmt er mich bei den Schultern und sagt:

“Maus, komm, wir gehen etwas essen.“"

Nachdem er alle Türen verschlossen hat, gehen wir zu Fuß zu der Pizzeria im Hafen und essen dort. Wir sind fast fertig, als sich unser Schiffskoch dazu gesellt. Wir warten also, bis auch er gegessen hat. In dieser Zeit trinken wir Tee mit viel Zucker, wie ich ihn aus meiner Heimat gewöhnt bin.

Beim Schiff angekommen helfen wir den Lieferwagen mit Lebensmitteln auszuräumen und in der Kühlung an Bord zu verstauen. Dann legen wir uns alle ein paar Stunden aufs Ohr. Ich kuschele mich an meinen Herrn und lasse mich auf den Flügeln meiner Tagträume davontragen. Am frühen Abend klopft der Koch an die Tür und fragt, ob ich ihm helfen darf das Abendessen vorzubereiten. Da mein Herr nickt, stehe ich auf und gehe in die Kombüse.

Mein Herr steht ebenfalls auf und geht die steile Treppe zum Steuerhaus hoch, wie ich noch sehen kann.

Der Koch bereitet ein schnelles kaltes Buffet vor. Ich schnippele dafür die Zutaten. Servieren soll ich für uns drei in Steuerhaus, statt in der Messe. Dort treffe ich meinen Herrn am Kartentisch. Schnell räumt er alles beiseite und nimmt mir die Teller ab, damit ich die Schüsseln aus der Kombüse holen kann.

Nach dem Essen geht der Koch noch mal an Land. Ich räume die Kombüse auf, spüle und leiste dann wieder meinem Herrn in seiner Kabine Gesellschaft. Der Koch wird wohl erst um Mitternacht zurück an Bord sein.

Am nächsten Morgen kommen die restlichen Besatzungsmitglieder in schneller Folge an, beziehen ihre Kabinen und treffen sich an Deck. Nachdem die Besatzung vollzählig und alles bereit zur Abfahrt ist, startet mein Herr den Motor und die Taue werden gelöst. Es geht wieder los. Ich zittere leicht in freudiger Erwartung meine Eltern wieder zu sehen. Was werden sie diesmal wohl sagen, wenn sie die Neuigkeiten erfahren?

Hinter der Flussmündung lässt mein Herr wieder die Segel setzen und schaltet den Motor ab.

Wieder geht es an der vertrauten Inselkette am Horizont vorbei. Im englischen Kanal stoppen wir dieses Mal nicht, sondern segeln direkt hinüber nach Neufundland. Dort werden wieder die Vorräte aufgefüllt und zurück geht es in die Biskaya.

Ui, ist das hier stürmisch diesmal. Das Schiff kämpft sich südwärts in einen kleinen nordspanischen Fischerhafen. Dort sitzen wir erstmal eine Woche fest, um auf einen leichten Wetterumschwung zu warten. In der Zwischenzeit kommt das Wissenschaftlerteam aus Deutschland, um Zwischenergebnisse festzuhalten. Schließlich entscheidet mein Herr zusätzliches Diesel zu kaufen und die spanische Halbinsel mit Motorkraft zu umrunden. Er wagt sich dabei mit dem Schleppnetz weit in den Atlantik hinaus.

Dann haben wir Westandalusien erreicht, wo mein Herr fünf Hammel und fünf Schafe kauft. Damit an Bord fahren wir zu der Stadt, die unserem Dorf am nächsten liegt, machen im Hafen fest und mieten einen kleinen Lastwagen für die zehn Schafe, die Wolle und die Farbe. Eine Stunde später kommen wir im Dorf an, neugierig beäugt von den Kindern.

Als mein Herr den Lastwagen neben meinem Elternhaus stoppt, erscheint das Gesicht meines jüngsten Bruders in der Tür. Sein verständnisloser Blick erhellt sich erst als er mich beim Aussteigen erkennt. Freudig lächelnd und laut nach Mama rufend, verschwindet er wieder im dunklen Innern. Bald darauf kommt mir Mama entgegen gelaufen, fällt mir in die Arme und uns beiden laufen die Tränen der Freude ungebremst die Wangen hinab.

Mama kann minutenlang nur stammeln:

“Allah akbar, Rasha, meine Kleine… meine liebe…... Allah...… Rasha, wie gut du aussiehst…... Allah akbar..."
…“
Schließlich hat sie die Fassung einigermaßen wieder zurück gewonnen. Sie wendet sich meinem Herrn zu, der sich im Hintergrund gehalten hat. Sie macht ein paar Schritte auf ihn zu, fällt vor ihm auf die Knie, küsst ihm abwechselnd beide Hände und bedankt sich mit sprudelnden Worten, während ihre Augen wieder zu tränen beginnen.

Er ist etwas beschämt, legt ihr seine rechte Hand auf die Schulter und schaut mich hilflos an.
Ich trete dazu, fasse meine Mama bei den Schultern, drücke ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange und sage ihr, dass mein Herr sich ebenfalls freut, wieder hier zu sein. Wir hätten Wolle, Farbe und Tiere dabei und er möchte mit Papa so von Mann zu Mann über mich reden.

“Wo ist Papa jetzt“?" frage ich sie, während sie sich erhebt.

“Ach, Liebes, Papa ist dem Nachbar fischen helfen, damit wir ein paar Fische haben, heute Abend. Houssein ist mit der Herde unterwegs. Die sechs Tiere von deinem Herrn haben sich gut integriert. Die Wolle, mit der Beimischung derer von deinem Herrn, fühlt sich besser an beim darüber streichen und bringt einige Dirham mehr ein.“

“Sollen wir die neuen Tiere in den Stall treiben und die Wolle ins Haus bringen?“"

“Aber natürlich, Liebes. –- OMAR, komm und hilf!"
“
Mein kleiner Bruder kommt dazu und mit vereinten Kräften treiben wir die Schafe in den Nebeneingang meines Elternhauses, der den Tieren Schutz bietet. Dann tragen wir die Wolle und die Eimer mit dem Farbpulver ins Haus. Meine Mama serviert uns Tee und bedankt sich ständig. In den Sprechpausen streicheln ihre mit Henna bemalten Hände meine Hände.

Eine Stunde später wird es draußen wieder laut. Omar geht vor die Tür, erkennt Houssein und beide treiben die kleine Herde meiner Eltern in den Stall. Dann begrüßen auch Houssein und unsere Hunde uns. Mama scheucht die Hunde bald von meinem Herrn weg. Sie legen sich, aufmerksam schauend neben die Feuerstelle.

Houssein erzählt davon, dass ein Lamm aus dem letzten Jahr von einem Skorpion gebissen wurde, den er dann totgeschlagen hat. Dann fragt er mich nach meinen Erlebnissen. Ich schwärme von meinem Herrn, der die ganze Zeit da sitzt und kein Wort versteht. Ich übersetze ihm grob, worum es jeweils geht.

Dann wird es dunkel im Eingang. Papa steht in der Tür. Ich springe sofort auf, um ihn auf Knien zu begrüßen. Alle anderen erheben sich ebenfalls. Mama begrüßt ihm mit einem Handkuss. Er nimmt sie kurz zärtlich in den Arm, dann erzählt Mama Papa, was heute Nachmittag alles passiert ist. Papa nähert sich freundlich lächelnd meinem Herrn, begrüßt ihn und lässt sich als erstes die neuen Tiere zeigen. Wir treten also gemeinsam für ein paar Minuten hinaus und gehen um das Haus.

Papa zeigt sich zufrieden mit den neuen Schafen. Er lächelt übers ganze Gesicht und wählt ein Tier aus, das er draußen schlachtet und sogleich die Haut abzieht. Die weitere Zubereitung des Bratens überlässt er Mama, während er sich mit meinem Herrn und mir als Dolmetscherin bei Tee im Haus niederlässt.

“Das ist mehr als die letzte Lieferung, Herr! Hat das einen besonderen Grund?“"

Mein Herr antwortet lächelnd:

“Wir wohnen so weit weg, dass ich nicht weiß, was hier passiert, wenn ich nicht mehr kommen kann. Ich will also dazu beitragen, dass ihre Herde erstens wieder die alte Größe erreicht und zweitens Wolle von höherer Qualität liefert. Denn irgendwann werde ich Sie nicht mehr beliefern können.“"

“Wir sind auf dem besten Weg das Ziel zu erreichen, Herr. Würde meine Tochter in der Stadt arbeiten, bekäme ich ihren Lohn auch nur bis sie im heiratsfähigen Alter ist. Dann bekomme ich abschließend einen Brautpreis für sie und das war es dann."
“
“Rasha hat mir davon erzählt, Herr, und das ist der zweite Grund, der mich veranlasst, heute und bei den nächsten Besuchen mehr mitzubringen."
“
“Herr, verstehe ich richtig? Sie wollen mich um die Hand meiner Tochter bitten?“"

“Ja, Herr. Genau darum geht es mir heute!“"

“Einhundert Schafe.“"

“Dreißig Schafe, zehn Zentner Wolle und Zehn Farbeimer.“"

Beide Männer grinsen breit.

“Siebzig Schafe, 25 Zentner Wolle und 50 Farbeimer.“"

“Kommen Sie, schlagen Sie ein! Ich biete Ihnen vierzig Schafe, 15 Zentner Wolle und 15 Farbeimer.“"

“Geben Sie mir fünfzig Schafe, zwanzig Zentner Wolle und vierzig Farbeimer.“"

“Gut, Herr. Sind Sie mit fünfzig Schafen einverstanden und dazu zwanzig Zentner Wolle und dreißig
Farbeimer?“"

“Abgemacht, Herr.“"

“Die Hochzeit kann so bald wie möglich traditionsgemäß in ihrem Haus und ihrem Ritus geschehen, Herr.“"

Damit fassen sich Papa und mein Herr an den rechten Handgelenken und der Handel ist besiegelt. Später am Abend ist das ganze Dorf zum Hammelfestessen eingeladen.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Mo Sep 14, 2015 12:04 pm

Am nächsten Tag verabschieden wir uns von meinen Eltern und Geschwistern schon in aller Frühe und fahren zur Hafenstadt zurück. Dort gibt mein Herr den Lastwagen dem Verleiher wieder zurück und gegen Mittag legt der Segler zur nächsten Reise Richtung Kapverdische Inseln ab. Drei Tage später umrunden die Männer die Inselgruppe mit Schleppnetz, dann geht es weiter nach Südamerika, von dort in die Karibik. Es ist traumhaft schön dort, kann ich euch sagen! Wir halten uns einen Monat in diesen Gewässern auf, dann steuert mein Herr über die Azoren zurück nach Spanien.

Hm, die Rückfahrt zerrt an den Nerven der ganzen Mannschaft! Schlechtes Wetter und Flauten wechseln einander ab. Mit Motorkraft können wir wenigstens Kurs halten.

Endlich nach drei Monaten auf dem Atlantik erreichen wir Portugal und wenden uns südlich nach Andalusien, wo mein Herr dieses Mal 20 Schafe kauft. Mein Herz springt! Die erste Rate meines Brautpreises und gleich die Hälfte der vereinbarten Zahl! Drei Tage später übergeben wir sie meinen Eltern, dann segeln wir zurück in die Heimat meines Herrn.

Dort angekommen, warten schon große Lieferwagen, um die aus dem Meer gefischten Plastikteile ins ozeanographische Institut der Universität zu bringen. Dann bringt die Mannschaft das Schiff in die Werft.

Dort wird es zum Überholen an Land gezogen. Danach verabschiedet sich mein Herr von der Mannschaft für die nächsten sechs Wochen und wir fahren nach Hause. Nach dem Auspacken der Seesäcke will ich sofort mit der Arbeit beginnen und die Wäsche zum Waschen vorbereiten.

“Nein, mein Mädchen. Sortiere die Wäsche nur nach Waschtemperatur, dann lass sie liegen bis Morgen. Wir haben jetzt Zeit für uns und die sollten wir uns nehmen, Liebes."
“
“Wie du wünschst, Herr. Was schwebt dir vor?“"

“Anstrengende Wochen liegen hinter uns! Wir sollten entspannen -– urlauben, Maus!"
“
“Urlauben, mein Herr? Was ist das?“"

“Wenn man tagtäglich anstrengende Arbeit verrichten muss, dann bricht der Körper irgendwann vor
Erschöpfung zusammen, Liebes. Um das zu verhindern, haben sich die Arbeiter vor über hundert Jahren schon zusammengeschlossen und bessere Arbeitsbedingungen erstritten. Diese Arbeiter-Organisationen nennt man Gewerkschaften und die haben die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 16 bis 18 Stunden auf zirka 8 Stunden erreicht, arbeitsfreie Wochenenden und mindestens vier Wochen zusammenhängende arbeitsfreie und doch bezahlte Zeit –- eben Urlaub, Liebes."
“
“Ah, Herr, das müsste in meiner Heimat auch ein geführt werden,"“ antworte ich sinnierend.

Mein Herr zieht mich auf seinen Schoß, hält mich in seinem Arm und küsst mich zart auf die Lippen, während die frei Hand meine Rumpfseite kitzelt. Wohlige Schauer laufen mir über die Haut. Ich schließe die Augen und gebe mich ganz dem Gefühl hin.

“Wir machen alles das, was getan werden muss, aber mit vielen Pausen dazwischen, in denen wir es uns gut gehen lassen, mein Mädchen!"
“
“Oh ja, mein Herr,“" flüstere ich selig.

Mein Herr setzt mich rittlings auf seine Oberschenkel, startet mit der Fernbedienung leise romantische Musik und beginnt die Linien meiner Schlüsselbeine mit seinen Lippen entlang zu fahren, während er mich in der Taille gepackt hält. Seine Lippen wandern zu meiner linken Brust und umfassen die Brustwarze. Ich spüre seine Zunge, wie sie mit ihr spielt bis sie sich aufrichtet. Dann wechselt er hinüber zur rechten und wiederholt dort das Spiel, so dass mein Atem tiefer und stoßweiser wird. Ich stütze mich mit den Händen auf seinen Knien ab und beuge mich zurück. Die Zunge meines Herrn wandert über den Bauch und gräbt in meinem Bauchnabel. Ich stöhne leise auf und spüre, dass ich feucht werde. Seine Hände streicheln über meine Rumpfseiten zu meinen Beckenknochen und massieren meinen Po. Ich beginne kleine kreisende Bewegungen mit dem Becken, als meine Feuchte seine Hose durchdringt.

“Liebes, Vorsicht!"“ warnt er mich vor.

Dann steht er -– mich festhaltend -– auf. Ich umarme ihn an den Schultern und klemme meine Oberschenkel um seine Taille. So trägt er mich zum Bett, legt mich sanft ab und öffnet seine Kleidung.

Sie fallen lassend, legt er sich neben mich und beginnt mich an Kopf, Hals und Schultern zu küssen, während seine Hand die Innenseite meiner Schenkel zart streichelt. Dabei weicht er langsam zurück bis er auf dem Rücken liegt, während ich seinem Mund folge und nun halb auf ihm liege. Ich öffne die Beine und lege das rechte über seine Oberschenkel auf seine andere Seite. Er zieht mich sanft auf sich.

Am nächsten Morgen wache ich durch den Sonnenstrahl auf, der den Weg zwischen den Vorhängen in mein Gesicht gefunden hat. Ich blinzele. Mein Herr schläft noch. Seine Züge sehen so gütig aus und sein gleichmäßiger Atem erscheint mir heute Morgen wie Musik. Vorsichtig drehe ich mich zur Bettkante und erhebe mich. Mein erster Weg führt ins Bad und als ich wenig später am Bett vorbei in die Küche husche, hat sich mein Herr noch schlafend zur Seite gedreht.

Ich bereite uns nun das Frühstück zu, portioniere den Belag in kleine Schälchen und auf flache Teller, fülle damit ein Tablett und lege Rosenblüten als Dekoration dazu. Damit am Esstisch ankommend, sehe ich das Bett leer. Meinen Herrn höre ich stattdessen im Bad. Lächelnd in der Erinnerung an die Nacht, decke ich geschwinde den Frühstückstisch. Wenig später kommt mein Herr dazu.

“Guten Morgen, Rasha. Wie hast du geschlafen, mein Mädchen?“"

Ich nehme seine rechte Hand und will ihm einen Handkuss geben, er aber fasst mich an den Schultern und sein Kuss trifft meine Stirn, da ich in dem Moment zu Boden schaue.

“Guten Morgen, mein Herr. Sehr entspannt und schön, mein Herr!“" hauche ich.

“Das freut mich, Liebes! Du hast dir eine wunderschöne Deko heute ausgedacht, meine wundervolle
Wüstenrose. Komm, lass uns jetzt frühstücken.“"

Ich freue mich über das Lob und lächele glücklich über den blumigen Titel.

Nach dem Frühstück beeile ich mich, die Waschmaschine zu laden und zu starten und beginne dann den Staub der letzten Monate zu entfernen, während mein Herr etwas in der Stadt erledigen muss, wie er sagt.

Zum Mittagessen ist er pünktlich wieder zurück und wir verbringen den Nachmittag mit süßem Nichtstun, bis auf das Aufhängen der Wäsche. Am Abend lädt mich mein Herr zu einem Spaziergang durch die Altstadt ein, mit Restaurantbesuch. Ich gehe unsicher und mit unglücklichem Gesichtsausdruck über das Kopfsteinpflaster, als mein Herr abschwenkt und mich die Stufen zum Rathauseingang hinauf zieht. Im flackernden Licht der umgebenden Leuchtreklame lese ich im Aushang unsere Namen in der Rubrik “ES WOLLEN HEIRATEN“."

Als ich nun erstaunt aufblicke und den warmen Blick meines Herrn sehe, schießen mir augenblicklich Freudentränen in die Augen und mit einem Jauchzer fliege ich ihm an den Hals. Eine ganze Weile bedecke ich sein Gesicht mit kleinen Küssen, bis er mir einen nicht enden wollenden Kuss auf meine Lippen setzt und mit seiner Zunge Einlass fordert.

“Jetzt hast du es schwarz auf weiß, Liebes,"“ sagt er danach nur.

Arm in Arm, eng aneinander geschmiegt, gehen wir nun in das versprochene Restaurant und lassen den Tag festlich ausklingen.

Ich weiß nicht mehr viel über die folgenden Tage zu berichten. Sie fliegen dahin. Sie vergehen wie im Traum.

Die Arbeit geht mir mit Leichtigkeit von der Hand. Ich bediene meinen Herrn mit Freude.
Dann ist die zwei Wochenfrist vorbei und der Tag der Trauung da. Ein Bruder meines Herrn und seine Cousine sind mit ihren Familien zu Besuch. Wir haben ihnen am Vortag Hotelzimmer besorgt, da das Appartement meines Herrn für uns und neun Gäste zu klein wäre. Der Bruder und die Cousine sind unsere Trauzeugen und die fünf Kinder der beiden werden mit Blütenkörbchen dazugestellt.

Mein Herr hilft mir heute Morgen beim Überziehen des durchsichtigen Kleides mit den vielen aufgesetzten Steinen, das wir im Kostümverleih erstanden haben. Ich bin zu zitterig! Danach fahren wir ins Hotel zu den Verwandten meines Herrn, sprechen noch einmal kurz mit der Dame im Eingang, ob denn auch alles mit dem Menü und der Kaffeetafel klar ginge. Sie versichert uns, dass das Hotel alles im Griff hat und wir den Tag genießen sollen. Dann fahren wir zum alten Rathaus der Stadt.

Wir müssen ein wenig warten, bis wir an der Reihe sind, und ich sehe, dass auch die Kinder nervös sind. Dann machen wir dem Brautpaar vor uns an der wuchtigen eichernen Tür Platz und betreten das Trauzimmer des Standesamtes.

Der Beamte prüft noch einmal unsere Identität, dann setzt er zu einer kleinen Rede an, die ich in der Aufregung sogleich vergesse. Dann kommt endlich die entscheidende Frage an uns beide, die wir beide mit fester Stimme bejahen. – Schäm, - so ganz stimmt das nicht. Meine Stimme hat ganz schön gezittert, wie auch meine Hand beim Unterschreiben der Urkunde. Danach löst sich die Spannung mit dem Klatschen der Anwesenden und der Beamte schüttelt uns gratulierend die Hände.

Der weitere Tagesablauf wird mir zeitlebens in Erinnerung bleiben. Sicher nicht in Einzelheiten, aber die traumhafte Stimmung und zu spüren, wie es ist wenn man selbst bedient wird! Am nächsten Tag machen wir wegen der Kinder einen Ausflug in einen nahen Freizeitpark und auch ich darf dort kurze Zeit wieder Kind sein und mich mit Karussells und Achterbahnen vergnügen, was ich bisher noch nicht kannte.

Wir treffen uns am darauf folgenden Tag wieder im Hotel und warten bis die Verwandten meines Herrn ausgecheckt haben. In drei Fahrzeugen hinter einander verlassen wir die Stadt in südlicher Richtung und sind eine Stunde später am Freizeitpark. Nach dem Bezahlen des Eintritts betreten wir den Park.

Der erste Eindruck ist Kommerz. Wir stehen in einer Strasse mit Hausfassadennachbildungen um 1900, wie mir mein Herr erklärt. Ebenerdig sind dort Souvenir-, Spielzeug- und Süßigkeitenläden untergebracht. Am Ende erweitert sich die Strasse zu einem großen Platz mit einem Skulpturenbrunnen in der Mitte. Davon gehen drei Strassen weiter in den Park hinein. Wir entscheiden uns dafür, rechts abzubiegen.

Zuerst erreichen wir den ältesten Teil des Parks, einen Märchenwald. Zwischen hohen Nadelbäumen liegen Stationen, wo Szenen aus Grimms Märchen mit Puppen in entsprechenden Kulissen aufgebaut sind. An jeder Station kommt auf Knopfdruck das Märchen als Hörspiel aus einem Lautsprecher. Manchmal bewegen sich die Puppen auch synchron zur Erzählung. Nach einer halben Stunde erreichen wir einen Abenteuerspielplatz, den die Kleinen mit großem Hallo erobern. Wir schauen uns um und entdecken am Rand ein Café, in das wir uns zurückziehen bis die Kleinen weiter wollen.

Als nächstes kommen wir ins Westernland. Hier werden die Karl-May-Romane in Szene gesetzt, erklärt mir mein Herr. Allerdings nur dessen fantastischen Reiseberichte aus Nord- und Südamerika. Ich erinnere mich, dass mein Herr ein ganzes Regal voll Karl-May-Romane in seinem Appartement hat, die er nacheinander in seiner Kindheit geschenkt bekam und allesamt gelesen hat, wie ich mit erstauntem Gesichtsausdruck aus seinem Mund hörte.

Neben Gehegen mit echten Bisons und Lamas steht dort eine Arena, in deren Zuschauerrängen wir uns nun setzen und einer Rodeoshow zusehen. Eine Viertelstunde später sehen wir uns nebenan im Westernsalon eine Can-Can-Show an, während wir Westernsteaks mit Pommes Frites und Coca Cola zu Mittag essen.

Anschließend machen wir eine Bootsfahrt mit Gondeln über einen kleinen See, deren Attraktionen im Stil des Märchenparks nach Indiana Jones gestaltet sind mit künstlichen Krokodilen und Schlangen. Dann stehen wir an für eine Fahrt durch ein nachgebildetes Bergwerk in Loren. Diese Fahrt enthält Elemente einer Geisterbahn, die mir mehr als einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Die Kinder aber sind begeistert.

Vom Ausgang aus erreichen wir eine riesige Achterbahn. Ich sehe, wie dort die Fahrgäste herumgewirbelt werden und schaue meinen Herrn zweifelnd an.

“Rasha, Liebes, du hast Respekt vor der Achterbahn? Du möchtest lieber am Ausgang warten?“"

“Ja, Peter,"“ antworte ich mit einem erleichterten Seufzer.

Gemäß seiner Anweisung für den Umgang miteinander in der Öffentlichkeit, habe ich meinen Herrn beim Vornamen genannt.

Mein Herr nimmt mich sanft in den Arm und antwortet mit zärtlicher Stimme:

“Ich mag Achterbahnen auch nicht besonders, aber die Kinder können nicht genug davon bekommen.
Hermann, Maria, wir gehen dort in das Café und warten auf euch. Fahrt mit den Kindern bis sie die Lust verlieren.“"

“Alles klar, Peter. Bis später dann.“"

Während sie sich in die Schlange am Eingang der Achterbahn einordnen, setzen wir uns auf die Terrasse des Cafés und mein Herr bestellt Kaffee und Kuchen für uns beide. Nach einer Dreiviertelstunde gesellen sich die anderen dann auch zu uns. Wir essen jeder noch ein großes Eis, dann gehen wir zum Ausgang und verabschieden uns voneinander.

Nach Trier ist von hier aus noch eine Riesenstrecke. Und die Fahrt wird mit Kindern sicher nicht einfach. Wir selbst fahren wieder zurück in die Hafenstadt, in der wir wohnen und ruhen uns aus, während der Tag zu Ende geht.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Di Sep 15, 2015 11:35 am

Nach der folgenden wunderbar verkuschelten Nacht im Arm meines Herrn stehle ich mich wie üblich aus dem Bett, um ihm mit einem Frühstück bedienend für die romantische Nacht zu danken, die ich so gar nicht für selbstverständlich halte. Wenn ich mich an die Erzählungen im Dorf über Herren aus den umliegenden Städten denke, die uns behandeln wie seelenlose Gegenstände, die man benutzt, dann muss ich innerlich immer mit dem Kopf schütteln und Allah danken, der mir diesen lieben, rücksichtsvollen Herrn geschenkt hat.

Während des Frühstücks, für das sich mein Herr mit einem zärtlichen Kuss bedankt, sagt er zu mir:

“Rasha, Liebes, weißt du was man unter dem Begriff Hochzeitsreise versteht?“"

“Nein, mein Herr.“"

“Bei uns ist es üblich, nach der Hochzeit eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Je nach wirtschaftlichen Verhältnissen und Träumen des frisch verheirateten Paares kann die Entfernung zur Heimat und die Dauer der Reise variieren. Dort macht man Urlaub vom Alltag und geht gemeinsamen Interessen nach. Man zeigt dem Partner, dass er für den anderen der wichtigste Mensch auf Erden ist.“"

“Aha, tut man das bei euch denn nicht täglich, mein Herr?“"

“Schon, Liebes, aber im Alltag schleift sich das bei vielen Paaren ab. Vieles wird über die Jahre als
selbstverständlich angenommen und nicht mehr richtig wahrgenommen, beziehungsweise gewürdigt!“"

“Mein Herr, ich verspreche dir, dass ich deine Zuwendung IMMER als etwas besonderes ansehe, als ein Gottesgeschenk, wie du sagen würdest.“"

“Sobald ich das spüre, Maus, zeige ich dir, wie sehr ich dich mag. Immer und immer wieder!“"

Meine Beine geben in diesem Moment nach. Ich falle vor meinem Herrn auf die Knie und bette stumm meinen Kopf in seinen Schoß. Mein Herr streichelt mir zärtlich über mein Haar und sagt:

“Maus, ich habe zwei Tickets nach New York gekauft. Am Wochenende fliegen wir zum ersten Mal mit einem Flugzeug zu einer dreitägigen Sightseeing- und Shoppingtour dorthin.“"

Ich höre die Worte, verstehe aber die Bedeutung nicht so richtig. Mir ist es egal was wir machen, wenn ich nur bei meinem Herrn sein darf.

Eine Woche später fahren wir zwei Stunden vor Abflug zum Flughafen am Stadtrand, damit wir rechtzeitig einchecken. Endlich sitzen wir im Flugzeug. Die Sitze sind eng. Ich bin aufgeregt. Mein Herz klopft wie wild, als das Flugzeug sich in Bewegung setzt. Am Ende der Startbahn zieht der Pilot sein Flugzeug in einem irren Winkel hoch. Mein Magen sackt durch. Wie sehr beruhigt es mich, dass ich die Hand meines Herrn ergreifen– - wenn nicht gar zerquetschen darf.

Zum Glück verläuft der Flug soweit ganz ereignislos. Es werden Filme gezeigt, die man über Kopfhörer in verschiedenen Sprachen mitverfolgen kann. Die Stewardessen liefern Getränke, Decken und Kissen und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich ebenfalls bedienen lasse!

Mit der Zeit werde ich müde und kann eine Weile an die Schulter meines Herrn gekuschelt schlafen. Plötzlich weckt mich mein Herr und deutet aus dem Fenster.

Wow, ist die Skyline New Yorks beeindruckend! Ich habe das Gefühl, als würde die größer werdende Freiheitsstatue uns zuwinken. Sofort bin ich wieder hellwach und zittere vor Aufregung.

Angst fährt mir in die Glieder, als wir uns nach der Landung den Einreiseschaltern nähern.

Überall Soldaten mit schussbereiten Waffen! Das Zoll- und Sicherheitspersonal sieht sich jeden Passagier genau an. Ich fühle mich gar nicht wohl und beachte peinlichst genau die gelben Markierungen auf dem Boden, über die man nur nach Aufforderung weitergehen darf. Ich dränge mich schutzsuchend an meinen Herrn.

Zum Glück sind unsere Pässe in Ordnung und wir können unbehelligt das Flughafengebäude verlassen. Wir gehen mit unseren Koffern zu den Yellow Cabs, wie man die Taxis hier nennt, wegen ihrer gelben Farbe.

Mein Herr nennt das Hotel und wir lassen uns dorthin fahren.

Unterwegs lässt die Anspannung fühlbar nach. Ein tiefer Seufzer entfährt mir und ich suche wieder die Nähe der starken Schulter meines Herrn.

Die Fahrt geht über breite mehrspurige Strassen, an deren Rand himmelhohe Häuser stehen und eine mehrstöckige sechsspurige Brücke. Ich bin so überwältigt, dass ich zusammenzucke als mein Herr mich leicht anstößt.

“Wir sind da, Maus.“"

Wir betreten die weitläufige Eingangshalle, orientieren uns kurz und checken ein. Dann werden wir auf unser Zimmer geleitet. Dazu fahren wir mit einem Expressaufzug und gehen einen breiten Gang entlang. Das Zimmer öffnet sich mit einer Plastikkarte.

Was dann kommt, erschlägt mich fast. Am Eingang schon hatte ich den Eindruck, einen Palast zu betreten. Dieses Zimmer kommt mir so unwirklich vor, dass ich mich kneifen muss, weil ich meine zu träumen. Ich habe das Gefühl, dass sich jeden Moment seine Majestät, der König von Marokko, aus einem der Sessel erhebt und uns begrüßt. Ich habe weiche Knie und halte mich an meinem Herrn fest.

Als der uniformierte Junge uns alleine lässt und die Tür sich geschlossen hat, gebe ich dem Gefühl in meinen Knien nach und falle vor meinem Herrn auf die Knie. Unendlich dankbar umfasse ich seine Oberschenkel und lasse meinen Freudentränen freien Lauf.

Mein Herr fährt mir zart über mein Haar und sagt mit sanfter Stimme:

“Liebes, diese Reise soll dir zeigen, wie meine Gefühle für dich sind. Erinnere dich besonders in zukünftigen Momenten des Zweifels immer wieder hieran zurück. Komm, steh’ auf, mein Mädchen und lass uns das Zimmer genauer ansehen!"
“
Er fasst mich an den Schultern und zieht mich wieder hoch auf die Füße.

Da ich immer noch keine Stimme habe, hauche ich nur:

“Ja, mein geliebter Herr.“"

Der riesige Raum ist komplett mit einem kuscheligen hochflorigen Teppich ausgelegt, dass es mir schon wie Luxus vorkäme, auf dem Boden schlafen zu dürfen. Die majestätische Sitzgruppe auf der einen Seite und ein Etwas hinter einem wallenden Vorhang auf der anderen Seite des Raumes! Neben diesem Etwas eine Tür und der Eingangstür gegenüber eine wandhohe Fensterfront, durch die man die umliegenden Wolkenkratzer sieht.

Mein Herr steuert mit mir an der Hand auf die Tür zu und öffnet sie. Ich schaffe es nicht ganz, einen Schrei des Erstaunens zu unterdrücken.

Es öffnet sich ein großer Raum, ganz in Gold und Rot gehalten. Unser Bad!

Mein Herr steuert auf die riesige Wanne zu.

“Hey, ein Whirlpool,“ entfährt es ihm. “Das werden wir ausgiebig nutzen – zu zweit, Liebes!“"

“Sehr gerne, mein Herr,"“ flüstere ich strahlend.

Dann dreht sich mein Herr um, geht zurück in unser Zimmer und schlägt den Vorhang zur Seite.

“Rasha, unser Bett. Und was für eins!“"

“Oh,..."“ ist das Einzige, was ich angesichts der riesigen Kissenlandschaft herausbringe. Hier hätten vier Personen schlafen können!

Mein Herr lässt sich in die Kissen fallen und zieht mich mit.

Während er sich im Fallen dreht und auf der mir zugewandten Seite aufkommt, lande ich auf dem Gesicht in den Kissen. Zärtlich fasst er mich an der Schulter und dreht mich zu sich. Verliebt schaue ich ihn an. Er gibt mir einen zarten Kuss auf die Nasenspitze, worüber ich immer innerlich lächeln muss, wenn er das macht.

Ich küsse ihn daraufhin auf den Mund und spüre seine Zunge an meinen Zähnen. Ich taste mit meiner Zunge nach seiner, schließe dabei die Augen und verliere jegliches Zeitgefühl. Alles um mich herum wird unwichtig.

Hier sind nur noch zwei Personen: eine demütige Dienerin und ihr liebender Herr!

Langsam entkleiden wir uns gegenseitig, während mein Herr mich von Kopf bis Fuß streichelt und mit Küssen bedeckt. Vor Verlangen bebend genieße ich es sehr, als er endlich über mich kommt.

Eng an meinen Herrn gekuschelt liege ich danach lange neben ihm, lausche seinem regelmäßigen Atem, schaue zum Betthimmel und träume vor mich hin. Eine tiefe Verbundenheit mit meinem Herrn erfüllt jede Faser meines Körpers und erwärmt meine Seele. Ich wende meinen Kopf zu meinem Herrn, will ihn mit zärtlichen Augen anschauen und sehe, dass er mich die ganze Zeit schon mit einem zärtlichen, verliebten Blick betrachtet.

“Maus, du bist ich und ich bin du, wir zwei sind Eins,“ flüstert er mir zu."

“Aber Herr, ich lebe, um dir zu gefallen, dir zu dienen! Es macht mich stolz, wenn du mich dafür lobst, aber wir können niemals auf gleicher Stufe stehen!"
“
“Dann, mein Mädchen, sind wir trotzdem Eins -– ein Team, nämlich. Ich gebe Richtung und Ziel vor, das du dann verfolgst. Du vertraust mir und ich verantworte alles, Liebes."
“
“Ja, mein Herr, damit kann ich leben, liebend auf dich hören, dir dich verehrend dienen mein Leben lang!“"

Spontan küsst mir mein Herr auf die Stirn. Dann sagt er:

“Wenn du magst, probieren wir den Whirlpool aus und schauen dann mal an der Rezeption, ob da etwas herum liegt, worin steht, was man hier unternehmen kann. Danach gehen wir etwas essen und machen ein kleines Programm für die nächsten Tage.“"

“Au ja, mein Herr!“"

Ich stehe schnell auf und lasse im Bad Wasser ein. Mein Herr schaltet die Düsen zu und wir entspannen im warmen Wasser. Nach kurzer Zeit muss ich mich umdrehen und mich mit Unterarmen und Kinn am Beckenrand abstützen. Dann beginnt mein Herr an den Schultern mir den Rücken zu massieren. Gleichzeitig stimulieren die Whirlpooldüsen meine Brüste -– oh, mir wird ganz anders…...

Ich beginne unmerklich mit dem Becken zu kreisen. Erst lässt sich mein Herr davon nicht beeindrucken und massiert den Rücken weiter. Als er bei Taille und Steiß angekommen ist, fasst er mir zwischen die Beine und ich stöhne auf, richte mich kniend in der Wanne auf, wodurch er etwas den Halt verliert und sich lachend ins Wasser setzt.

“Herr, was sagt dein Rücken? Darf ich dich auch massieren?“" frage ich.

“Gern, mein Mädchen,“" antwortet er mir und stützt sich nun seinerseits am Wannenrand ab.

Auch ich beginne an den Schultern, brauche aber etwas Kraft, um die Verspannungen zu lösen. Trotzdem belohnt mich mein Herr mit Wohllauten.

Als wir zum Ausgehen fertig sind, ist es gegen Mittag Ortszeit in New York. In Europa wäre jetzt Abend. Wir fahren mit dem Expressaufzug nach unten, fragen dort nach einem entsprechenden Prospekt und setzen uns erstmal in eine Sitzgruppe, um ein Restaurant in der Nähe zu suchen.

Neben den üblichen amerikanischen Schnell-Restaurants gibt es eine Menge Nationalitäten-Restaurants. Mein Herr fragt mich, was ich denke, wenn ich das alles lese.

“Wir sind doch hier in Amerika, mein Herr. Chinesisch und Italienisch können wir immer noch essen. Warst du schon einmal in einem amerikanischen Schnellrestaurant?“"

“Nun ja, Liebes. Da gibt es zwei oder drei weltumspannende Restaurantketten.“"

“Aber wie bedienen die ihre Gäste in ihrem Stammland, mein Herr?“"

“Gut, Liebes. Also essen wir heute Amerikanisch,"“ entscheidet mein Herr lächelnd.

Wir verlassen das Hotel, wenden uns nach den Angaben in dem Heft nach links, überqueren eine riesige Kreuzung auf einem gelben Zebrastreifen, der quer über die Straßen führt und betreten das Eckhaus.

Dort werden wir gleich am Eingang angesprochen und an einen freien Tisch im ersten Stock geleitet. Dann kommt eine junge Frau auf Rollschuhen und gibt meinem Herrn und mir je eine Karte mit kleinen Bildern der Menus zum Ankreuzen. Wenig später stoppt sie wieder vor unserem Tisch, um die Karten in Empfang zu nehmen. Als sie wenige Minuten danach wieder bei uns stoppt, stellt sie schon zwei dampfende Tabletts vor uns auf den Tisch.

Das nenne ich 'Schnellrestaurant'“, denke ich mir und muss lächeln.

Nach dem Essen bestellt mein Herr noch einen Kaffee und einen Tee, worüber ich mich so freue, dass ich seine Hand nehme und dankbar seinen Handrücken küsse.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Mi Sep 16, 2015 2:11 pm

Ich nehme den kleinen Zuckerstreuer, schraube ihn auf und entleere ihn zur Hälfte in meinem Tee nach marokkanischer Sitte. Lange rührend löse ich den Zucker auf, bevor ich mit kleinen Schlucken genussvoll trinke. Lächelnd kommentiert das mein Herr:

“Lass dir deinen Tee gut schmecken, Maus. Ich gönne dir das. Schade nur, dass du ihn hier nicht in der Art deiner Heimat behandeln kannst: Von einem Gefäß in ein anderes schütten mit Armlänge Abstand bis er die richtige Konsistenz und Trinktemperatur hat."
“
“Ich habe bei dir gelernt Kompromisse einzugehen, mein Herr,2“ erwidere ich und lehne mich an seine Schulter.

“Da wir nur wenig Zeit haben hier in New York, sollten wir darüber nachdenken, was uns am meisten Spaß macht, mein Mädchen, und uns darauf konzentrieren. Vielleicht fliegen wir später noch einmal für mehrere Wochen her und können dann Land und Leute kennenlernen, sowie die Nationalparks und Freizeitparks besuchen.“

“Das wäre super, mein Herr,"“ flüstere ich, mich an ihn kuschelnd.

“Wie ich dich kenne, Liebes, magst du am liebsten Shopping? Wir müssen ja nichts kaufen! Schauen wir uns einfach das Angebot an. Dazwischen essen wir in Restaurants mit besonderer Lage und Aussicht und ich möchte einmal in der Krone oder Diadem der Freiheitsstatue stehen und daraus hervor schauen.“"

“Das machen wir, liebster Herr,"“ sage ich und schaue ihm zärtlich in die Augen.

Er erwidert meinen Blick und küsst mich kurz auf die Wange. Dann gehen wir zum Hotel zurück.
Hier ist früher Nachmittag. In Europa wäre jetzt Abend. Unwillkürlich gähne ich.

“Ich denke, wir verschieben unser Sightseeing auf Morgen, mein Mädchen. Der Jetlag macht sich bei dir bemerkbar und auch ich bin müde.“"

Dankbar nicke ich. Wir gehen auf unser Zimmer und mein Herr schaltet den Fernseher ein. CNN ist
eingestellt und ein Reporter berichtet in breitestem amerikanischen Englisch. Nach kurzem Umschauen entdeckt mein Herr Videos. Er beginnt zu stöbern.

“Ah, ein riesiges Filmarchiv – und nach Genre geordnet...… Was willst du im Bett sehen, mein Mädchen? Fantasy, Action, Sex, Romantik? -– Oh, dieser hier heißt auf deutsch 'P.S. Ich liebe dich'“. Hast du schon mal davon gehört?"
“
“Nein, mein Herr.“"

“Magst du Romantik zum Schlafen gehen?“"

“Gerne, mein Herr.“"

“Ich habe den Roman zuhause. Das Buch hat die Tochter eines früheren irischen Ministerpräsidenten
geschrieben. Es handelt von einem Liebespaar, das durch äußere Umstände getrennt wurde. Ist also etwas traurig und doch hoffnungsvoll und spannend.“"

“Ah, sie sind getrennt und schreiben sich von ihrem Alltag, um den anderen daran teilhaben zu lassen. Darunter steht dann immer 'Ich liebe dich“'?"
“
“Nicht ganz so,“" lächelt mein Herr. “Ich möchte aber nicht zuviel verraten, um dir die Spannung nicht zu nehmen."
“
Damit schaltet mein Herr auf den DVD-Player um, legt den Film ein und ändert die Dialogsprache auf Deutsch. Wir entkleiden uns, verdunkeln das Zimmer, schalten die Deckenlampe ein und kuscheln uns im Bett aneinander. Man kann fast sämtliche Funktionen im Zimmer vom Bett aus steuern!

Dann startet mein Herr den Film.

Er handelt von einem Paar, das sich zankt wie Geschwister. Sie können nicht ohne einander, sehnen sich zueinander und tragen während des Zusammenseins Meinungsverschiedenheiten offen aus, so dass schon mal die Kissen fliegen. Dann erkrankt er an Krebs und stirbt schließlich. Sie trauert sehr tiefgehend, was ich gut nachvollziehen kann.

Eines Morgens zieht sie einen Brief aus ihrem Briefkasten. Sie öffnet ihn und erschrickt. Er ist von ihrem geliebten, nun aber doch toten Mann! Darin stellt er ihr eine Aufgabe, die sie erfüllen soll, um sich damit gleichzeitig aus ihrer selbstgewählten Isolation zu befreien. P.S. Ich liebe dich.

Sie bemüht nun gemeinsame Freunde von früher, ihr zu helfen die Aufgabe zu erfüllen. So geht das ein Jahr lang. Jeden Monat erhält sie einen Brief von ihrem toten Mann mit einer Aufgabe. Am Ende hat sie ihren Lebenswillen wieder zurück.

Schon ganz schläfrig geworden, höre ich die Stimme meines Herrn wie aus weiter Ferne.

“Rasha, Liebes. Erkennst du in dem Film eine Aussage, die er rüber zu bringen versucht?“"

“Hmm."“ Antworte ich im Halbschlaf.
“Stell dir unsere Beziehung mal vor. Da ich älter bin als du, wird Allah mich wohl zuerst zu sich rufen. Du wirst alleine zurückbleiben. Ich bin sehr stolz auf dich. Ich führe dich voller Verantwortung für unser beider Wohl. Ich beschütze dich so gut ich kann. Aber was ist wenn ich tot bin? Du bist so auf mich fixiert, dass mein Weggang eine Lücke in dein Leben, eine tiefe Wunde reißen würde. Finanziell wird es dir an nichts fehlen. Emotional jedoch musst du dann an dir arbeiten, wie die Holly in dem Film. So wie ich dir jetzt Zielvorgaben und Zielrichtung für dein Leben gebe in meinen Anweisungen, so würde ich dich gerne wie dieser Gerry durch das Trauerjahr begleiten und dir Fingerzeige geben, dann ohne mich klarzukommen.“"

Mit einem letzten “Hmm“" bin ich eingeschlafen.

Ich erwache schweißgebadet mitten in der Nacht. Ein Alptraum plagte mich. Schejtan’s Feuerreiter hätten mich attackiert und mein Herr hätte sich ihnen entgegen gestellt. Hinter meines Herrn breitem Rücken fühlte ich eine trügerische Geborgenheit. Denn dem Feueratem der gepanzerten Kamele konnte mein Herr nicht lange standhalten. Jedoch ließen die Spukgestalten von uns ab, als mein Herr zusammenbrach. Zitternd lag ich noch eine Weile reglos unter dem, was von meinem Herrn übrig war, bevor ich mich angstvoll darunter hervor arbeitete. Dabei zerfiel mein Herr zu Asche und ich kniete mich weinend und wehklagend neben ihn hin.

In der Erinnerung werden meine Augen wieder feucht und ich klammere mich an meinen noch schlafenden Herrn neben mir. Das beruhigt mich mit der Zeit etwas, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Also fahre ich mit der Fernbedienung die Rollläden vor der Fensterfront hoch. Draußen ist es noch dunkel, aber die bunten Lichter einer 'Weltstadt, die nie schläft' -– wie mein Herr im Flugzeug sagte –- sehen weniger bedrohlich aus.

In der Morgendämmerung erwacht dann auch mein Herr, sieht mich eng an sich kleben und lächelt glücklich. Er legt seinen Arm so, dass ich meinen Kopf auf seinen Oberarm betten kann, streichelt mit der Hand sachte meinen Rücken und fährt mit der anderen Hand zärtlich die Linien meines Gesichtes nach.

Während er so über meine Augenbrauen streicht, über meinen Nasenrücken und meine Lippen, schließe ich verzückt meine Augen und fühle mich von einer Welle überwältigender Gefühle davon getragen.

“Mein Herr, wir sind Eins, wir sind ein Team,"“ flüstere ich. “Du würdest dein Leben für mich einsetzen, wie auch ich für dich! Ich gehöre dir auf ewig, tu mit mir, wie dir beliebt!“"

Zärtlich flüsternd antwortet mein Herr:

“Liebes, was du da sagst, freut mich sehr! Ja, wir sind ein Team. Wir tun alles füreinander, wobei ich führe und du mir folgst. Und das solange Allah es will! - Und ich freue mich über deine freiwillige Unterwerfung, die von großem Vertrauen zu mir zeugt. Ich verspreche dir noch einmal hier in Allahs Allgegenwart, dass ich diese Macht über dich, NIEMALS missbrauchen werde!"
“
Mir laufen die Tränen bei diesen Worten. Ein Weinkrampf schüttelt mich. Mein Herr setzt sich halb auf, nimmt mich sanft in seine Arme und wiegt mich eine Zeitlang wie ein Baby. Dann fingert er doch nach seinem Taschentuch, dass er sich abends gewohnheitmäßig immer unter sein Kopfkissen legt, um es mir anzubieten.

Dankbar trockne ich meine Tränen, nehme seine Hand und gebe ihm einen zärtlichen Handkuss, um danach meinen Kopf an seiner Brust zu lagern und sein Herz ruhig schlagen zu hören. So verbringen wir sicher eine ganze Stunde miteinander, denn es wird darüber hell draußen.

Mit einem Zungenkuss und zartem Streicheln meiner Brüste verabschiedet sich mein Herr schließlich aus dem Bett. Er hebt mich sachte an und legt mich sanft in die Kissen zurück. Dann geht er ins Bad.

Hmm, einem dringenden Bedürfnis folgend, springe ich auf und frage an der Tür zum Bad, ob ich herein kommen dürfte.

“Aber natürlich, Maus,"“ kommt es gedämpft zurück.

Während er schnell das Bad verlässt, schlüpfe ich zur Toilette und danach schnell wieder hinaus.

Meinen Herrn treffe ich sitzend auf dem Bett an. Ich falle vor ihm auf die Knie, nehme seine Hände und küsse sie beide, während ich mich entschuldige. Er entwindet mir seine Hände, nimmt meinen Kopf in beide Hände und küsst mich auf die Stirn.

“Liebes, es gibt manchmal Situationen, die müssen so ablaufen, wie gerade eben. Ich werfe dir dein Verhalten nicht vor und du solltest dir ebenfalls deshalb keine Vorwürfe machen!“"

“Aber die anderen Herren in den marokkanischen Städten hätten zugeschaut, wären dabei geblieben…“..."

“Liebes, was bist du? Meine Hündin, irgendein Haustier, ein Stück Vieh, oder was?“"

“Ich bin deine Magd," antworte ich mit fester Stimme. "Ich gehöre dir, mein Körper gehört dir, immer und in jeder Lage!"
…“
“Ganz so radikal sehe ich das nicht, mein Mädchen! Du gehörst zu mir, aber du bist kein Stück Vieh. Du bist ein Mensch! Zur Achtung und Wertschätzung deiner als Mensch gehört ein Mindestmaß an Privatsphäre und das ist für mich die Toilette!"
“
Nach einer gedanklichen Pause fügt er noch an:

“Kennst du einen Fall aus deiner Heimat, in dem ein Herr seine Magd heiratet?“"

“Nein, Herr! Vielleicht - eher selten - einer der Söhne des Herrn...“"

“Was empfindest du -… oder besser: Wie fühlst du dich in der jetzigen Situation, Liebes? Du, als meine Magd, heiratest mich, deinen Herrn! Wie siehst du deine Position nach der baldigen
islamischen Zeremonie?“"

“Ich bin und bleibe deine demütige Magd, solange ich lebe, mein Herr! Gleichzeitig deine liebende Frau zu sein ist märchenhaft unwirklich. Ich lebe einen Wachtraum, liebster Herr!“"

Damit umfasse ich, immer noch kniend, die Brust meines Herrn und küsse ihn lange dauernd. Er umarmt mich ebenfalls und beginnt ein Zungenspiel.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel fahren wir mit der Metro zu den Schiffsanlegestellen am Potomac River. Mein Herr kann einfach nicht vom Wasser lassen! Er bucht eine dreistündige Rundfahrt und ich muss ihm Recht geben. Es ist noch einmal ein ganz anderes Gefühl die Skyline aus dieser Perspektive zu betrachten.

“Weißt du, mein Mädchen, dass vor Jahren ein Flugkapitän sein vollbesetztes Passagierflugzeug hier auf das Wasser setzte. Eine Notlandung -– eine fliegerische Meisterleistung!"
“
“Hier in den Fluss?"
“
Ich schaue ihn mit großen Augen an. Das Fliegen erscheint mir auf einmal gar nicht mehr so aufregend.

“Was ist mit den Passagieren?“"

“Alle sind von den Schiffen gerettet worden, Liebes!“"

Ich schaue den Rest der Fahrt nachdenklich auf das Wasser. Allah sei Dank, dass das gut ausging, aber immer hat man bestimmt nicht solch ein Glück!

Wir essen an Bord zu Mittag und fahren nach der Rückkehr von den Anlegestellen zur Liberty. Nach dem Eintritt in die Freiheitsstatue machen wir uns an den Aufstieg zur Aussichtsplattform hinter der Stirn. Danach fahren wir mit der Metro zur Shopping Mall. Bis in die Dämmerung hinein darf ich mich umschauen. Es ist gut, dass mein Herr entschieden hat, hier nichts zu kaufen. Die Auswahl ist so riesig. Ich kann mich einfach für nichts wirklich entscheiden. Wir würden ein Vermögen ausgeben, wenn ich freie Hand hätte...

Nach dem Abendessen schauen wir uns auf dem Zimmer noch ein Video an und legen uns dann wieder aneinander gekuschelt schlafen.

Am nächsten Morgen müssen wir schon packen. Wir nutzen die restliche Zeit, um noch einmal gemeinsam in den Whirlpool zu gehen, frühstücken dann und checken aus. Mit der Metro geht es wieder zurück zum Flughafen. An Bord unseres Flugzeuges gibt es noch einmal fürstlichen Service und ein reichhaltiges, jedoch leichtes Mittagessen. Am Nachmittag New Yorker Zeit -– es ist später Abend heimatlicher Zeit –- landen wir wieder in Deutschland. Gegen Mitternacht Ortszeit sind wir zuhause und noch gar nicht müde! Also greift mein Herr auf das bewährte Mittel 'Gute-Nacht-Video“' zurück. Am frühen Morgen sind wir endlich so müde, dass wir einschlafen.

Gegen Mittag wache ich wieder als erste auf. Wieder zittere ich am ganzen Körper. Ein weiterer Alptraum ängstigt mich. Ich träumte von einer weiten Sandebene mit einer Felswand voraus, auf die mein Herr und ich zuwandern. Obwohl wir zügig gehen, kommen wir nicht näher. Es ist, als ob sie vor uns zurückweicht. Die Sonne brennt erbarmungslos und dort vorne wäre endlich Schatten. Mein Herr gibt mir zu trinken. Die letzten Tropfen aus dem Wasserschlauch!

Plötzlich fährt ein Blitz aus der flammenden Sonne und mein Herr fällt um. Erschreckt rüttele ich an seiner Schulter, aber er bewegt sich nicht mehr. Ich drehe ihn auf den Rücken und versuche, ihn zu beatmen, aber ich schaffe es nicht, Leben in ihn zurückkehren zu lassen. Mich ängstlich umschauend, sehe ich ganz in der Nähe eine Ziege an einem Busch knabbern. Ich suche in den Taschen meines Herrn nach seinem Messer und zerschneide damit meinen Umhang. Aus den Streifen flechte ich schnell eine Leine und binde damit die Ziege an den Busch, den ich von der Wurzel trenne. Ich ziehe meinen Herrn auf den Busch und treibe dann die Ziege Richtung Felswand. Dort im Schatten schaffe ich schließlich, meinen Herrn wieder zu beleben. Dann melke ich die Ziege und wir stärken uns mit der Milch. In dem Moment wache ich auf.

Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Ich küsse meinen schlafenden Herrn und stehe auf, um uns ein Brunch zu bereiten, das Frühstück und Mittagessen verbindet. Durch mein Hantieren in der Küche wacht mein Herr auf und schaut verschlafen in die Küche, was ich dort mache.

“Hey, einen wunderbaren guten Morgen, mein Mädchen! Das sieht ja gut aus, was du da tust!“" lächelt er.

Ich unterbreche kurz meine Vorbereitungen, trete an meinen Herrn heran, nehme seine Hand und berühre damit meine Stirn, während ich einen Knicks mache.

“Ich bin gleich soweit, mein Herr. Mach dich frisch im Bad, dann können wir brunchen.“"

“Rashaaa,"“ erwidert mein Herr gedehnt, aber nicht böse. “Wann ich ins Bad gehe, bestimmst nicht du!“"

“Entschuldige, mein Herr,"“ sage ich mit gesenktem Blick. Und ergänze nach einer Weile:

“Ich habe eine Frage, mein Herr: Was ist, wenn dir irgendwann etwas zustößt?“"

“Wenn ich keine Entscheidungen mehr treffen kann, meinst du? Hab ich einen Unfall erlitten und bin im Krankenhaus, dann verschiebst du richtungweisende Entscheidungen auf später. Bei Anfragen von außen, bittest du um Aufschub. Bei wichtigen Sachen bittest du unseren Rechtsanwalt um Hilfe. Ich arbeite alles dann später auf.
Wenn ich sterben sollte, gehst du ebenfalls zu unserem Rechtsanwalt. Dort liegt ein Brief für den Fall. Den liest du gemeinsam mit dem Rechtsanwalt durch und folgst seinem Rat. Der Mann weiß, was zu tun ist, mein Mädchen. Was ist los mit dir? Hab keine Zukunftsangst!“"
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   So Sep 20, 2015 12:30 pm

“Und wenn ich dich irgendwann pflegen muss, mein Herr?“"

“Dann wirst du einen Pflegedienst beauftragen und diesen Leuten zur Hand gehen. Du wirst dir abschauen, was sie tun und fragen, warum sie es gerade so tun, wie sie es tun. Du wirst lernen an ihre Stelle zu treten und nur noch Rat bei ihnen holen, wenn du nicht mehr weiter weißt!“ antwortet mein Herr, mich ernst anschauend."

Dann macht er einen Schritt auf mich zu, nimmt mich in den Arm und sagt:

“Liebes, ich könnte mir keine bessere Pflegerin vorstellen, als dich! Ich werde in diesem Fall deinen
Anweisungen natürlich Folge leisten! – Sollte all das irgendwann dir zustoßen, werde ich dich ebenfalls liebevoll pflegen – niemals verstoßen oder in ein Pflegeheim abschieben!!“"

Tränen der Rührung laufen mir bei seinen Worten die Wange hinunter. Ich drehe mich in seinen Armen und küsse ihn leidenschaftlich, was mein Herr erwidert. Dann trocknet er mir die Tränen und sagt:

“Hab nicht solch trübe Gedanken! Solange es uns gut geht, sollten wir uns freuen dürfen, Liebes!“"

“Ich habe seit Amerika Alpträume, mein Herr. Alpträume, in denen du mich gegen magische Kräfte beschützt - es zwar schaffst sie abzuwehren, aber dabei dein Leben oder deine Gesundheit verlierst.“"

“Du wirst 'erwachsen', meine Kleine! Du stehst kurz davor, mir vor Allah dein eheliches Treuegelöbnis abzulegen! Das sind Umwälzungen, die du seelisch verarbeiten musst. Und das tust du in deinen Träumen, Liebes! Ich bestimme weiterhin über dich und deinen Lebensweg, aber – die Situation könnte sich durchaus umkehren. Du müsstest die Verantwortung übernehmen, wenn ich es nicht mehr kann. Und sei dir gewiss: Genauso, wie du mir jetzt in Liebe blind vertraust, werde ich dir in dieser Situation vertrauen. Wenn ich kann, werde ich dir dann nur noch Tipps geben, aber keine Anweisungen mehr!“"

Nachdem er mich noch einmal küsste, geht mein Herr ins Bad, während ich die letzten Handgriffe an das Brunch lege und darauf warte, dass er sich setzt.

Den Nachmittag über packe ich den Reisekoffer aus verstaue alles und beginne mit der üblichen Hausarbeit, während mein Herr zur Werft fährt, um sich zu informieren, was in der Zwischenzeit mit dem Schiff geschah und welche Arbeiten noch zu erledigen sind, bevor es wieder ins Wasser gelassen wird. In der restlichen Zeit fährt er täglich auf die Werft und ist von früh Morgens bis spät Abends außer Haus.

Zwei Tage bevor die Abfahrt angesetzt ist - ich will heute mit packen beginnen -– hält vormittags ein LKW vor dem Haus. Zwei Männer und mein Herr steigen aus und tragen ein voluminöses Etwas hoch zu unserem Appartement. Während die beiden Männer damit im Bad verschwinden, schaue ich meinen Herrn fragend an.

“Maus, das soll eine Überraschung für dich werden. Kümmere dich erstmal nicht weiter darum. Ich helfe dir die Seesäcke packen, während die Männer arbeiten und nachher löse ich das Rätsel.“"

“Okay, mein Herr,"“ sage ich gedehnt mit erwartungsvollem Blick.

Wir sind zu zweit schnell fertig und die Seesäcke stehen prall gefüllt mit Kleidung bereit. Dann schaltet mein Herr romantische Musik zum Träumen ein und setzt sich auf die Couch.

“Komm her, Maus. Setz dich an meine Seite,"“ sagt er und legt seinen Arm um meine Schultern, als ich neben ihm sitze. Ich lege meinen Kopf an seine Schulter, schließe die Augen und träume.

Da werden wir von einem der Männer gestört:

“Wir sind soweit, der Herr! Den Funktionstest hat es bestanden. Dürfen wir vorführen?“"

“Wir kommen,“" antwortet mein Herr und steht auf.

Wir gehen ins Bad. Die Wanne ist mit Wasser gefüllt. Aber – ist das überhaupt unsere Wanne? Ich schaue genauer hin, als der Mann etwas einschaltet. Es beginnt zu sprudeln!

Spontan hänge ich am Hals meines Herrn und verteile Küsse in seinem ganzen Gesicht, während die Männer feixen und sich diskret verabschieden. Als die Männer gegangen sind, stellt er mich wieder auf meine Füße und fragt:

“Möchtest du die Wanne ausprobieren?“"

So schnell war ich noch nie nackt und im Wasser! Mein Herr reicht mir Badezusatz und Öle und beginnt sich nun ebenfalls auszuziehen.

Im Wasser nimmt er mich mit beiden Händen an der Taille und bedeckt meinen Oberkörper mit verlangenden Küssen, die mich inmitten der Sprudel erregen. Ich setze mich breitbeinig auf seine Oberschenkel.

Am nächsten Tag fahren wir in aller Frühe auf die Werft, denn unser Schiff soll gleich zu Arbeitsbeginn von einem Kran ins Wasser gesetzt werden. Während ich mich im Hintergrund halte und zuschaue, nimmt mein Herr beherzt das Tau in die Hand, mit dem er unser Schiff in der Luft dreht und schließlich an der Kaimauer festmacht.

Ein Werftarbeiter springt an Bord und wirft meinem Herrn ein weiteres Tau zu, das er gekonnt auffängt und das Schiff auch achtern befestigt. Ein weiterer Werftmitarbeiter schiebt die Laufplanke an Bord und schon verschwindet eine Arbeitsgruppe unter Deck, um Dichtigkeitsprüfungen und andere letzte Arbeiten zu erledigen.

Wir bringen in der Zwischenzeit unsere Seesäcke an Bord. Während ich unsere Kabine wohnlich mache, macht mein Herr einen Rundgang über das ganze Schiff und überprüft alle Veränderungen. Er bespricht sich mit dem dazu gekommenen Ingenieur und zeichnet die Auftragsliste ab. Danach verlässt er noch einmal das Werftgelände und kommt wenig später mit einem LKW zurück. Der Fahrer des LKWs hilft meinem Herrn Wolle, Farben und anderes an Bord zu schaffen und verabschiedet sich als auch schon der Koch mit einem Lieferwagen eintrifft.

Mein Herr hilft unserem Koch die mitgebrachten Lebensmittel an Bord zu bringen und teilweise in der Kühlung zu verstauen, dann nehme ich meine Arbeit als Beiköchin wieder auf und wir zaubern für uns Drei eine gute Mahlzeit.

Am nächsten Tag in aller Frühe sind auch die restlichen Besatzungsmitglieder an Bord und wir fahren an einen Landungssteg in der Innenstadt, wo die Wissenschaftler, mit denen mein Herr zusammenarbeitet zu einem letzten Gespräch an Bord kommen. Endlich fahren wir am Nachmittag Richtung Flussmündung. Hinter der letzten Brücke lässt mein Herr den Mast in den Köcher versenken und auftakeln. Eine frische Brise bestärkt ihn darin, jetzt schon die Segel setzen zu lassen. Er schaltet den Motor aus und schon gleiten wir vom Wind getrieben durch die Wellen.

Diesmal geht es nach Norden und dann zwischen Schottland und Island vorbei nach Kanada hinüber, um von dort nach Auffrischen unserer Vorräte zurück nach Portugal zu segeln. Wieder wird wissenschaftlich genau die Meeresverschmutzung durch Plastik registriert. In Portugal nimmt mein Herr noch ein Dutzend Schafe für Papa an Bord und einen Tag später brechen wir auf in meine Heimat.

Wieder steuert mein Herr die Stadt in der Nähe meines Heimatdorfes an und wandert mit mir durch den Souk, um mich für unseren Ehrentag einzukleiden. Ich entdecke ein paar wunderschöne, aber einfache Sachen. Mein Herr nickt, schaut sich aber noch weiter um. Dann fragt er mich, was ein Bräutigam in Landestracht anzieht und ich zeige ihm einige ähnlich schöne, aber einfache Kleidungsstücke. Auch jetzt nickt mein Herr und schaut sich weiter um. Dann verlassen wir den Händler, um uns bei Konkurrenten umzusehen.

Schließlich entscheidet sich mein Herr für einen der Händler und lässt sich dort für sich und mich festliche Kleidung der einfachen, mittleren und gehobenen Preisklasse zeigen. Staunend schaue ich meinen Herrn an, als er sich für die gehobene Preisklasse entscheidet. Wieder fragt er nach Sachen aus diesem Preissegment, die preiswert, mittel und teuer sind.

Der Händler wird immer unterwürfiger. Die Phantasietitel, mit denen er meinen Herrn bedenkt, werden immer höher. Dann entscheidet sich mein Herr für das zweitteuerste, was er in diesem Geschäft findet…...

Es ist aber auch ein Traum! Ich zittere am ganzen Körper, als er verlangt, dass ich es anprobieren soll. Wir gehen in ein Hinterzimmer und auch er probiert seine Neuerwerbung an. Dann hat mein Herr plötzlich an der Passform etwas auszusetzen und verlangt, dass der Händler uns einen großen Preisnachlass gibt. Der Mann kommt meinem Herrn natürlich etwas entgegen. Nach einer halben Stunde messen, ändern und feilschen haben wir die schönsten Gewänder, die jemals ein Brautpaar in unserem Dorf getragen hatte.

Auf dem Rückweg zum Schiff hätte ich mich glatt verlaufen, wenn mein Herr mich nicht so gut geführt hätte. Ich bin zur Zeit unfähig einen einzigen klaren Gedanke zu fassen. Endlich sind wir an Bord zurück. Im Vorbeigehen will mich der Koch ansprechen, wie mein Herr mir später sagt, aber ich bemerke es gar nicht.

“Lass’ sie, Josef! Sie ist heute nicht mehr ansprechbar,“" sagt mein Herr schmunzelnd.

Auf den offenen Mund und das große Fragezeichen im Gesicht hin, öffnet ihm mein Herr den Karton einen Spaltbreit und sagt nur das eine Wort 'Hochzeitskleid'“, worauf der Koch verstehend grinst.

Am nächsten Tag organisiert mein Herr zwei LKW, um die kleine Schafherde, sowie die Wolle und das Farbpulver in mein Heimatdorf transportieren zu können. Nachdem alles verstaut ist starten wir die Fahrt über die Sand- und Geröllpiste der Küstenstraße und in einem Kleinbus schaukelt die Mannschaft hinterher. Zwei Mann müssen als Bordwache zurückbleiben, aber einer der Männer will die Feierlichkeiten filmen, damit sie sie später am Bildschirm miterleben können.

Am frühen Nachmittag kommen wir im Dorf unter großem Hallo an. Die LKWs werden abgeladen und ein großes Palaver wird abgehalten. Es gibt viel zu erzählen. Bei Tee, Hammel und Fladenbrot sitzen die Männer bis tief in die Nacht beisammen. Wie ich höre, waren die Kreuzungsversuche erfolgreich. Papas Herde ist wieder angewachsen und die Wolle ist die beste des ganzen Dorfes. Papa wurde zum angesehenen Mann im Ort.

Bei Anbruch der Abenddämmerung isolieren Mama und meine Tanten mich von den Männern. Ich werde mit Pflegeölen eingerieben und muss in Tücher gehüllt schlafen. Am nächsten Morgen weckt man mich schon bei Sonnenaufgang, um mich von oben bis unten mit kunstvollen Mustern mit Henna zu bemalen. Als Mama mein Gewand aus dem Karton zieht, stößt sie einen spitzen Schrei aus. Zwei meiner Tanten müssen sie stützen, da ihre Knie versagen. Alle machen sie große Augen und können es nicht erwarten, mich in dem Gewand zu sehen.

Draußen sind die Vorbereitungen auch bald abgeschlossen. Das Fest beginnt. Frauen und Männer feiern den ganzen Tag getrennt voneinander. Die Männer bereden das Geschäftliche noch abschließend. Zwischendurch flüstert mein jüngster Bruder meinem Papa im Auftrag von Tante Hikmet die Überraschung zu, die Mama und meine Tanten in den Zimmern der Frauen erlebt haben. Die Gesellschaft wird daraufhin ausgelassener.

Am Abend schließlich, nach der Hitze des Tages, werde ich tief verschleiert hinzu geführt und der Mufti unseres Dorfes spricht die Segensworte über uns. Während die Gäste noch bis in den Morgen durchfeiern, ziehe ich mich mit meinem Herrn in einen besonders schön mit Wandteppichen geschmückten Raum im Haus meiner Eltern zurück.

“Herr, du hast doch dieses Schweizer Messer immer bei dir, mit den vielen Werkzeugen dran?“"

“Ja, Liebes?"
“
“Du musst mich verletzen! Du musst mich leicht ritzen! Dann lege ich dieses weiße Tuch hier auf die Wunde, um es morgen früh meiner Mama übergeben zu können…“."

“Ah, mein Mädchen, der Jungfrauentest! Nein, ich habe dir versprochen, dir niemals zu schaden! Ich verbiete dir auch, dich selbst zu ritzen!“"

Ich höre die Worte meines Herrn und verstehe sie nicht. Ich bin den Tränen nahe. Was mache ich hier eigentlich? Ich habe das Gefühl, aus einem Traum zu erwachen -– unsanft auf dem Boden der Realität aufzukommen. Ich würde morgen früh mit Steinwürfen aus dem Dorf gejagt.

“Liebes,"“ höre ich die Stimme meines Herrn wie durch eine Wand an mein Ohr dringen.

“Schau mal. Reicht das deiner Mama?"
“
Zweifelnd schaue ich zu meinem Herrn auf. Er hat das Tuch aus dem Bett genommen, irgendwas damit gemacht und hält es mir jetzt hin. Ein unregelmäßiger roter Fleck prangt auf dem Tuch!

Mein Herr nimmt gerade die Rolle Pflaster aus der Box in seiner Tasche, schneidet sich ein Stück ab und klebt es sich auf seinen Unterschenkel.

“Herr, du erhältst mir meine Ehre mit Deinem eigenen Blut?!"“ stelle ich ungläubig fest.

“Der einzige für mich akzeptable Ausweg, Liebes!“"

Spontan falle ich meinem Herrn um den Hals, so dass wir beide zu Fall kommen und im Bett landen. Mein Herr kennt diese Attacken und lacht nur. Er dreht sich zur Seite und ich rutsche von ihm herunter. Eine ganze Zeit bedecke ich meinen Herrn mit Küssen, währenddessen er versucht, sich und mich auszuziehen, ohne die Gewänder einzureißen.

Es wird eine wilde und glückliche Nacht, bis wir eng aneinander gekuschelt einschlafen.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Di Sep 22, 2015 10:01 am

Am Morgen des nächsten Tages werde ich als Erste wach. Mein Herr schlummert noch tief und fest. Auch ich mag noch nicht aufstehen und bette meinen Kopf auf seine Brust. Wenig später jedoch höre ich, wie Mama aufsteht, um das Feuer im Ofen an zu machen und den Fortlauf des Festes vor zu bereiten. Dabei streicht sie öfter an unserem Zimmer vorbei.

Natürlich weiß ich, worum es ihr geht und stehe nun doch langsam auf. Als sie das nächste Mal an unserem Zimmer vorbei kommt, reiche ich ihr das Tuch heraus. Sie verharrt einen Moment und lässt dann ihren Freudentriller erschallen, der das ganze Haus weckt. Auch mein Herr reibt sich die Augen.

“Guten Morgen, mein Herr,“" sage ich lächelnd, knie mich vor das Bett und gebe ihm einen heißen
Guten-Morgen-Kuss.

“Guten Morgen, Maus. -– Ist ja schon mächtig was los draußen,“" antwortet er lächelnd.

“Ja, das ganze Dorf weiß bald von der erfolgreichen Hochzeitsnacht, Herr!“"

Mein Herr schwingt die Füße aus dem Bett und setzt sich auf die Bettkante.

“Siehst du, Liebes, es gibt gerade Wege zum Ziel oder Umwege, aber unsere Ziele werden wir immer erreichen, Liebes. Und zwar, ohne dass du dadurch Schaden nimmst!“"

Ich gebe ihm dankbar einen zarten Handkuss und berühre mit seiner Hand meine Stirn.

Mein Herr streicht mir sanft über mein Haar, drückt mich zärtlich und sagt:

“Komm, Liebes, machen wir uns fertig und nehmen an deinem Fest wieder teil!“"

Der Tag vergeht wie im Flug. Immer wieder wird etwas aufgetischt, dazwischen Tee getrunken, erzählt und gescherzt. Am Nachmittag führen die Jungs des Dorfes einen Wettkampf im Kamelreiten vor. Es darf auf den Sieg gewettet werden. Onkel Yussuf gewinnt. Nach einer weiteren Nacht im Haus meiner Eltern, machen wir uns am Vormittag auf die Rückfahrt zum Schiff. Meine Familie begleitet uns und verabschiedet sich lautstark, als mein Herr ablegen lässt.

Ich verpacke die Festgewänder in Plastikfolie und verstaue sie hängend in unserem Schrank. Sie sollen mich zeitlebens an die schönsten und emotionalsten Tage meines Lebens erinnern! Dann nehme ich den Küchendienst wieder auf. Der Alltag hat mich wieder.

Trotzdem bin ich sehr glücklich mit meinem Schicksal! Jeden Morgen bei Sonnenaufgang gehe ich an Deck und danke Allah, dass er mir diesen Herrn gesandt hat und nicht zugelassen hat, dass ich in die Stadt vermittelt wurde. Gleichzeitig bitte ich ihn im Gebet darum, das Schicksal meiner beiden Schwestern in der Stadt nicht zu hart sein zu lassen und bitte ihn, auf meinen Herrn aufzupassen und ihm einen Engel zu schicken, der auf ihn achtet.

Ob nun Schönwetter-Wolken am Himmel schweben oder sich Wolkentürme aufbauen, ob das Schiff ruhig dahin gleitet oder sich über Wellenberge kämpft, mein Gebet ist mir wichtig!

An einem Morgen werde ich doch von einer seitlichen Welle überrascht und umgeworfen. Zum Glück hat der Steuermann das beobachtet und ist sogleich bei mir.

“Hast du dir weh getan, Rasha?“"

“Nicht so schlimm, Herr Schneider.“"

“Du musst einen Lifebelt hier oben tragen, wenn das Schiff so stampft! Klinke den Karabinerhaken ständig irgendwo ein, hörst du?!"
“
“Ja, Herr Schneider. Können Sie mir einen geben?“"

“Natürlich, komm mit ins Steuerhaus.“"

Dort schnalle ich mir einen Gürtel um, an dem ein kurzer Strick hängt mit einem Karabinerhaken. Wieder draußen, hangele ich mich an den horizontalen Leinen entlang auf Deck, klinke mich ein und bete wie gewohnt auf Knien mit tiefen Verbeugungen mein Morgengebet. Auf meinen Rückweg zum Niedergang ruft mir der Steuermann noch zu:

“Nimm den Lifebelt mit und nutze ihn an Deck am besten bei jedem Wetter, Rasha! Man weiß ja nie…“..."

“Mach ich, Herr Schneider,"“ rufe ich zurück und klettere dann unter Deck.

Süß, wie alle um mich besorgt sind! Aber ich nehme mir den Rat zu Herzen.

Wir segeln von Marokko erstmals hinüber nach Südamerika und von dort zurück nach Südafrika, um auch die Verschmutzung des Südatlantiks zu erforschen. Von Namibia segelt die Crew nach Patagonien und von dort die unendliche Strecke nach Zentralafrika. Bevor wir die afrikanische Küste erreichen nach einem halben Jahr auf See, passiert etwas außergewöhnliches.

Mein Herr hat gerade Wache. Ich bereite in der Küche das Mittagessen vor, als die Stimme meines Herrn durch die Bordsprechanlage ertönt:

“Alle Mann an Deck! Aber wirklich alle ohne Ausnahme! Alle Segel bergen so schnell es geht!“"

Während Fußgetrappel durch das Schiff hallt und die Niedergänge hinauf, schaue ich fragend den Koch an, der sich ebenfalls Lifebelt und Schwimmweste anlegt.

“Nein, Rasha! Du bleibst hier und übernimmst auch meine Arbeit! Aber arbeite möglichst einhändig! Halte dich mit der freien Hand fest oder stütz dich ab und halte dich vom Herd fern!“"

Mit den Worten schaltet er alles ab und läuft den anderen hinterher. Als das Schiff sich scheinbar um seine Hochachse zu drehen scheint, ich mich beidhändig festhalten muss und die vorbereiteten Lebensmittel durch die Kombüse fliegen, hangele ich mich doch den Niedergang zum Steuerhaus hinauf. Bei meinem Herrn fühle ich mich sicherer...
…
Das Steuerhaus ist leer! Das Haspel ist mit einer Sperre blockiert, der Motor eingeschaltet und der
Maschinentelegraf steht auf “VOLL ZURÜCK“!" Das Meer ist in totalem Aufruhr! Riesige Wellenberge
kommen von vorne, die erst langsam niedriger werden. Meinen Herrn sehe ich draußen den Männern helfen.

Ich muss mich breitbeinig hinstellen und mit beiden Händen festhalten. Was war das nur?

Dann sind die Segel versorgt, die Männer klopfen sich gegenseitig auf die Schultern und scheinen miteinander zu scherzen. Mein Herr kommt ins Steuerhaus zurück und sieht mein fragendes Gesicht mit den angstvoll geweiteten Augen. Er streichelt mir zärtlich über die Wange und sagt mit sanfter Stimme:

“Keine Angst, Maus. Es ist vorbei. So etwas erlebt man vielleicht einmal im Leben. Es muss ein Erdrutsch auf dem Meeresboden gewesen sein.“"

Mein Gesicht muss wohl vollkommenes Unverständnis anzeigen, denn er schaltet erstmal den Motor aus und setzt sich dann an den Kartentisch. Mein Herr nimmt zwei Blatt Papier und hält sie mir horizontal übereinander hin.

“Schau mal, Maus. Dies hier symbolisiert die Meeresoberfläche und dieses den Meeresboden. Wir befinden uns nicht mehr über der Tiefsee. Unter uns ist eine Schlucht. Wenn die Hänge der Schlucht abrutschen folgt das Wasser darüber der Erde. Es entsteht ein Loch in der Wasseroberfläche – ein tiefes Wellental. Da hinein fließt das umgebende Wasser und zieht weiteres Wasser nach. Wo eben noch ein tiefes Wellental war, entsteht nun ein großer Wellenberg, der zwar wieder in sich zusammenfällt, aber dann entsteht dort wieder ein kleinerer Wellenberg und so fort. Ozeanriesen macht es nichts aus, da hindurch zu fahren. Nussschalen wie wir könnten kentern, also hieß es für mich, schnellstmöglich die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen und das Schiff mit dem Bug auf das Phänomen zu richten, damit uns die Wellen nicht seitlich erfassen.“"

“Oh,"“ sage ich nur, da mir immer noch der Schreck in den Gliedern steckt.

“Magst du eher bei mir Schutz suchen oder in der Kombüse dich auf andere Gedanken bringen, Maus?"“ fragt mein Herr in die Stille hinein.

“Oh weh, die Kombüse, Herr.“"

Ich falle vor meinem Herrn auf die Knie.

“Ich habe meinen Platz verlassen, entschuldige, Herr. Dort muss ich jetzt wohl alles säubern und von vorn anfangen."
“
Mein Herr fasst mich an den Schultern, zieht mich hoch und stellt mich wieder auf die Füsse.

“Liebes, ich verstehe dich. Du wärst unter Deck vor Angst gestorben, weil du nicht weißt, was hier oben los war. Ich bin dir also nicht böse, aber geh nun und helfe dem Koch!“"

Ich küsse die Hand meines Herrn, werfe ihm einen dankbaren Blick zu und beeile mich wieder in die Kombüse zu kommen. Wortlos nehme ich Eimer, Schaufel und Handfeger, um die Lebensmittel, die der Koch inzwischen zusammengefegt hat zu entsorgen. Dann beginnen wir beide wieder von vorne.

In der darauf folgenden Nacht bewegt sich mein Herr so komisch im Schlaf. Er hat Zuckungen, als träumte er schlecht. Das hatte er zwar immer wieder mal und sagt anderentags, dass er sich nicht an einen Traum erinnern kann. Er schliefe immer tief und traumlos. Aber diesmal ist es besonders ausgeprägt.

In der darauffolgenden Nacht weckt ihn der Steuermann um halb drei, weil das Anlegemanöver bevorsteht.

Ich bin froh, dass er scheinbar wohlauf ist!

Noch vor der Morgendämmerung legen wir an und der Koch geht mit drei Mann Lebensmittel kaufen, während mein Herr mit dem wissenschaftlichen Institut in der Heimat Kontakt aufnimmt, um die Daten von dem Erdrutsch am Meeresboden durch zu geben. Dort ist man teils begeistert, teils erleichtert über den Ausgang des Abenteuers.

Am Nachmittag starten wir wieder mit Kurs auf die Azoren und von dort in einem weitläufigen
Zickzack-Kurs nach Cornwall, wo wir uns nur kurz aufhalten, um dann durch den englischen Kanal, an den west- und ostfriesischen Inseln am Horizont vorbei unseren Heimathafen zu erreichen. Ein gutes Jahr sind wir jetzt auf See gewesen, so dass mein Herr der Mannschaft wieder sechs Wochen Urlaub genehmigt.

Wir fahren mit den wissenschaftlichen Ergebnissen der Meeresverschmutzung am nächsten Tag zum Institut -– oder besser -– wir wollen das tun, weil unser Ankunftstag gestern ein Sonntag war. Mitten in der Stadt änderte sich aber plötzlich alles.

In einer lang gezogenen Kurve zwischen den Häusern sackt mein Herr am Steuer zusammen. Der Motor heult auf. Ich bin starr vor Schreck. Zweimal knallt es, irgendetwas fliegt durch die Luft, dann ist alles totenstill.

Ich kann mich nicht mehr bewegen, bin total eingeklemmt. Ich rufe nach meinem Herrn, der bewegungslos neben mir sitzt, aufrecht gehalten durch das Steuer, das weit in den Innenraum hineinragt. Als er nicht mehr antwortet, verliere ich jeden Lebensmut und klage leise vor mich hin.
Eine Ewigkeit scheint vergangen, als Sirenengeheul ertönt und unverständliche Kommandos gerufen werden.

Dann bewegt sich das Auto meines Herrn wieder unter schrillem Quietschen. Jemand schlägt die Seitenfenster ein und legt Decken über meinen Herrn und mich. Schließlich wird es wieder hell. Man biegt das Dach nach oben weg und zieht uns Motor und Vorderachse von den Beinen weg. Während ich sofort auf eine Trage gelegt und in einen Krankenwagen geschoben werde, der sogleich unter Sirenengeheul startet, sehe ich noch, dass man sich an Ort und Stelle um meinen Herrn bemüht.

Etwa drei Tage muss ich auf der Intensivstation der Uniklinik verbringen, dann darf ich auf ein normales Krankenzimmer. Man hat mir beide Arme und das linke Bein eingegipst. Ich nerve die Krankenschwestern inzwischen mit meinen Fragen nach meinem Herrn, aber sie sagen, sie wüssten nur, dass er in einem anderen Krankenhaus liegt, operiert werden musste und immer noch auf der Intensivstation liegt. Aber er lebt!

Schlimmer ist, dass dieses Etwas, dieses Schemen, das ich wegfliegen sah beim Aufprall eine gleichaltrige junge Türkin war, die dort mit ihrem Mann ging, mit dem sie gerade erst drei Monate verheiratet war. Ihr Mann konnte auf Seite springen. Die junge Frau ist nun tot. Da ich nur noch stumm vor mich hin gucke aus leer geweinten Augen, nicht recht essen kann, holt man eine Psychologin, die mir versucht zu erklären, dass alles Kismet ist, das kein Mensch je wollte und auch niemand beeinflussen konnte. Ich solle schnell wieder am Leben teilnehmen, denn ich müsse möglicherweise stark sein, wenn ich meinen Mann liebe, um ihn versorgen zu können. Ich frage sie, ob sie eine muslimische Kollegin hätte, was sie bejaht.

In den folgenden Tagen arbeitete ich mit ihrer türkischen Kollegin in langen Gesprächen den Schock auf und sie bestärkt mich darin, im täglichen Gebet mit Allah Seelenfrieden zu finden. Mit ihr kann ich auch über mein Leben sprechen. Sie ist gar nicht erstaunt über meine Beziehung zu meinem Herrn. Sie ist eher erfreut darüber, dass ich solch einen einfühlsamen Herrn gefunden habe, bezeichnet ihn als mein Glück und dass ich mein Augenmerk in Zukunft noch intensiver auf das Glück meines Herrn richten soll. Allahs Engel müssen uns wohl schon seit Jahren begleiten.

Dann werde ich endlich entlassen und kann meinen Herrn besuchen. Ich treffe ihn in einem Mehrbettzimmer mit fünf anderen kranken Männern.

Er liegt auf der Seite im Bett und liest irgendein Magazin, als ich eintrete. Ich gehe langsam näher und schaue ihn unsicher an. Er schaut auf und lächelt sein schönstes Lächeln, als er mich erkennt. Während er sich aufsetzt, gehe ich vor seinem Bett auf die Knie und kann minutenlang nichts sagen. Unter Tränen umarme ich ihn und küsse ihn auf Wange und Ohr.

“Hey, Maus, nicht so fest,"“ lacht mein Herr. “Ich hatte fünf gebrochene Rippen!“"

“Oh, entschuldige, Peter,"“ ich gehe unsicher etwas auf Abstand.

“Möchtest du einen kleinen Spaziergang mit mir machen?"“ fragt er mich.

“Aber ja, gerne!"“ strahle ich ihn an.

Mein Herr streift sich Pantoffeln an, nimmt zwei Krücken und geht zu einem Schrank. Er zieht sich dort einen Bademantel an und wendet sich dann wieder zu mir.

“Kannst du mir beim nächsten Besuch Hose und Hemd, sowie Unterwäsche mitbringen, Liebes? Die haben mich regelrecht aus meinen Sachen geschält - mit der Schere - nach dem Unfall."
“
“Aber natürlich mache ich das!“" antworte ich mit fester Stimme.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Do Sep 24, 2015 10:21 am

Wir gehen langsam durch die Gänge und setzen uns in eine Sitzgruppe am Fenster. Mein Herr nimmt spontan meine Hand und küsst mir den Handrücken. Ich will schnell die Hand zurückziehen, wage es aber nicht, weil er mir dabei in die Augen schaut.

“Danke, Liebes. Weißt du, was passiert ist? Ich habe keine Erinnerung…“..."

Ich rücke dicht neben meinen Herrn und lehne mich an ihn.

“Herr, viel kann ich nicht sagen, ich hatte einen Schock,"“ antworte ich und spüre, dass meine Augen feucht werden.

Mein Herr legt seinen Arm um meine Schultern.

“Dann sage jetzt nichts dazu! Verschieben wir es eben auf später, mein Mädchen.“"

Wir sitzen still nebeneinander. Mein Herr streichelt sanft meine ihm abgewandte Schulter, auf der seine Hand liegt. Meine Finger wandern zaghaft zu seinem Oberschenkel und ich streichele nun meinerseits meinen Herrn, während ich meinen Kopf leicht an seine Brust anlehne. So sitzen wir eine ganze Weile. Leuten, die uns dort sitzen sehen, umspielt ein feines Lächeln die Lippen.

“Hauptsache, wir haben die Sache überstanden, Liebes!"“ stellt mein Herr fest und ergänzt leise:
“Weißt du, ich kann mich nur erinnern, dass ich Auto gefahren bin und im nächsten Moment liege ich, nur mit so einem OP-Hemd bekleidet, in einem Bett. Jede Menge Kabel gehen von mir zu einem Ding, wie ein Schaltschrank, neben dem Bett und irgendetwas tröpfelt über einen Schlauch in meinen Arm. In dem Moment kommt ein Gesicht in mein Blickfeld und sagt mir, dass ich auf der Intensivstation eines kirchlich geführten Krankenhauses liege. Dass wir einen Unfall hatten, ich über vier Stunden operiert wurde, vier Tage seitdem vergangen sind und du in einem anderen Krankenhaus liegst.“"

Ich gebe ihm spontan einen Kuss auf die Wange, sage aber nichts.

“Man konnte oder wollte mir über deinen Gesundheitszustand nichts sagen, Liebes. Ich stand so unter Medikamenten, dass mir alles egal war. Ich hatte das Gefühl, in Watte gepackt zu sein, zu schweben, oder so.
Dann bin ich wieder eingeschlafen und als ich wieder wach wurde, waren wieder drei Tage vergangen. Man hat mich wohl wieder in Narkose versetzt und beim Wachwerden, spürte ich, dass man mir Schläuche aus der Nase zog. Man hatte mich künstlich beatmet mit irgendeinem Medikament für die Lunge, da ich auf der Intensiv eine Lungenentzündung bekam. Danach blieb ich noch drei Tage da und kam dann auf dieses Krankenzimmer, das so genannte Knochenzimmer. Da liegen nur 'Knochenbrüche'.“"

“Weißt du schon, wann du entlassen wirst, Herr?"“ flüstere ich.

“In zwei Wochen wollen sie mit Krankengymnastik anfangen. Wenn alles gut geht, darf ich dann eine Woche darauf nach Hause, Maus."
“
Ein Glücksgefühl steigt in mir hoch bei dieser Antwort. Ich küsse meinen Herrn auf den Mund. Dann steht er auf und wir gehen langsam zur Eingangshalle des Krankenhauses. Dabei zeigt mir mein Herr, wie gut er schon gelernt hat, mit den Krücken zu laufen:

Er nimmt den Stock der einen Krücke in die andere Hand und hält sich mit der nun freien Hand am
Treppengeländer fest. Dann nimmt er Stufe für Stufe, während ich langsam neben ihm hergehe. Ich
bezweifele aber, ob ich ihn bei einem Fehltritt auffangen hätte können.

An der Tür nimmt mich mein Herr noch einmal zärtlich in den Arm, nachdem er die Krücken in Reichweite in eine Wandecke gelehnt hat.

“Ich liebe dich, mein Mädchen. Nein, das ist zu schwach: DICH liebe ich, Maus. Du bist mein wertvollster Besitz, das beste was mir je passiert ist!! Komm gut nach Hause, sei vorsichtig und besuche mich bald wieder."
“
“Ich liebe dich auch, mein Herr,"“ flüstere ich zwischen Küssen. “Allah sei Dank, dass er mir DICH gesandt hat! -– Morgen bin ich wieder da und bringe dir etwas zum Anziehen mit!“"

“Auf Wiedersehen, mein Schatz!“"

"Auf Wiedersehen, mein Herr!"
“
Mit den Worten verlasse ich das Krankenhaus. Auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle drehe ich mich noch mehrmals um und sehe meinen Herrn immer noch im offenen Eingang stehen und mir nachblicken.

Kurz bevor ich um eine Häuserecke biege, winke ich ihm noch ein letztes Mal zu. Mir will einfach nicht sein letztes Wort aus dem Kopf gehen. Seinen Schatz hat er mich genannt! Weder “Rasha“", noch “Maus“", oder “Liebes"“, oder “Mein Mädchen"“, sondern “Mein Schatz"“ hat er gesagt!

Reifen quietschen! Oh, Schreck! Ich habe gar nicht mehr auf meine Umwelt geachtet! Ich sollte doch vorsichtig sein, sagte mein Herr zum Abschied!

“Mein Schatz“" hat er gesagt, “mein Schatz"“ hat er mich genannt…...

Irgendwie komme ich zuhause an. Ich bin heute zu nichts mehr zu gebrauchen. Hunger habe ich gar keinen. –Ich lasse mich auf die Schlafcouch meines Herrn fallen, schaue an die Decke und beginne zu träumen. Als es dunkel wird, rolle ich mich auf der Seite liegend zusammen und umfasse eins der Rückenkissen der Couch.

So verbringe ich die Nacht in einem unruhigen Wechsel zwischen schlafen und wachen. Oh Herr, wärst du doch jetzt bei mir!

Am folgenden Vormittag bin ich völlig übermüdet und gerädert. Ich mache mir einen Tee und packe eine Reisetasche mit Kleidungsstücken und Waschzeug für meinen Herrn. Auf dem Weg ins Krankenhaus kaufe ich mir in einem Schnellimbiss ein Fischbrötchen, das ich unterwegs schnell esse.

Bald darauf öffne ich die Tür des Krankenzimmers und sehe meinen Herrn wieder im Bett lesen. Er schaut auf und lächelt mich glücklich an. Schnell bin ich bei ihm und begrüße ihn stürmisch, ohne auf die anderen Patienten im Zimmer zu achten.

“Hey, Liebes. Vergesse nicht meine frisch verheilten Rippen,“" sagt mein Herr lachend und öffnet die
Reisetasche.

Er nimmt sich Unterwäsche, Strümpfe und einen Schlafanzug heraus, geht damit in die Toilette und zieht sich an. Den Rest hängt er in seinen schmalen Schrank und zieht sich noch den Bademantel über, dann verlassen wir das Zimmer.

“Weißt du was, mein Mädchen, wir gehen ein wenig durch den Park im Innenhof spazieren. Das wäre das erste Mal seit langem an der frischen Luft!"
“
“Gerne, mein Herr,"“ flüstere ich, während wir zum Hinterausgang gehen.

Draußen machen wir eine kleine Runde, dann setzt sich mein Herr auf eine Bank.

“Rasha, du musst zuhause verschiedenes für mich erledigen. Geh zum Einwohnermeldeamt und hole dort einen Antrag auf einen neuen Ausweis. Sag auch, dass ich einen neuen Führerschein brauche und andere Papiere. Geh dann zu unserer Bank und beantrage eine neue EC-Karte und zum Büro unserer Krankenkasse für neue Krankenkassenkarten. Mach das alles auch für dich, soweit dir was fehlt. Bei dem Unfall ist ja alles vernichtet worden, was ich dabei hatte. Schaffst du das ohne mich, mein Schatz?“"

“Ich werde es versuchen, liebster Herr!"“ sage ich und küsse ihn bis ich atemlos bin. “Man wird mir dort sicher helfen!"
“
“Das denke ich auch! Für meine Unterschrift bringst du die Formulare her, dann haben wir wieder alles, wenn ich hier entlassen werde, Liebes.“"

Er nimmt mich in den Arm und ich bette wieder meinen Kopf an seiner Brust. So sitzen wir eine ganze Weile stumm und glücklich nebeneinander, froh dem anderen so nah sein zu können. Erst nach einer ganzen Weile erst sagt mein Herr wieder etwas.

“Komm, mein Schatz, wir gehen ins Restaurant Mittagessen!"
“
Wir stehen auf und gehen langsam zum Restaurant und stellen uns dort in die Schlange zur Essenausgabe. Dann setzen wir uns an einen Tisch zu anderen Patienten und deren Besuch. Später gehen wir noch etwas spazieren, um uns am Nachmittag voneinander zu verabschieden. Betrübt über die Trennung gehe ich nach Hause und am nächsten Tag mache ich die Behördengänge.

Es ist schon Nachmittag, als ich meinen Herrn wieder sehe, um ihm die Formulare zur Unterschrift
vorzulegen. Er freut sich über die Wissenschaftsmagazine, die ich ihm mitbringe. Dann gehen wir zu Kaffee und Kuchen ins Restaurant und danach wieder zu einem Spaziergang durch den Park, den ich sehr genieße, weil ich dann mit meinem Herrn allein sein kann. So vergehen die Wochen bis mein Herr entlassen wird.

Die Krücken soll er weiterhin nutzen und regelmäßig einmal in der Woche Krankengymnastik machen. Ein halbes Jahr ist er krankgeschrieben. Die nächste Reise wird unser Steuermann Herr Schneider als Schiffsführer leiten!

Mein Herr ist betrübt, vorerst nicht mehr zur See fahren zu können. Aber was den Unfall letztlich verursacht hat, steht ja auch noch nicht fest. Er soll sich von einem Neurologen untersuchen lassen, sagte man ihm im Krankenhaus. Aber bevor er zu einem ersten Untersuchungstermin gehen kann, bekommen wir einen Brief von der Staatsanwaltschaft. Sie haben Ermittlungen aufgenommen wegen fahrlässiger Tötung gegen meinen Herrn. Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, was ich schemenhaft miterlebte und mit der Psychologin in langen Gesprächen verarbeitet zu haben glaubte.

Ich erzähle meinem Herrn, was ich darüber weiß, dann ruft mein Herr seine Rechtschutzversicherung an, wo man ihm empfiehlt einen Anwalt zu nehmen.

Der Anwalt lässt sich das Dürftige, das mein Herr weiß, erzählen und beginnt seine Arbeit.

Mein Herr geht zur Krankengymnastik und sitzt sonst zuhause herum. Bald kümmert er sich auch um unser Essen, um sich zu beschäftigen. Ein paar Tage später, er ist gerade zwei Wochen zuhause, höre ich dumpfes Poltern in der Küche. Da ich gerade im Bad bin, dauert es etwas, bis ich in der Küche nachschaue.

Ein Schrei verlässt meine Kehle, dann weine ich und beuge mich über meinen, am Boden liegenden Herrn. Ist er bewusstlos oder tot?

Ich wage es nicht, näher heran zu gehen und laufe ins Treppenhaus. Ich klingele bei der Nachbarin über uns Sturm und versuche ihr zu sagen, was los ist. Sie ruft sofort den Rettungsdienst und folgt mir dann in unsere Wohnung.

Aber auch sie macht nicht viel. Sie fühlt nur den Puls und redet dann beruhigend auf mich ein. Da ich am ganzen Körper zittere und leicht schwanke, nimmt sie mich in den Arm. Da hören wir schon eine Sirene und wenig später sind die Männer in der Wohnung, untersuchen kurz und schnallen meinen Herrn auf der Trage fest. Die Nachbarin fragt noch, wohin sie ihn bringen, dann tragen sie ihn weg.

Den ganzen Tag verbringe ich wie in Trance. In der folgenden Nacht finde ich keinen Schlaf. Ich wälze mich im Bett und zerwühle dabei die Kissen.

Am nächsten Tag bringt mich die Nachbarin zum Krankenhaus. Unten im Eingang frage ich nach der
Zimmernummer. Man nennt mir eine Nummer und sagt, dass sie im neunten Stock des Hauses liegt. Ich fahre mit dem Aufzug dorthin, während die Nachbarin unten im Entree wartet und betrete dort ein Zweibettzimmer mit einer Tasche voller Kleidungsstücke und einer Krücke. Er darf ja inzwischen schon auf nur einer Krücke gehen.

Freudestrahlend begrüßt mich mein Herr: “Hey, hallo Maus. Schön, dass du da bist!“"

Er schwingt seine Beine aus dem Bett, lässt sich die Krücke reichen und steht auf. Ich schaue ihn fragend an.

“Sie haben mich gestern auf die Internistische Abteilung im zweiten Stock gebracht," erklärt er mir. "Weil sie nicht wussten, was los war. Dann hat der andere Patient nachts nach der Schwester geklingelt, weil ich mich im Schlaf so komisch bewegt hätte -– und nun bin ich auf der Neurologie, Maus. In den nächsten Tagen wollen sie mein Gehirn checken und mich auf ein Medikament einstellen, dann komme ich wieder nach Hause, aber den Termin beim Neurologen soll ich wahrnehmen. Der bekommt die Krankenakte und soll die Behandlung weiterführen, sagen sie hier.“

“Und – bist du dann wieder gesund, Herr?“" frage ich tonlos und halte mich an ihm fest.

“Weiß ich nicht, Maus. Wir müssen die weitere Entwicklung abwarten, aber bewusstlos werde ich dann wohl nicht mehr, Liebes!"
“
Nach einer Woche ist mein Herr wieder zuhause und eine weitere Woche später ist der erste Termin beim Neurologen. Das Untersuchungsergebnis ist eigentlich kein Ergebnis. Der Arzt sagt, dass er im EEG etwas sehen kann, aber nichts was konkrete Aussagen erlaubt. Also soll mein Herr die Medikamente, die das Krankenhaus verordnet hat, weiter nehmen und alle drei Monate ein neues EEG machen lassen.

“Darf ich denn irgendwann wieder aufs Schiff?"“ fragt mein Herr den Arzt.

Der Mann macht einen gequälten Gesichtsausdruck und sagt: “Leider nein, nur Schreibtischarbeiten sind so noch möglich.“"

Hm, auf der Heimfahrt im Bus ist mein Herr auffallend still, so dass ich mich besonders liebevoll um ihn kümmere, immer seine Nähe suche, um ihm zu zeigen: Ich bin immer für ihn da! In dieser Situation bin ich ihm gerne eine Stütze.

Die Familie der getöteten jungen Frau hat sich ebenfalls einen Anwalt genommen, um als Nebenkläger auftreten zu können, da stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein und schließt die Akte auf Grund des ärztlichen Attestes meines Herrn. Mein Herr entschließt sich nun, dem Vater in einem Brief seine Bestürzung über den Tod dessen Tochter auszudrücken. Dann muss sich mein Herr neu orientieren.

Bisher war er ja Kapitän und Eigner des Segelschiffes. Er entscheidet sich, das Schiff an den bisherigen Steuermann zu verpachten bis die Höhe der monatlichen Zahlungen den Wert des Schiffes erreicht. So können wir wenigstens erstmal über Jahre sorgenfrei leben. Was weiter passiert, muss die Zukunft zeigen.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Fr Sep 25, 2015 11:26 am

Ein halbes Jahr ist mittlerweile vergangen. Das Leben hat sich weitgehend normalisiert. Mein Herr zeigt keinerlei Symptome mehr. Er nimmt täglich morgens und abends ein Medikament, darf drei Jahre lang kein Auto fahren und man hat ihm einen Schwerbehindertenausweis schmackhaft gemacht. Das wäre eine Eingliederungshilfe in den Arbeitsmarkt. Außerdem hätte er eine Menge Vergünstigungen und andere Vorteile davon.

Als nächstes kauft mein Herr Rennräder, damit wir beweglicher sind. Radfahren bei schönem Wetter macht viel Spaß. So sind wir oft draußen auf den Feldern vor der Stadt. Dort entdecken wir nach einigen Wochen eine Kiesbaggerei, in deren Umfeld einige alte Baggerseen renaturiert wurden. Weil die Sonne gerade erbarmungslos brennt und mein Herr sich sowieso auf einer Wiese ausruhen wollte, schaue ich ihn an.

Er lacht.

“Immer wenn du mich so anschaust, möchtest du etwas von mir, mein Schatz.“"

“Ich kann nicht mehr, mein Herr. Schau doch nur! Der schöne See! Dort können wir entspannen und uns erfrischen."
“
Mein Herr runzelt die Stirn.

“Liebes, bleib bei der Wahrheit! Nur wenn du ehrlich deine Gedanken und Gefühle äußerst, kann ich die richtigen Entscheidungen treffen! Du könntest schon noch weiter, aber dir gefällt dieser Platz hier. Richtig?"
“
“Ja, Herr, entschuldige.“"

“Ist in Ordnung, Maus. Wir rasten hier.“"

Mein Herr steigt vom Rad, nimmt mich kurz in den Arm und lenkt dann sein Rad zum See. Ich tue es ihm gleich. Mit den dünnen Reifen auf sandigem Untergrund fahren, wäre nicht so gut.

Am See sind wir nicht die Einzigen. Eine Mutter mit ihrer Tochter -– sicher im Kindergartenalter - befinden sich am Wasser und eine Gruppe Jugendlicher, alle in Badesachen, nur die Kleine tollt nackt im Wasser. Wir halten uns etwas abseits, breiten unsere Decke aus, legen uns hin und schauen aneinander geschmiegt träumend den Wolken zu. Nach vielleicht anderthalb Stunden machen wir uns wieder auf den Heimweg.

Unterwegs kommen wir an einem Geschäft vorbei, in dem wir ein riesiges Wassertier zum Aufpumpen sehen. Wieder muss mein Herr schmunzeln, als er meinen Blick sieht. Er kennt meine Gestik inzwischen genau.

Wir betreten den Laden und mein Herr fragt, wie viel das Plastiktier tragen kann.

“Einen Erwachsenen oder zirka 75kg,“" antwortet die Verkäuferin.

Er kauft das bunte Plastiktier und eine Pumpe. Am nächsten Tag bei genauso warmem Wetter fahren wir zum Sonnenbaden und Plantschen direkt zum See. Unsere zwei Thermosflaschen habe ich mit Tee gefüllt. Auch Fladenbrot, gefüllt mit Gyros und Salat, habe ich für Mittags dabei. Am späten Vormittag kommen wir an und sind momentan alleine dort. Mein Herr pumpt das Wasserspielzeug auf und wir entkleiden uns bis auf die Badeshorts.

Ui, ist das Wasser kalt, wenn man tiefer in den See hineingeht. Während ich rittlings auf dem Plastiktier sitze, schiebt mich mein Herr so weit, bis er bis zur Brust im Wasser steht. Dann entfernt er sich ein paar Schritte in Richtung Ufer und ich versuche, ihn paddelnd zu erreichen, was nicht gut klappt. Aber es macht riesigen Spaß auf dem Wasser.

Dann kippt das Tier und ich rutsche ins Wasser. Sofort hechtet mein Herr - der nur zwei Meter entfernt steht - zu mir, aber ich bin schon wieder auf den Beinen. Gemeinsam ziehen wir mein Spielzeug an Land, trocknen uns ab und cremen uns ein. Nach etwa einer halben Stunde Sonnenbad kommt die Mutter mit ihrer Tochter hinzu, breiten in einiger Entfernung ihre Decke aus und nehmen ihre Badetücher von den Schultern. Während die Mutter einen knappen Bikini trägt, ist die Tochter wieder nackt. Die Kleine schielt die ganze Zeit auf unser Plastiktier. Es entsteht eine Diskussion zwischen den beiden, nach deren Ende die Kleine weint.

“Rasha, geh zu den beiden und frage die Mutter, ob wir ihnen das Tier eine Zeitlang leihen dürfen. Ihr könnt ja dann zu dritt ins Wasser und darauf achten, dass der Kleinen nichts passiert!“"

“Gerne, mein Herr,"“ antworte ich und stehe auf.

Die Beiden sehen mir mit fragenden Gesichtern entgegen. Ich gebe den Vorschlag meines Herrn an die Mutter weiter, die erst höflich ablehnt, aber schließlich zustimmt, weil die Kleine keine Ruhe gibt. Die Mutter bedankt sich noch mal bei meinem Herrn, dann trage ich mit ihr das Plastiktier ins Wasser.

Wir schieben es etwas vom Ufer weg und während ich es festhalte, hebt die Mutter ihre Kleine hinauf. Die Kleine hat ihren Spaß auf dem Wasser und spritzt nach uns, während wir uns abwechselnd aufs Wasser fallen lassen und so die Kleine nass spritzen, während die jeweils andere das Badetier festhält. Dass ich die ganze Zeit oben ohne bin, stört hier niemand.

Nach und nach füllt sich der Strand mit jungen Pärchen, die bestimmt durch uns animiert, nun auch verstärkt ins Wasser drängen. Deshalb verlassen wir bald das Wasser und sonnen uns bis ein kühler Wind aufkommt.

Da es inzwischen Spätnachmittag ist, verabschieden wir uns von Mutter und Tochter und machen uns auf den Rückweg. Unterwegs stoppt mein Herr an einer Eisdiele und lädt mich zum Ausruhen bei einem Eisbecher ein, worüber ich mich sehr freue.

Zuhause schiebe ich einen der Polstersessel einladend an den Couchtisch und schaue meinen Herrn an. Er nickt lächelnd, lässt sich hineinfallen und greift zur Programmzeitschrift. Ich husche in die Küche und bereite zwei große Cappuccino vor, die ich beide vor meinen Herrn stelle. Dann gehe ich neben dem Sessel in die Knie und setze mich auf meine Fersen. Meinen Kopf lege ich auf seinen Oberschenkel und streichele sein Knie.

Bald streicht mir mein Herr sanft durch mein Haar und schaltet den Fernseher ein. Es läuft gerade ein Regionalmagazin.

“Schatz, dein Cappu wird kalt,"“ sagt mein Herr mit weicher Stimme und reicht mir eine Tasse.

Ich nehme sie in beide Hände und trinke schluckweise, während ein Reportagevideo über
Renaturierungsmaßnahmen im Umland unserer Stadt berichtet.

“Ich denke, ich sollte mal mit jemandem in der Stadtverwaltung sprechen,"“ sagt mein Herr plötzlich.

Ich schaue ihn fragend an.

“Ja, Liebes. Stell dir mal vor, dort am See stünde ein Haus. Im Sommer wäre dort eine Eisdiele und im Winter würde man Kuchen und Waffeln verkaufen. Angegliedert wäre dort ein Bootsverleih und der Strand bekäme eine Absperrung wasserseitig, wo das Wasser 80cm Tiefe erreicht. Der Strand würde sauber gehalten und alles das würde aus den Einnahmen der Eisdiele und den Bootsmieten finanziert.“

“Und du willst dort der Chef sein, der alles überwacht, Herr?"“ frage ich mit zweifelndem Gesichtsausdruck.

“Ja, warum nicht? Erstmal frage ich meinen Steuerberater, ob er mir ein Konzept erarbeitet oder jemand kennt, der das macht. Habe ich ein Unternehmenskonzept, frage ich den Eisdielenbesitzer von heute Nachmittag, ob er Interesse hat mit einzusteigen. Wir verleihen die Boote und halten den Strand sauber. Ah, ein Parkplatz und eine geteerte Zufahrt muss da auch noch hin -– und ein oder zwei Grillplätze, die vermietet werden können. Grillgut- und Getränkeverkauf ebenfalls durch uns."“

“Das hört sich gut an, liebster Herr! Das könnte bestimmt etwas werden und du hast wieder eine Aufgabe, die dich ausfüllt, denn zuhause sitzen magst du nicht.“"

“Nein, Liebes. Da hast du Recht! Ich mag noch nicht in Rente!“"

In der folgenden Nacht ist mein Herr wie ausgewechselt. So aktiv war er zuletzt vor dem Unfall, so dass ich ihm mit Freude ein königliches Frühstück zaubere. Danach, es ist schon Vormittag, verabschiedet sich mein Herr und radelt durch die Stadt, um mit den verschiedensten Leuten persönlich zu sprechen.

Er ruft mich von unterwegs an und beauftragt mich, das Mittagessen gegen drei Uhr bereit zu haben. Dann müsste er wieder zurück sein, denkt er.

Beim Mittagessen erzählt er mir, dass er heute nur Gesprächstermine bekommen hat und den
Eisdielenbesitzer nach wirtschaftlichen Eckdaten für das Konzept befragt hat. Das Gros der Gespräche wird innerhalb der nächsten 10 Tage auf ihn zukommen und dann dauert es noch einige Wochen zur Erarbeitung eines Konzepts. Der Steuerberater meint aber, mein Herr soll in den nächsten Tagen schon zur Stadtverwaltung fahren, um dort schon einmal sein Interesse anzumelden.

Zwischen den ganzen Terminen ist aber soviel freie Zeit und meinen Herrn hält es gerade jetzt nicht zuhause.

Er sagt, er muss sich ablenken - und deshalb unternehmen wir viel. Mein Herr führt mich ins Kino, auf Veranstaltungen, zum Bowling, in den Zoo, durch Museen, wieder einmal in den Freizeitpark. Ich sammele hunderte neuer Eindrücke.

Endlich steht das Unternehmenskonzept. Die Stadtverwaltung und die Bank geben grünes Licht.
Eine Fertighausfirma stellt ein Haus auf den Keller einer Tiefbaufirma an “unseren"“ See. Eine
Straßenbaufirma bindet das Grundstück an das Straßennetz an, teert einen Parkplatz und befestigt drei Grillplätze. Ein Anlegesteg und Wege werden angelegt. Städtische Broschüren werden geändert. Die Ausflugsmöglichkeit muss ja bekannt werden.

Mein Herr nennt das Projekt “Haus am See"“ und so wird es auf Hinweisschildern und in Broschüren
bezeichnet. Die lokale TV-Redaktion wird auf die Bauarbeiten aufmerksam gemacht. So kommt ein
Kamerateam immer wieder einmal vorbei, um den Baufortschritt zu dokumentieren. Sequenzen daraus verwendet man ab und zu in den Lokalnachrichten und nach einem Dreivierteljahr zum ersten Mai ist große Eröffnung.

Eine Menge örtliche Prominenz der Stadt und von Vereinen ist anwesend. Relativ wenig Normalbürger sind gekommen. Mein Herr hat mehr erwartet und mich im Vorfeld zur Rettungsschwimmerin und Ersthelferin ausbilden lassen. Für den Badebetrieb bin ich allein verantwortlich, hat er mir versichert.

Dass er mir einen eigenen Verantwortungsbereich überträgt, freut mich ganz besonders! Bisher hat er die Verantwortung für uns beide hervorragend getragen, bis auf die Zeit unmittelbar nach dem Unfall, in der ich ihn entlasten durfte. Diese Erfahrung hat ihn wahrscheinlich in seiner Entscheidung bestärkt, mir den Badebetrieb verantwortlich zu übertragen.

Während die Stadt Pacht, Steuern und Gebühren kassiert und die beteiligten Firmen bezahlt werden wollen, läuft unser Geschäft nur schleppend an. Erst zum Ende des Sommers decken die Einnahmen die Ausgaben, dann kommt die Wintersaison und damit eine neuerliche Durststrecke. Zum Glück können wir von der Schiffspacht ganz gut leben. Aber neue Ideen müssen her.

So baut mein Herr das Dachgeschoß des “Haus am See"“ über den kommenden Winter aus. Im Frühjahr können wir das Appartement in der Innenstadt kündigen und somit einen Kostenfaktor einsparen. Dann fragt er in einem 30km entfernten Reiterhof nach, ob dort Interesse besteht die Gegend um das “Haus am See"“ zu erkunden und Reitpfade auszuarbeiten. Mein Herr läuft offene Türen ein! Ab dem nächsten Frühjahr kommt täglich in den Morgenstunden ein Pferdetransporter zum Haus am See und zusätzliche Kundschaft lernt den See und das renaturierte Umland kennen.

In diese Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs platze ich mit einer Nachricht von der ich nicht weiß, wie mein Herr sie aufnehmen wird. Entsprechend zaghaft trete ich damit an ihn heran.

“Herr, ich fühle mich in letzter Zeit so komisch. Darf ich einen Arzt in der Stadt aufsuchen?“"

“Geh nur, Liebes! Ich übernehme den Strand auch, bis du wieder zurück bist,“" antwortet er mir und küsst mich zärtlich.

Ich gehe zur neu errichteten Bushaltestelle an Hauptstraße und fahre in die Stadt zu meiner Frauenärztin.

Nach einer kurzen Untersuchung schüttelt sie mir die Hand und sagt:

“Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“"

Auf der Rückfahrt gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Keinen davon bekomme ich zu fassen, um ihn weiter zu verfolgen, was jetzt wohl wird. Zurück am Strand nehme ich meine Arbeit wieder auf. Mein Herr wirft mir zwar ab und zu besorgte Blicke zu, lässt mich aber gewähren.

Am Abend in der Wohnung spricht er mich aber darauf an:

“Liebes, was sagte denn nun der Arzt heute Nachmittag?“"

Ich wage nicht, meinen Herrn direkt anzuschauen.

“Ich war bei meiner Frauenärztin, Herr. Sie sagt, ich bin schwanger…“..."

Die folgende Reaktion meines Herrn hätte ich so am allerwenigsten erwartet. Er beugt doch tatsächlich vor MIR ein Knie und drückt mir einen Kuss auf den Bauch, während er mich in der Taille fasst, weil mir die Knie weich werden. Es ziemt sich doch nicht, dass mein Herr vor mir in die Knie geht! Dann steht er auch schon auf und gibt mir einen leidenschaftlichen Zungenkuss.

“Schatz, das ist das Größte!"“ sagt er nur.

Seine Augen strahlen wie zwei Sonnen. Das steckt an. Sofort fühle ich mich selbst wie auf Wolken
schwebend. In den folgenden Wochen ist mein Herr sehr zuvorkommend und zärtlich zu mir.

Eines Tages kommt er dazu, wie ich am Strand neben meiner Freundin, der Mutter des Mädchens, liege und belanglose Gespräche führe, während ich die Wasserfläche beobachte.

“Grüß dich, Anne. Hat Rasha dir die Neuigkeit schon mitgeteilt?“"

Sie lächelt: “Dass ihr ein Kind erwartet? Ja, hat sie.“"

“Du bist doch Krankenschwester und seit einem guten Jahr arbeitslos. Keine Chance auf eine neue Arbeit?“"

“Leider nein.“"

“Was hältst du davon, mit Rasha zu tauschen, mindestens für die nächsten zwei Jahre? Solange es Rasha gut geht, könnt ihr zu zweit auf die Leute achten. -– Aber im Notfall bleibst du an Land und rufst nur den Rettungsdienst und weist ihn ein, Rasha!"
“
“Das fände ich sehr gut, Peter! Irgendwer wird sich dann sicher auch um Vanessa kümmern, denke ich,“" antwortet Anne, während ich zur Antwort meinem Herrn zunicke.

“Na klar, Anne. Deine Tochter kommt nicht zu kurz!“"

In den folgenden Wochen der Badesaison achten wir zu zweit auf die Badegäste. Anne muss - wie bisher ich - mehrfach ins Wasser, um Jugendliche zu ermahnen. Aber größere Ereignisse, bei denen ich den Rettungswagen alarmieren müsste, geschehen zum Glück nicht.

Vanessa wird von meinem Herrn am Kindergarten abgeholt, nachdem die Aufsicht informiert ist. Danach streunt sie über das Gelände, geht ins Wasser und macht geführte Reittouren mit. Dadurch hat immer irgendwer die Kleine im Auge, während für sie ihr Leben ein einziges Abenteuer ist.

Mein Herr verhält sich mir gegenüber rücksichtsvoll und zuvorkommend. Mit zunehmendem Bauchumfang darf ich nichts mehr tragen! Er stützt mich, wenn ich kurzatmig mitten auf der Treppe pausiere und springt, wenn ich nur huste. Das ist mir so peinlich! Ich bin doch bloß schwanger, aber nicht krank! Meinen schwachen Protest erstickt er mit Zärtlichkeit.

Alles das war selbst Papa nicht eingefallen, als Mama mit meinen jüngeren Geschwistern schwanger war! Wo bin ich hier bloß, wo selbst einer Magd –- oder soll ich noch einen härteren Ausdruck verwenden –- solche Behandlung zuteil wird?

Mein Herr antwortet auf meine diesbezüglichen Fragen immer:

“Maus, du bist kein Haushaltsgerät, keine Waschmaschine oder Spülmaschine, die man benutzt, solange sie funktioniert und dann entsorgt! Du bist ein Lebewesen! Aber auch kein Hund oder Pferd, die man erzieht, damit sie gehorchen. Zu denen man zärtlich ist, solange sie gehorchen und die man bei Ungehorsam schlägt…... Schatz, du bist ein Mensch, den es zu achten und wertzuschätzen gilt! Wenn du mir dienst, dann geschieht das freiwillig, weil du siehst, dass mir das Freude macht. Weil du spürst, wenn ich mich freue, dann zeige ich dir das so, dass du dich wieder freust. Das Prinzip heißt GEBEN UND NEHMEN, Liebes! Ich hab dich nicht nur gern, nein, dich liebe ich! Darum habe ich dich zu meiner Frau gemacht. Darum schone ich dich jetzt, wo es geht und so gut ich kann. Schatz, du wirst die Mutter meiner Kinder! Ist das kein Grund, dich wie eine Prinzessin zu behandeln?“"

Auf solche Vorträge weiß ich nie eine Antwort zu geben. Ich lehne mich dann immer an seine Schulter und lasse meinen Gedanken freien Lauf, die dann unversehens in eine Traumwelt abtauchen. Besonders, da zum Gefühl der Geborgenheit, das mich durchströmt, dann immer das zärtliche Streicheln meines Herrn hinzukommt.

Die Untersuchungstermine bei meiner Frauenärztin werden peinlich genau eingehalten. Zwei Tage vor den errechneten Geburtstermin wecke ich meinen Herrn mitten in der Nacht.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   Sa Sep 26, 2015 12:43 pm

“Herr, bitte! Mein Herr, bitte werd’ wach. Ich fühle so einen ziehenden Schmerz. Ich glaube, es kommt!“"

Anfangs blinzelte mein Herr nur. Bei den letzten Worten ist er mit einem Sprung aus dem Bett und ich bekomme ein Zipfel seiner Steppdecke ins Gesicht. Er nimmt das Telefon von der Nachtkonsole und wählt die Kurznummer der Taxizentrale.

“Hallo, schicken sie bitte ein Taxi zum Haus am See. Wir müssen dringend zur Unifrauenklinik!“"

Dann zieht er sich an und hilft mir in meine Kleidung. Oh, bin ich unbeweglich geworden!

Als das Taxi draußen vorfährt, nimmt er schnell die bereit gestellte Tasche für meinen Klinikaufenthalt und hilft mir langsam die Treppe hinunter. Der Taxifahrer erfasst die Situation und hält die Fondtür auf. Zwanzig Minuten später stoppt er an der Klinik und wir gehen zur Anmeldung.

Dort werden wir gleich weiter geschickt und eine Ärztin untersucht mich. Danach sollen wir noch etwas durch die Gänge wandern. Regelmäßig erfolgen weitere Untersuchungen, aber immer wieder werden wir auf Wanderschaft geschickt. Am Vormittag endlich sollen wir in den Kreißsaal gehen.
Ich habe mir eine Geburt unter Wasser gewünscht, also wird ein Bad eingelassen, in das ich mich breitbeinig hineinsetzen soll. Dann kommt die Anweisung zum Pressen. Zwanzig Minuten später löst sich die ganze Anspannung und vermischt sich mit einem überwältigenden Glücksgefühl. Tränen laufen ungehindert über meine Wangen als man mir meine kleine Tochter auf die Brust legt. Unverkennbar eine kleine Berberin mit schwarzen Haaren und dunklen Augen!

Eine Schwester fragt meinen Herrn nach dem Namen seiner Tochter.

“Alisha,"“ antwortet er.

Die Schwester sucht nun Perlen mit Buchstaben aus einem Kästchen, reiht sie auf einen Faden und befestigt die Namenskette unserer Tochter am Handgelenk.

“Alisha Mariam,"“ ergänzt er noch.

“Das hätten Sie ein wenig früher sagen sollen,“" frotzelt die Schwester.

Aber sie lächelt freundlich.

“Nicht schlimm. Ich schreibe den vollen Namen in die Akte.“"

Wieder zuhause ist mir mein Herr der liebste Herr und Vater der Welt. Kein Vergleich mit der Kultur der Berber, in der ich aufgewachsen bin. Ich kann nicht anders, ich muss Allah einfach immer wieder danken, dass er mir diesen Herrn gesandt hat! Er macht gemeinsame Spaziergänge, damit Alisha an die frische Luft kommt. Auch hat er sich ein Babytragetuch gekauft, damit er die Kleine so oft es geht bei sich hat.

Die gemeinsamen Spaziergänge werden dadurch begünstigt, dass er vor ein paar Monaten ein Gespräch mit Herrn Kapitän Schneider hatte, der unser Segelschiff übernommen hat. Herr Schneider erzählte damals meinem Herrn, dass sich einer der Matrosen bei der Arbeit in einem schweren Sturm verletzt hatte und jetzt arbeitslos ist.

Mein Herr holte den Mann zum Haus am See für gelegentliche Arbeiten und seit der Geburt von Alisha hat er ihn fest angestellt. Klaus übernimmt nun den Bootsverleih und bewirtschaftet die Grillplätze, sowie macht er gelegentliche Reparaturen, während mein Herr nur noch die Verwaltung und Koordination aller Geschäftszweige macht.

Dann kommt der Termin der 4-Monats-Untersuchung von Alisha bei der Kinderärztin. Unsere Ärztin hat Urlaub, aber die Gemeinschaftspraxis ist trotzdem offen. Die zweite Ärztin begrüßt uns und untersucht Alisha in unserem Beisein. Auf einmal zeichnen sich Sorgenfalten auf ihrer Stirn ab. Sie untersucht den Unterleib noch einmal und bewegt Alisha’s rechtes Beinchen. Dann wendet sie sich zu uns.

“Ihre Tochter muss ins Krankenhaus. Sie hat Hüftluxation 2.Grades. Wenn das nicht behandelt wird, wird Alisha nie richtig gehen können. Sie müssen sich das so vorstellen:
Das Hüftgelenk besteht aus einer Kugel am oberen Ende des Oberschenkelknochens und einer Pfanne im Hüftknochen, in der die Kugel Halt findet. Wenn nun die Pfanne zu flach ist, findet die Kugel keinen rechten Halt. Die Sehnen werden überbeansprucht. Es gibt zwei Behandlungsmethoden: Einmal die Operation. Der Erfolg ist aber nicht hundertprozentig gegeben. Oder das Anpassen einer Schiene, mit der Alisha dann laufen lernen muss. Es ist ein jahrelanger Prozess, der aber erfolgreich verläuft. –- Nebenbei -– ich ärgere mich über meine Kollegin, dass sie es nicht schon früher erkannte.“"

Ich hörte den Ausführungen der Ärztin mit Angst geweiteten Augen und am ganzen Körper zitternd zu. Mein Herr legt den Arm um mich und antwortet der Ärztin:

“Wir entscheiden uns für die Schiene, Frau Doktor.“"

“Gut, dann mache ich die Papiere fertig.“"

Drei Wochen später haben wir den Einweisungstermin in der Uni-Kinderklinik. Wir sind dabei, wie man Alisha auf eine Platte schnallt, auf der verstellbare Schalen für die Oberschenkel angebracht sind. Ihre Beine werden neunzig Grad vom Körper abgespreizt in einen Spagat gezwungen, dann noch ein Bauchgurt und damit wird sie in ein Kinderbettchen gelegt.

Es bricht mir das Herz, meine Kleine so zu sehen. Vor allem, weil sie mir die Ärmchen entgegen streckt. Sie möchte zu mir auf den Arm, aber wir müssen sie allein lassen. Zum Glück darf ich täglich zwei Stunden zu ihr. Das werde ich voll ausnutzen!

Auf der Rückfahrt im Bus sind wir beide sehr still. Mein Herr hat seinen Arm um mich gelegt und ich lehne mich an ihn. Er ist meine Stütze! An den darauf folgenden Tagen fahren wir zu unterschiedlichen Tageszeiten ins Krankenhaus. Unserer Kleinen scheint es gut zu gehen.

Der Arzt antwortet auf die Frage meines Herrn, dass Alisha erst in sechs Wochen nach Hause darf, aber zu Nachuntersuchungen immer wieder ihnen vorgestellt werden soll. Dabei wird dann bald die Stellung der Beine wieder normalisiert in einem etwa zweijährigen Prozess.

Das Pflegepersonal ist Anlass zum Lachen und zum Ärgern: Ich habe den Schwestern gesagt, dass Alisha keinen Spinat mag. Trotzdem hat eine junge Schwester versucht, sie damit zu füttern. Mit dem Ergebnis, dass Alisha sie angespuckt hat. Ihre Schwesternkleidung war über und über mit gelbgrünen Flecken bedeckt!

Ein anderes Mal wechsele ich die Windel und stelle blaue Flecken am Gesäß fest. Auf Nachfragen sagt die Stationsschwester, dass sie nun verstärkt auf die Pflege Alishas achten würden. In den vergangenen Tagen wäre unsere Kleine wegen Arbeitsüberlastung wohl seltener gewickelt worden, wodurch sie sich wund gelegen hätte. Ich schaue meinen Herr zweifelnd an. Der wiegt den Kopf leicht hin und her. Kaum sind wir draußen, sagt er:

“Wir werden unsere zwei Stunden täglich bei Alisha aufsplitten. Wir gehen zweimal täglich zu ihr und wechseln dann jedes Mal selbst die Windel, ob sie nun voll ist oder nicht. So kontrollieren wir, ob die Flecken verschwinden und nicht wieder auftreten.
Was die Schwester sagte, kann stimmen, denn in so einem Klinikbetrieb kann es schon mal vorkommen –- darf es eigentlich nicht!!“"

Die sechs Wochen sind endlich um und wir dürfen Alisha mit nach Hause nehmen. Mein Herr hat einen neuen Kinderwagen besorgt. Es ist ein Kombikinderwagen, in dem Alisha später auch sitzen kann.

Das wichtigste aber ist, dass er stufenlos verbreitert werden kann, damit sie mit angelegter Schiene drin liegen und sitzen kann. Auf der Heimfahrt im Bus ist er daher etwas sperrig, aber die Leute machen bereitwillig Platz und ich ernte bedauernde Blicke.

Auf meinen unsicheren Blick zu meinem Herrn hin, nimmt er mich zart in den Arm und schaut mich so warm und zärtlich an, dass ich die Augen senke und mich nicht mehr um die Gefühle der Mitmenschen schere. Ich gebe mich ganz dem Gefühl der Geborgenheit bei meinem Herrn hin.

Alle drei Monate müssen wir zur Nachuntersuchung in die Klinik zurück. Dort ist man über die Entwicklung Alishas erfreut und auch zuhause beginnt sie bald sich aufzusetzen, trotz dem Ding an ihrem Gesäß. Sie kennt es ja nicht anders.

Eines Tages laufe ich aus dem Wohnzimmer ins Büro:

“Herr, Herr, komm schnell, schnell!“"

“Liebes, was ist passiert?“"

“Alisha, Herr, Alisha steht…“..."

Ich bin den Tränen nahe. Mein Herr biegt um die Flurecke und wir beide schauen nach Alisha, die am Schrank auf dem Boden sitzt und ängstlich zu uns hoch schaut. Mein Herr geht auf Alisha zu, nimmt sie hoch, drückt sie an sich und küsst sie auf die Wange. Er redet beruhigend und ermunternd auf sie ein und setzt sie wieder an den Schrank. Er stellt ihren Teddy auf das untere offene Element.

“Alisha, hol dir deinen Teddy, Liebes. Hol ihn dir!“"

Sie streckt ihre Ärmchen wie eben und fasst mit den Händen die Kante. Dann zieht sie sich hoch und nimmt ihren Teddy.

“Komm, mein Mädchen. Komm zu Papa,"“ ermuntert er Alisha.

Sie lässt den Schrank los, wendet sich ihrem Papa zu und macht breitbeinig wegen der Schiene einen Schritt, dann geben die Beinchen nach und sie sitzt wieder auf dem Teppich. Mein Herr geht zu ihr, setzt sich neben sie auf den Boden, streichelt sie und sagt:

“Das hast du fein gemacht, mein Mädchen. Ich bin so stolz auf dich, Maus!“"

Alisha strahlt über das ganze Gesicht, krabbelt zu ihrem Vater, zieht sich an ihm hoch und hält ihm ihren Teddy hin. Er nimmt den Teddy und stützt sie im Rücken.

“Du bist ja schon ein großes Mädchen, Alisha. Ich bin so stolz auf dich!“"

Dann lässt er sich nach hinten fallen und Alisha krabbelt auf seine Brust. Sie legt sich so hin, dass sie sicher seinen Herztönen lauschen kann, während er sie streichelt.

“Rasha, Liebes,"“ spricht er mich an, da ich immer noch in der Wohnzimmertüre stehe. “Komm doch zu uns auf den Teppich. Du bist doch an alledem als Mutter nicht ganz unbeteiligt!“"

Ich setze mich neben die beiden und mein Herr fasst meinen Kopf im Nacken und zieht mich sanft zu sich herunter, um mir einen innigen Kuss zu geben. Ich lege mich nun etwas bequemer neben die beiden, mit einem Arm abgestützt und den anderen Arm um meinen Herrn und unsere Tochter und verliere mich in den Augen meines Herrn. Eine ganze Weile liegen wir so da, bis ein Signalton von der Waschmaschine uns in die Realität zurückholt.

Wir stehen auf. Während mein Herr seine Arbeit im Büro wieder aufnimmt und Alisha bei sich auf die Spieldecke setzt, räume ich die Waschmaschine aus und hänge die Wäsche im Dachboden auf.

Im Krankenhaus ändert man nun den Untersuchungsrhythmus auf acht Wochen und verstellt jedes Mal den Winkel der Oberschenkel weiter aus dem Spagat in die Normalstellung.

Mit zweieinhalb Jahren kann Alisha schon richtig laufen und die Schiene wird endlich entfernt! Ein riesiger Stein fällt mir in dem Moment vom Herzen!

“Liebes, ich denke, wir fahren heute nicht direkt nach Hause, sondern bleiben noch etwas in der Stadt,"“ sagt mein Herr, als wir das Krankenhausgelände verlassen.

“An was denkst du, mein Herr?"“ frage ich ihn.

“Wir nehmen den Bus zum Zoo und lassen dort Alisha laufen, bis sie müde ist,"“ antwortet er mir.

“Oh ja,"“ gebe ich begeistert zurück und küsse ihn spontan.

Wir fahren also mit einem anderen Bus weiter in die Innenstadt und steigen dort um in den Bus zum Zoo. Beim Eintritt werden wir wie üblich von Fotografen aufgehalten. Dann setzt mein Herr Alisha ab, die sofort auf das erste Gehege zu läuft. Dort hebt er Alisha wieder auf den Arm, damit sie die Tiere sehen kann.

So dauert es den ganzen Nachmittag bis wir zum Spielplatz gelangen, an dessen Rand das Zoo-Restaurant steht. Wir setzen uns auf die Restaurant-Terrasse und bestellen Kaffee und Schwarzwälder-Kirsch, für Alisha eine Waffel ohne Sahne und eine Limonade. Danach kommen wir von dort nicht weg, bevor Alisha sich nicht müde gespielt hat auf dem Kinderspielplatz. So kommt es, dass unser Mädchen in den Armen meines Herrn schläft, als wir am Abend zuhause ankommen.

Ein halbes Jahr später bekomme ich mit Alisha einen Platz in einer Spielgruppe am Stadtrand. Dort treffe ich mit anderen Müttern und ihren Kindern zusammen. Wir reden über Alltagsprobleme, Kinderkrankheiten und Familienfeste, lassen die Kleinen unter Beobachtung miteinander spielen und setzen uns von Zeit zu Zeit dazu, um mitzuspielen.

Das ist ein unbeschwertes Jahr, in dem ich auch viel lerne. Meinem Herrn fällt mein fröhliches Wesen auf und dass ich viel offener meine Meinung vertrete. Da ich darauf achte -– aus meinem Kulturkreis gewohnt -, dass ich für Alisha und meinen Herrn lebe, kommen mir keine Egoismen in den Sinn.

Aber mein Herr scheint von der gleichen Sorte Mensch zu sein, denn ich habe nie das Gefühl zu kurz zu kommen, im Alltag. Wir unternehmen viel zu dritt und wenn Alisha schläft, ist mein Herr ganz für mich da.

Ich habe immer das Gefühl, dass wir die wichtigsten Menschen in seinem Leben sind.

Mit vier Jahren kommt Alisha schon in den Kindergarten und als der Herbst kommt, betritt mein Herr mit uns ein Reisebüro, an dem wir zufällig vorbeikommen. Er fragt nach einer Flugreise mit zweiwöchigem Aufenthalt in einem Ferienappartement in Andalusien, möglichst kurzfristig.

Es ist leider nichts frei, was vom Flughafen Malaga nicht weit entfernt am Meer liegt. Ich erlebe während der Verhandlungen ein Wechselbad der Gefühle. Erst höre ich unsicher zu, dann freue ich mich auf einen Urlaub im Süden, gleich danach bin ich tief enttäuscht über die Absage des Reisebüromitarbeiters.

Nach kurzer Überlegung fragt mein Herr, wie die Situation denn auf der afrikanischen Seite ist, und schon gewinnt das Gespräch wieder an Fahrt. Meine Augen werden größer, als mir bewusst wird, was das heißt. Als wir schließlich wieder draußen sind, kann ich nicht mehr ruhig bleiben.

“Herr, heißt das, wir besuchen auch Papa und Mama?“"

Mein Herr grinst von einem Ohr zum anderen.

“Schatz, von Andalusien aus hätten wir ganz sicher eine mehrtägige Tour dorthin gemacht. Aber da wir jetzt nur 200km entfernt ein Appartement bekommen haben, ist es noch viel einfacher deine Familie wieder zu sehen."
“
In einer schnellen Bewegung umarme ich meinen Herrn, drücke ihn und suche seine Lippen mit meinen.

Alisha, die uns beobachtet, tritt ebenfalls heran und umfasst einen Oberschenkel meines Herrn, worüber ich lächeln muss. Ich streichele ihr übers Haar und mein Herr beugt sich zu ihr, nimmt sie auf den Arm, hebt sie hoch und gibt ihr ebenfalls einen Kuss. Alisha legt ihre Ärmchen um seinen Hals.

Sechs Wochen später geht es los. Nach vierstündigem Flug landen wir in Marokko und mein Herr mietet als erstes einen kleinen PKW am Flughafen. Etwa 3 Stunden dauert die Fahrt über staubige Pisten zu unserer Ferienanlage am Meer, wo wir eine Zweizimmerwohnung mit Küche und Bad beziehen. Da es schon dunkel geworden und Alisha schläfrig ist, unternehmen wir heute auch nichts mehr.

Am nächsten Morgen frühstücken wir im Restaurant der Anlage und gehen auf Erkundungstour. Vom
Restaurant mit Meerblick geht es über die Uferpromenade zu einer kniehohen Mauer, in der sich in
regelmäßigen Abständen Aussparungen befinden. Dort gehen Treppen zum Strand hinunter. Am Strand treffen wir schon ein paar Leute an. Wir gehen aber nur ein kurzes Stück über den Sand und dann wieder zurück in die Anlage. Dort entdecken wir einen Supermarkt, aber die Preise sind sehr hoch und handeln kann man hier in der Ferienanlage wohl nicht. Also beschließt mein Herr eine Autofahrt in die Umgebung zu machen.
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BeitragThema: Re: Rashas Reise   So Sep 27, 2015 12:23 pm

Einige Kilometer entfernt finden wir einen Basar, in dem ich Lebensmittel für eine Woche einkaufe, mit denen wir unsere Küche auffüllen. Ich koche ein erstes marokkanisches Menü seit Jahren und bin ganz entspannt währenddessen, da mein Herr sich mit Alisha beschäftigt. Über das Lob meines Herrn bin ich sehr glücklich. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand.

Als es wieder dunkel wird assistiert mein Herr mir in der Küche und am nächsten Tag brechen wir in aller Frühe schon auf, denn die Fahrt in mein Heimatdorf wird über die Küstenstraße wohl doppelt so lange dauern wie die gleiche Strecke in Deutschland dauern würde. Am späten Vormittag kommen wir an.

Wir halten vor dem Haus meiner Eltern, als ein junger Mann heraus kommt. Es ist mein jüngerer Bruder Omar. Oh, ist er groß geworden! Er geht zur Fahrertür und spricht meinen Herrn auf französisch an, da er in ihm einen Ausländer erkennt.

“Bonjour, Monsieur. Wie war die Fahrt? Zu wem möchten Sie?“"

Mein Herr grüßt zurück. In dem Moment habe ich den Wagen mit Alisha im Arm umrundet. Sein Blick fällt auf mich. Er stutzt.

“Rasha? Allah akhbar! Rasha, bist du es?“"

“Omar?“"

“Ja, Rasha. Ich bin dein Bruder Omar. Dann ist das dein Mann und diese süße Person deine Tochter?“"

"Ja, Omar. Oh, wie ich mich freue!“"

Mein Herr streckt die Hand nach Alisha aus. Ich gebe sie ihm auf den Arm und falle Omar um den Hals.

“Sag, Omar, wo sind die Anderen?"“ frage ich unter Tränen.

“Hussein ist bei den Schafen. Ich wollte gerade auch zu ihm hinaus. Papa ist schwer krank. Er liegt im Haus. Mama weicht nicht von seiner Seite. Tante Hikmet hilft ihr im Haus.“"

“Fati und Soulima?“"

“Fati ist im Nachbardorf verheiratet und Soulima hat einen Sohn ihres Herrn in der Stadt geheiratet. Hussein ist auch schon verheiratet. Mariam, seine Frau, arbeitet im Haus.“"

“In den letzten Jahren ist viel passiert! Und was ist mit dir, Omar?“"

Mein Bruder lächelt: “Ich bin verlobt. -– Sei mir nicht böse, ich muss zu Hussein. Geht doch einfach hinein.“"

Er küsst mich flüchtig auf die Stirn, schaut meinen Herrn freundlich lächelnd an und ist nach einem “Sallam“" um die Hausecke verschwunden.

Wir betreten das Dämmerlicht des Hauses und werden von einer jungen Frau mit Baby im Tragetuch begrüßt. Tante Hikmet wird auf uns aufmerksam, tritt dazu und fällt mir ebenfalls um den Hals. Nach einer kurzen herzlichen Begrüßung in der sie laut meine Ankunft bekannt gibt, kommt auch Mama dazu. Wir liegen uns minutenlang wortlos in den Armen, während wir unseren Freudentränen freien Lauf lassen. Wir sollen uns setzen und erzählen, wie es uns erging in den vergangenen Jahren.

Im Verlauf der Erzählung küsst Mama mehrfach im Überschwang die Füße meines Herrn, der von alledem kaum etwas versteht, da ich wegen Mama in meiner Muttersprache - der Sprache der Berber –- spreche. Alisha klammert sich währenddessen fremdelnd an ihren Papa, der sie streichelt und beruhigend mit ihr spricht:

“Alisha, mein Mädchen, keine Angst. Mama und Papa sind doch bei dir und lassen dich niemals im Stich! Sieh mal, die Frau, mit der Mama spricht, ist deine Oma. Dein Opa ist auch hier irgendwo. Er ist nur schwer krank. Ich weiß noch nicht, ob wir ihn auch noch sehen dürfen. Ich denke mal, dass er sicher Mama und dich noch sehen möchte, bevor wir wieder fahren. Möchtest du Oma nicht auch einmal begrüßen?“"

Aber Alisha klammert sich weiter an ihren Papa, beobachtet jedoch interessiert, was um sie herum geschieht.

Mariam hat sich auf den Boden gesetzt, uns den Rücken zukehrend und hat ihr Baby gewickelt. Jetzt trinkt es sicher, denn ab und zu hört man schmatzende Geräusche aus der Ecke. Tante Hikmet versucht Alisha mit Tonfiguren zu locken und hat Glück damit. Alisha überwindet ein wenig ihre Scheu und löst sich von ihrem Papa.

Sie kommt zu mir und hängt mit offenem Mund an den Lippen ihrer Oma, deren Sprache sie nicht versteht. Mit großen Augen schaut sie entweder mich oder Mama an, je nach dem, wer gerade spricht. Meine Mama streckt die Hand nach ihr aus, berührt Alisha sanft und schaut sie zärtlich an.

Nach wenigen Minuten macht sie einen Schritt auf ihre Oma zu und zeigt ihr das Tonpüppchen von Tante Hikmet. Mama schüttelt lachend den Kopf, umarmt Alisha und streichelt ihr durchs Haar. Sie schaut dabei unsicher meinen Herrn an, der aber aufmunternd nickt.

“Möchtet ihr Papa sehen?"“ fragt sie mich unvermittelt.

“Omar sagte, er wäre schwer krank. Wenn es ihn nicht überanstrengt, gerne, Mama!“"

Sie erhebt sich aus dem Schneidersitz und wir tun es ihr gleich. Während wir ihr in einen Nebenraum folgen, erkläre ich meinem Herrn schnell das Nötigste.

Der Nebenraum ist ganz mit Teppichen ausgekleidet. Ein erhöhtes Strohlager mit Teppichen überzogen befindet sich an der gegenüberliegenden Wand. Darauf liegt Papa unter Tüchern. Oh, sieht er schlecht aus!

Ich fühle ein Kribbeln in der Nase. Ein Anzeichen, dass sich meine Augen mit Tränen füllen.

Eine silberne Nargileh, seine obligatorische Wasserpfeife steht neben ihm. Ebenso ein Kupferkessel mit Wasser und eine flache Schale mit einem flauschigen Tuch. Müde schaut er dem Besuch entgegen und hebt nur leicht die Hand.

Ich kann nicht mehr. Vor seinem Bett falle ich auf die Knie und berühre mit der Stirn seine Brust. Ein Weinkrampf schüttelt mich. Mama wischt ihm mit dem feuchten Tuch über Stirn und Wangen und legt mir die hennabemalte Hand auf die Schulter.

“Mann, deine Tochter Rasha ist hier. Ihr Mann und deine Enkelin Alisha sind bei ihr,“" sagt sie leise.

Papa richtet sich leicht auf, streicht mir durchs Haar und schaut etwas verloren in die Runde.

Mama zieht Alisha näher heran. Papa legt ihr segnend die Hand auf den Kopf und murmelt ein Gebet. Mein Herr tritt ebenfalls näher und legt Papa die Hand auf den Unterarm. Kraftlos sinkt Papa in sein Lager zurück und wenig später künden regelmäßige Atemzüge, dass er eingeschlafen ist.

Wir gehen wieder in den Wohnraum zurück, wo uns nun auch Hussein herzlich begrüßt. Dann geht er nach nebenan in den Stall, um ein Lamm zu schlachten, das heute Abend gebraten werden soll.

Wir verbringen den Nachmittag im Kreise meiner Familie beim traditionellen Tee. Am späten Nachmittag kommt auch meine Schwester Fati mit ihrem Mann aus dem Nachbardorf dazu. Es wird ein schönes Fest. Als wir zu Bett gehen ist es schon weit nach Mitternacht. Alisha schläft schon lange.

Ich habe den Eindruck, gerade erst eingeschlafen zu sein, als Wehgeschrei das ganze Haus weckt. Es muss Mama sein, die da klagt. Wir stehen auf und ich gehe den Stimmen nach. Sie führen mich an das Krankenlager von Papa.

Hussein beugt sich gerade über Papa und fasst dann Mama bei den Schultern, die weinend auf Papas Brust liegt und ihn umfasst hält. Hikmet, Fati und Mariam knien dabei und klagen laut. Meine Beine geben nach, zitternd sinke ich zu Boden. Tränen beginnen zu laufen. Ich stimme in den Klagegesang ein. Papa ist tot!

Allah sei Dank, dass er Alisha noch sehen durfte. Seine letzte Handlung war es wohl, dass er Alisha gesegnet hat!

Nun bleiben wir noch drei Tage bei Mama, bis die Beerdigungszeremonie vorbei ist. Auch Soulima ist mit ihrem Mann und Sohn aus der Stadt angereist.

In der ganzen Zeit weicht mein Herr nicht von meiner Seite. Es ist so wunderbar, stumm in seinen Armen zu liegen, von ihm gestützt zu werden, seine Anteilnahme und ungeteilte Aufmerksamkeit zu fühlen. Hussein und Omar schauen ein paar Mal komisch, kommentieren es aber nicht. Meine Schwestern, Tante und Schwägerin lächeln über die Fürsorge, die mir zuteil wird. Sie selbst können sich nur gegenseitig stützen und aufmuntern.

Dann fahren wir in unser Appartement zurück. Richtige Urlaubsstimmung will nicht bei mir aufkommen. Ein paar Mal nur gehen wir zum Strand wegen Alisha. So beschließt mein Herr ein Kulturprogramm zur Ablenkung. Wir besuchen jahrhundertealte Bauwerke und schauen uns die wildromantische Landschaft an bis der Rückflug ansteht.

“Lass uns bitte mindestens einmal jährlich Mama besuchen,“" bitte ich meinen Herrn während des
Rückfluges.

“Das machen wir, Liebes!"“ bestätigt er mir mit sanftem Blick und fester Stimme.

Den Rest des Fluges kuschele ich mich an meinen Herrn und hänge meinen Gedanken nach.

* * *

Hier endet mein Bericht, den ich “Rashas Reise“ genannt habe. Mein Herr hat mir aufgetragen, dies alles für Alisha aufzuschreiben, damit sie es später liest, wenn sie reif dafür ist und begreift, wozu Liebe fähig ist und wie himmlisch es ist, genauso intensiv geliebt zu werden.

Alisha, dein Papa ist mir ein Herr der Liebe und ich bin seine Magd der Liebe. Das erklärt dir sicher
manches, was du bisher nicht so ganz verstehen konntest. Ich liebe meinen Herrn, deinen Papa, mit großer Gefühlstiefe. Ich würde mich leer, nutzlos, wertlos fühlen, wenn Er mir nicht ebenso intensive Gefühle entgegen brächte! Wie das kommt? Ich durfte erfahren, welch überragendes Verantwortungsgefühl er besitzt!

Ich erwarb dadurch ein solch tiefes Vertrauen in ihn, dass ich mir sicher wurde, dass keine seiner
Entscheidungen mir in irgendeiner Weise schadet. Hinzu kam die Liebe, vor der kein Mensch je sicher ist und ein unbeschreibliches Gefühl der Geborgenheit!

Er gibt mir immer wieder aufs Neue das Gefühl für ihn der wertvollste Mensch, seine größte Liebe, die beste Mutter der Welt zu sein, so dass ich ewig zu ihm gehören – nein, ihm gehören möchte.

Einen besseren Mann, Herrn, Vater gibt es für uns beide nicht, Alisha!

Jedoch hat das größte Glück auch seine Schattenseiten. Allah will nicht, dass wir zu sehr abheben!

Vordergründig lebe ich in einem persönlichen Paradies. Papa kümmert sich um alles, sorgt für alles, fördert dich und mich, wo er kann. Aber da ist ein -– wie nennt Papa es? -– Damoklesschwert, das über unseren Köpfen schwebt:

Einen weiteren Anfall hatte Papa bisher nicht, aber die Ärzte sagen, so was kann immer wieder passieren. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel im April! Ich hoffe, dass ich dann stark genug bin, unser beider Leben in Papas Sinn selbständig zu führen. Vielleicht bist du dann auch schon erwachsen und gehst deiner Wege. Vielleicht lässt Allah Papa noch lange leben, überträgt mir aber die Aufgabe ihn zu pflegen? Wer kann das sagen? Inschallah…


EPILOG:

Alisha, meine Kleine, hier schreibt nun dein Papa einiges zur Ergänzung. Weißt du, wie ich Mama kennen lernte?

Ein Sturm hatte uns weit vom Kurs weggebracht. So konnten wir unseren Zielhafen nicht erreichen, ohne dass wir vorher irgendwo unsere Vorräte ergänzten. Wir ankerten also am nächstgelegenen Landungspunkt, um vor allem Trinkwasser zu kaufen.

Im Hause der einzig französisch sprechenden Person in dem Fischerdorf bediente uns abends eine junge Frau ungewohnt demütig. Unsere Gastgeberin, eine Arbeitsvermittlerin, begann sie uns anzubieten. Ich hörte mir ihre Geschichte an und dachte mir, dass deine Mama es bei uns besser hätte, als in der nahen Stadt. Denke bitte nicht, Seeleute denken immer nur an das “Eine“! Die Zeiten sind lange vorbei!

Dass die Frau für deine Mama Geld verlangte, erschien mir nicht ungewöhnlich. Das tun private
Arbeitsvermittler in gewisser Weise hier auch. Und dein Opa war in einer wirtschaftlichen Notlage und brauchte Geld, um den Rest der Familie ernähren zu können.

Deine Mama kam also an Bord und wurde in der Küche eingesetzt. Anfangs ging es ihr sehr schlecht, aber sie gewöhnte sich bald an den Seegang. Ich lehrte sie unsere Sprache und mit zunehmendem Verstehen erzählte mir deine Mama von den gesellschaftlichen Verhältnissen in ihrem Land.

Das Rollenverständnis von Männern und Frauen in ihrer Heimat kommt dem einer Szene hier sehr ähnlich und da deine Mama offen meinen Anweisungen als Kapitän gehorchte, gefiel ich mir in der Rolle auch privat.

Ich versuchte diese Rolle so human auszufüllen, wie es meinem Verständnis entsprach.

Mit der Zeit kamen wir uns auch menschlich näher. Neben der Verantwortung für sie und dem riesigen, fast kindlichen Vertrauen, dem ich immer gerecht zu werden versuchte, entwickelte sich eine tiefe gegenseitige Liebe zueinander, die durch alle Widrigkeiten des Lebens bisher Bestand hat.
Ich zeigte deiner Mama die Szene hier und im gleichen Jahr noch heirateten wir. Wir machten als
Hochzeitsreise einen Kurztrip nach New York und lebten zusammen auf dem Segelschiff, das zugleich auch unser Arbeitsplatz war, bis -– ja, bis dieser Unfall passierte, bei dem ein Mensch sterben musste…...

Was passiert war, sagte man mir nur teelöffelweise, aber wenn ich heute noch daran denke, kommen mir die Tränen, Maus. Ich übernehme gern Verantwortung. Als Kapitän, der Mannschaft gegenüber, als Mann deiner Mama gegenüber, als Papa dir gegenüber, um euch zu schützen –- nicht um euch zu schaden. Nun war aber das Schreckliche passiert und Gott sei Dank war Mama da, um mich abzulenken, mich in stillen Stunden zu umarmen und mir ihre Liebe zu zeigen.

In Folge des Unfalls war ich gezwungen den Beruf aufzugeben, aber dann bot sich uns die Chance mit dem “Haus am See“"! Du glaubst gar nicht, was mir das bedeutet. Ich habe in meiner Kindheit deinen Uropa nur im Sessel sitzend erlebt. Das gleiche zu tun, wäre mir zu langweilig!

Dann wurde Mama schwanger mit dir! Wie glücklich mich das machte, Liebes! Mama beschwerte sich öfter, ich würde sie wie ein rohes Ei behandeln *lächel*, aber so bin ich nun mal: verantwortungsvoll und fürsorglich! Später galt es wieder ein Problem zu meistern, als die Kinderärztin eine Fehlbildung bei dir feststellte, aber meine Entscheidung für den langwierigen Heilungsprozess erwies sich als die Richtige.

Dann kamen wir gerade rechtzeitig, um deinen Opa noch ein letztes Mal zu sehen. Jetzt hatte ICH die Gelegenheit Mama meine Anteilnahme zu zeigen, ihr Trost zu vermitteln. Nun bist du schon in der Schule.

Bald wirst du eine Ausbildung machen, einen jungen Mann kennen lernen – kurz gesagt: deinen eigenen Lebensweg gehen. Dafür wünsche ich dir alles Glück auf Erden und ich möchte dir abschließend noch sagen, dass du uns jederzeit willkommen bist, wenn dich dein Weg zu uns führt, ob du nun etwas auf dem Herzen hast oder einfach nur aus Sehnsucht.
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